Duftbäumchens Logbuch

Kaum macht man’s richtig, schon funktioniert’s.

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Archiv für September, 2005

Beratungsbedarf

Erstellt von duftbaeumchen am 28. September 2005

Da bekam ich doch kürzlich ein gar lustig Briefchen von meiner Haus- und Hofbank. Frau L. und Frau R. teilten mir darin mit: “regelmäßige Lohn- und Gehaltszahlungen auf einem Girokonto bilden die Grundlage für die Ausreichung eines Dispokredites. Wir haben festgestellt, daß die auf Ihrem Konto eingehenden Zahlungen nicht der Höhe Ihres Dispokredites entsprechen.”

Fein beobachtet.

Nach Rücksprache im Bekanntenkreis scheint dies wohl ein grundsätzliches Problem zu sein. Die Kreditlinien sind alle höher als die monatlichen Geldeingänge.

Ich möge mich doch bitte melden und einen Termin für ein persönliches Gespräch mit meinem Kundenberater vereinbaren, damit “wir gemeinsam (…) ein individuelles Angebot erarbeiten” können. Sofern ich derzeit meinen Dispo in Anspruch nähme, wären die Damschaften gerne “zu einer Umschuldung in ein Ratendarlehen bereit.” Sollte ich mich nicht innerhalb einer Frist melden, sähe man sich gezwungen, den Kredit an die neuen Zahlungseingänge anzupassen.

Schön.

Leider verstehe ich den Sinn dieses Schreibens nicht.

Ich entnehme den Formulierungen, daß die Unterzeichner nicht wirklich wissen, wie es auf meinem Konto aussieht.
Als die Zahlungseingänge noch unregelmäßig waren, ich den Dispo bis zur Grenze und darüber ausgeschöpft habe, hat das doch auch niemanden interessiert. Gut, da hat die Bank auch Geld mit mir verdient. Seit vielen Monaten aber ist Kontinuität zu verzeichnen, nur selten unterschreite ich die Nulllinie.
Allerdings wandert das wenige übrigbleibende Geld zu einem anderen Kreditinstitut.

Irgendwie fühle ich mich beleidigt.

Nach Rücksprache mit der Bank zwecks Terminvereinbarung brachte ich das auch so zum Ausdruck. Und was entgegnet man mir da?

Ich möge das nicht persönlich nehmen.

Hallo? Der Brief ist an meine Person adressiert und von zwei Menschinnen handschriftlich unterzeichnet. Oder sehen so die neuen Postwurfsendungen der Banken aus, um mit den Kunden mal wieder ins Gespräch zu kommen?

Nun bin ich gespannt, wie mich meine Beraterin berät.

Ich werde mich gut vorbereiten.

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Plan B

Erstellt von duftbaeumchen am 18. September 2005

Bauch - Beine - Po

Solveig und Daniel ziehen um. 1 plus 1 gleich 4.

Als erfahrener Wohnungswechselmitmachspezialist greife ich ihnen gerne unter die Arme. Also in diesem Fall vielmehr unter Kisten, Kästen, Schränke und sonstige Kleinteile.
Bereits im Vorfeld äußerte ich meine Wünsche, wie eine solche Maßnahme abzulaufen hat. Ich selbst habe zwar in meinem Leben bisher nur einen eigenen Umzug gemeistert (vom täglichen Wäschewechsel einmal abgesehen) - mein Freundeskreis erlaubte mir jedoch, genügend Erfahrungen zu sammeln.

Ich mag es, wenn es flutscht.

Im Großen und Ganzen hat das auch funktioniert. Die Behältnisse waren gepackt und zum Abtransport bereitgestellt, ein LKW stand zur Verfügung und genügend menschliches Material zum Anfassen. Das Leerräumen der zwei Wohnungen jeweils in der ersten Etage gestaltete sich - von Kollateralschäden abgesehen - unspektakulär.
Auch am neuen Domizil passierte vorerst nichts außergewöhnliches.
Wir hatten sogar einen Aufzug bis zum Dachgeschoß.
Doch der war zickig.

Bekannt war, daß der Lift laut Typschildangabe bis 320 kg Material in die Lüfte heben kann.

Also drei sehr ausgewachsene Menschen und eine Handtasche. Theoretisch.

Aus Überlieferungen der Hausbewohner war allerdings auch bekannt, daß dieses Wunderding der Ingenieurskunst ab und zu bereits beim Abstellen eines Einkaufskorbes durch Ertönen eines Signaltones bekannt gab, sich belästigt und überlastet zu fühlen.

Bei einer Grundfläche von ca. 1m² war für einen Menschen kein Platz für die Mitreise. Der Plan sah also vor: Hausrat unten rein - Knopf drücken - hochfahren lassen - Hausrat oben wieder raus - nächste Fuhre.
Demzufolge beluden wir die kleine Kabine behutsam. Immer darauf bedacht, dem kleinen Racker nicht zu viel zuzumuten.

Wenn es nach mir gegangen wäre (ist es aber leider nicht), ich hätte die Last noch weiter reduziert; so ein Aufzug ist auch nur ein Mensch. Ich bin vielleicht manchmal etwas übervorsichtig und zu sehr auf meine Umwelt bedacht; will niemanden unnötig stören.
Und wenn ich weiß, daß die Aufzugheinzelmännchen im Keller eh schon unpässlich sind, muß ich sie nicht unnötig reizen. Egal.

Der aufmerksame Leser wird sich schon denken, was passierte.
Genau.

Die Belader wurden übermütig. “Die Kiste paßt noch rein. Er wird sich melden, wenn es seine Möglichkeiten überschreitet.” Prinzipiell und rein körperlich gesehen hat die Schachtel noch einen Platz gefunden. Aber belastungsmäßig - eher nicht.

Die Tür geht zu, leise bewegt sich was.
Doch dann macht er schlapp. In der zweiten Etage. Warnton - die Tür öffnet sich und der kleine verweigert die Weiterfahrt. Karsten nimmt ihm etwas von seiner Last. Die Tür schließt sich; die Fahrt geht weiter.
Und stopt abermals. Doch die Tür bleibt zu.

Zicke.

Kein Lämpchen deutet auf ein Lebenszeichen hin. Stille.

Fein.

Soviel dazu. Wahrscheinlich die Sicherung.

Spontan tritt nun Plan B in Kraft.

Wir schleppen den Krempel per pedes. Ich hätte nun bemerken können: “Ich hab’s doch gleich gesagt.”. Verkniff mir das aber und fügte mich meinem Schicksal.
Ca. 15-20 Mal, jeweils 75 Stufen; Glücklicherweise in restauriertem Altbau mit breitem Treppenhaus. Das gibt Muskeln. Und dabei war ich doch gestern Nacht erst beim Salsa - mußte drei Frauen abwechselnd betanzen. Bis kurz nach zwei. (Dies nur am Rande, ich will ja nicht jammern; es gibt auch keinen Grund. Vier Stunden Schlaf reichen mir völlig.)
Wie dem auch sei. Schränke, Tische und sonstige Wohnungsbevölkerer werden in luftige Höhe getragen.

Die in zahlreichen Tagesseifenserien propagierte Hilfsbereitschaft bereits ansässiger Hausbewohner erwies sich als gemeine Lüge. Uns liefen zwar einige über den Weg, allerdings bot keiner seine Unterstützung an. Ich dachte erst, in diesem Haus wäre das anders: ein spontan mit anfassendes Ehepaar entpuppte sich dann doch recht schnell als Daniels Eltern. (Die kannte ich bis dahin eben noch nicht.)

Vielmehr trugen wir einem Paar die Einkaufskörbe nach oben, da durch unsere “Schuld” der Aufzug nicht mehr funktionierte. Naja, muß auch nicht.
Nach wenigen Stunden war alles in den neuen Räumlichkeiten; Mamma Daniel hatte lecker Essen bereitet - kurze Pause.
Nun die Feinheiten.
Wir bauten Schränke und Betten zusammen - erste kleine Krisen bezüglich der Positionierung von Einrichtungsgegenständen wurden gemeistert.
Soli meinte: “Du könntest noch die Lampen anbringen.”
Prinzipiell stand dem auch nichts entgegen. Außer, daß entweder die Lampen noch in der alten Wohnungen hingen, zur Befestigung benötigte Kleinteile nicht vorrätig bzw. Lampenbestandteile nicht auffindbar waren. Schade. An einer Trockenbaudecke geht das so schön einfach.
Letztlich versorgte ich die wesentlichen Wohnbereiche mit Licht, wenn auch teilweise nur provisorisch.
Als ich dreiviertel acht als einer der letzten die Baustelle verlies, harrten einige Kisten nach wie vor ihrer Befreiung aus dem Liftkästchen.
Mehrere Anrufe beim zuständigen Notdienst brachten bis dato keine Erfolge. “Der Techniker war doch da.” Er hätte im Beisein eines “Hausbewohners” die Aufzugstür geöffnet und gemeint, wenn man die Sachen ausräumt, dann funktioniert’s auch wieder.

Und ist gegangen.

Und die Tür wieder zu.

Komischerweise war im Haus kein Bewohner aufzutreiben, der dies bezeugen kann.
Kann mir mal jemand verraten, wie man bei geschlossener Fahrstuhltür Kisten ausräumt, um die Überlast abzubauen?
Wie dem auch sei.

Ich habe wieder Erfahrungen gesammelt.
Meinen nächsten eigenen Umzug werde ich - wie den letzten auch - sicher ganz alleine durchziehen. Dauert zwar etwas länger und ist anstrengender, aber wenn etwas kaputtgeht, dann bin ich selber schuld und muß mich nur über mich ärgern.
Ich habe auch schon überlegt, einen Umzugsratgeber zu schreiben.

Vielleicht verdiene ich damit Geld.

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