Duftbäumchens Logbuch

Kaum macht man’s richtig, schon funktioniert’s.

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  • Langzeitstudie

  • da mach ich mit...


Archiv für November, 2005

Ausgrabungen

Erstellt von duftbaeumchen am 30. November 2005

Die liebste aller Kolleginnen, Freundinnen und Nachbarinnen hat heute wiederholt klargestellt, daß sie das mir vor ca. 5 Jahren unterlaufende Mißgeschick (ihre nichtbeachtete neue Frisur betreffend) weder vergessen, noch verdrängt oder sonstwie aus ihrem Gedächtnis verbannt hat.

Ich werde mich bemühen, zukünftig verstärkt auf solche für mich eher unbedeutende, für Frauen aber existentielle Kleinigkeiten zu achten.

Danke, Frülln, daß Du mich immer wieder daran erinnerst.

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Wärmespeicher

Erstellt von duftbaeumchen am 30. November 2005

Wie jeden Dienstag vertraute ich gestern den Transport meinerselbst unseren ortsansässigen Nahverkehrsbetrieben an. Dabei gewann ich eine Erkenntnis, die ich der Welt nicht vorenthalten will. Und darf.

Ich weiß nun, warum es in den Wintermonaten außerhalb menschlicher Behausungen so kalt ist.

Die LVB (Leipziger Verkehrsbetriebe) haben es offensichtlich irgendwie geschafft, die in den Sommermonaten mühsam durch die Natur produzierten Wärmemoleküle aus der Leipziger Freiluft komplett abzusaugen und in den eigenen Transportmitteln zu lagern und somit vor dem vorzeitigen Ableben wegen Lichtmangels zu bewahren.
So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich mit der Bahn fahre.

Dick eingemummelt verlasse ich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt das Haus, verbringe einige Warteminuten an der kalten Freilufthaltestelle und besteige frohen Mutes (es sind nämlich noch Sitzplätze frei) das Verkehrsmittel.

Heiße Luft ströhmt mir entgegen.
Eigentlich müßte ich nun Jacke und Pullover ablegen.
Handschuhe und Stiefel wären erst recht nicht nötig - die habe ich vorsorglich gleich weggelassen. Leider ist die Entwicklung der Transportmitteltechnik noch nicht so weit fortgeschritten, daß in allen Wagen Garderobenhaken angebracht und Kleiderbügel vorrätig sind. Auch die in höherpreisigen Personenkraftwagen bereits länger verfügbaren individuellen Raumklimaeinstellmöglichkeiten befinden sich wohl noch in der Testphase.

Mir ist warm.

Trotzdem ziehe ich mich vorerst nicht aus. Dummerweise gibt es nämlich Leute, die beim Ein- bzw. Aussteigen die Türen öffnen. Die sollten sich mal ein Beispiel an Herrn Copperfield nehmen - die chinesische Mauer war für ihn kein Problem. Und hier scheitert’s schon an simplen Blechtüren.
Beim Be- und Entsteigen strömt natürlich kalte Luft herein (und warme hinaus). Die entfleuchte Warmluft wird zwar sofort nach Abfahrt der Stadtluft wieder entzogen und ins Wageninnere gepumpt - trotzdem schwankt die Innentemperatur recht stark und ich könnte mich erkälten.
Die Aggregate laufen geräuschvoll auf Hochtouren, um die Außentemperatur auf konstant niedrigem Niveau zu halten.
Mich wundert, warum die LVB in den Wintermonaten die Preise nicht anheben.

Man könnte auf einfache Weise zwei Dinge miteinander verknüpfen…

…Stadtrundfahrt und Sauna.

Und die Passanten auf der Straße hätten auch mal was zum Gucken.

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Wunschzeit

Erstellt von duftbaeumchen am 30. November 2005

Soeben hat mir der erste Kunde ein frohes Fest gewünscht.

Heute ist ja auch schon der 30. November.

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Wegweiser

Erstellt von duftbaeumchen am 29. November 2005

Als Fremder kennt man sich ja nicht immer so gut aus, wenn man in die Fremde ausgezogen ist (Einheimische wissen allerdings auch nicht immer, wo es lang geht). Also fragt man nach dem Weg. Männer tun das zwar nicht so gern, ab und zu geht es jedoch nicht anders.

Das hat sich ein Dresdner (zumindest dem Kennzeichen nach) heute sicher auch gedacht.
Der Leipziger an sich steht selbstverständlich gern mit Rat und Tat zur Verfügung und teilt sein Wissen mit jedem Ausheimischen; es sei denn, er ist unpässlich, es gießt in Strömen oder er hat einfach keine Lust zum Reden.

Offensichtlich trafen alle drei Voraussetzungen nicht zu und die Situation stellte sich folgendermaßen dar:
Das Fremdfahrzeug schleicht mit 30 die Straße entlang (*nerv*).
“Ha, ein Eingeborener!”, denkt sich der Fahrer, hält an und beugt sich zum rechten Fenster hinüber. Er öffnet selbiges und bittet den unbekannten Passanten um Hilfe.
Dieser guckt sich kurz um (muß wohl erst mal schauen, wo er sich überhaupt befindet) und beginnt aufrechtstehend, eine mögliche Route zu erklären. Zur optischen Veranschaulichung nimmt er seinen linken Arm zu Hilfe, deutet damit den Straßenverlauf sowie einige Richtungswechsel an und fuchtelt durch die Luft.

Leider kann der Fahrer dies alles überhaupt nicht verfolgen - zwischen seinem Gesicht und dem “Leitarm” befindet sich nämlich noch ein unbedeutendes Hindernis.

Das Autodach.

Vielleicht hat er den Weg trotzdem gefunden.

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Warnung!

Erstellt von duftbaeumchen am 28. November 2005

Werte Leser,

aus gegebenem Anlaß muß ich hier folgende Warnmeldung ausgeben:

Lehrgänge sind gesundheitsschädlich!

Die vorige Woche durfte ich eine Weiterbildungsmaßnahme im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit besuchen. Sieben Stunden sitzen und denken. Unterbrochen von drei Pausen. Wenig Bewegung, dafür in der mittäglichen Lernunterbrechung ein lecker Mahl und ausreichend Zeit zum genüsslichen Verzehr desselben. Und Gebäck am Nachmittag.

Täglich. Fünf mal in Folge.

Das ist ungesund!

Zumindest für mich. Ich habe anderthalb Kilo zugenommen. Eigentlich ist für das behandelte Thema die Zeit viel zu knapp gewesen. Aus figurtechnischer Sicht allerdings bin ich froh, daß dies nicht ein Jahreslehrgang war.

Dann wöge ich jetzt ca. 135 kg.

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Vorglühen

Erstellt von duftbaeumchen am 28. November 2005

Es geht wieder los; das Weihnachtsfest wirft seine Schatten voraus. Und die Lichter gleich hinterher. Wo man auch hinschaut, Fenster sind mit allerlei illuminierten Schwibbögen, Engeln und anderem Getier bevölkert. Die befohlene Glückseeligkeit hält Einzug.
Ohne mich. Bei mir zu Hause blinkert kein Stern nervös an der Fensterscheibe, es duftet nicht nach frisch gebackenen Plätzchen und der Christbaum hat auch keine Chance seine Nadeln aufs Parkett zu streuen. Es gibt nämlich keinen. Ich kann nun mal dem Weihnachtsfest nichts positives abgewinnen.

Wenn man von Dominosteinen und Feuerzangenbowle mal absieht.

Und damit sind wir auch schon beim Thema.

Seit ein paar Jahren ist es zur Tradition geworden, daß sich ein gar lustig Trüppchen an den Adventsonntagen um 18.00 Uhr Ortszeit auf dem hiesigen Weihnachtsmarkt trifft und sich dem Konsum von alkoholischen Heißgetränken hingibt. An diesen vier Sonntagen trifft man mal wieder Leute, die einem sonst das ganze Jahr nicht unter die Augen getreten haben. Da ich hier keine Namen nennen darf. verrate ich nicht, daß neben Frülln, Manja, Konsi, Sören, Marco, Ilka und Frau Sushi noch hunderte andere anwesend waren.

Vom Markttreiben an sich bekomme ich nur sehr wenig mit. Nicht, weil ich mir das Rübchen zuschütte und methylisch “durch die Kante schieße”. Vielmehr ist es schlichtes Desinteresse an Baumschmuck und Vanillewaffeln. Mein Weg vom öffentlichen Nahverkehrsmittel zur Tränke verläuft zielgerichtet von A nach B. Optimieren könnte man selbigen nur, wenn die vor dem Feuerzangenbowlenstand befindliche Menschenmenge bei meiner Ankunft kurzerhand ein Spalier bilden würde und ich ohne Drängelei sofort zur Getränkeausgabe vorstoßen könnte.

Naja, man kann nun mal nicht alles haben.

Mir scheint, halb Leipzig wartet nur auf die Adventszeit und versammelt sich dann genau am Sonntagabend auf dem Nikolaikirchhof. Andererseits ist es so schön kuschelig. Gestern hat sich nämlich wieder einmal gezeigt, daß es doch frischlicher wird, wenn sich gegen zwanzig Uhr die Reihen langsam lichten und der kalte Winterwind ungehindert um die teilweise unbemützten Köpfe wedeln kann.

Wir müssen also der einsetzenden Kälte des urplötzlich eingebrochenen Winters (war ja auch nicht vorauszusehen) innere Hitze entgegensetzen. Das klappt bei einigen ganz gut, andere hingegen müssen da wohl noch etwas üben. Ilka zum Beispiel zappelte permanent von einem Bein aufs andere.

Und warum? Genau, sie fror untenrum. Also ganz unten, in Bodennähe. Da, wo die Schuhsohlen direkten Kontakt zum Straßenpflaster haben. Von einem Kinderpunsch oder Tee oder was auch immer das war kann ja auch keine innere Wärme aufkommen. So ist das eben, wenn frau mit dem Kraftfahrzeug unterwegs ist. Unsereiner hat sich an klebrigen Tonbechern festgehalten, die kaum zu halten waren, weil sie so heiß waren. Madame I. hingegen steigt nervös von einem Bein auf’s andere (und wieder zurück) und macht einen ganz wuschig damit. Offensichtlich hat meine Nähe nicht gereicht.

Der Genuß der gemeinen Feuerzangenbowle an sich scheint mir auch nicht für jeden geeignet zu sein. Manja W. zum Beispiel ist so ein Fall. Sie hat es allerdings auch etwas schwerer als die anderen, was wohl an ihrer geringen Körpergröße liegen muß und somit logische Gründe hat.

Folgenden Denkansatz lege ich da zugrunde: Man stelle zwei Menschen gleicher Statur aber unterschiedlicher Körperhöhe nebeneinander und gieße in beide die gleiche Menge flüssiges Zucker-Wasser-Alkohol-Gemisch. Und siehe da, bei dem kleineren Erdenkind erreicht der Bowlenpegel eher den Kopf als bei dem größeren. Und die Auswirkungen habe ich gespürt. Sie hat mir zwei kleine Haarhörnchen gezwirbelt und fand das sogar lustig. Da ich mich selbst nicht anschauen konnte, kann ich mir kein Urteil erlauben, ob das eventuell ein neuer Modetrend für’s nächste Jahr wird. Vorsichtshalber stellte ich jedoch vor der Heimreise den ursprünglichen Zustand wieder her.

Auf der Rückfahrt selber passierte nichts bemerkenswertes. Die beiden älteren Damen, die auf dem Hinweg verzweifelt und aufgeregt versuchten, an einem unplanmäßigen Halt - eine Ampel verwehrte uns die Weiterfahrt - eine Tür zu öffnen um auszusteigen, lagen sicher schon im Bett. Somit war es ruhig in der Bahn und ich fühlte mich wieder wie in Madrid.

Zu Hause gab’s dann erst mal was richtiges zu Essen.

Und ein Glas Rotwein.

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Kindergeburtstag

Erstellt von duftbaeumchen am 20. November 2005

Jens, mein vielleicht-irgendwann-mal-Schwager (Schwester K. und er hatten im Sommer 10-jähriges Verlobungsjubiläum) und Kind seiner Eltern lud ein. Die üblichen Verdächtigen erschienen wie jedes Jahr vollzählig. Und wie jedes Jahr hatte ich eigentlich keine Lust auf genau diese Konstellation der anwesenden Personen. Vielleicht liegt es daran, daß sich der Altersdurchschnitt und damit die Gesprächsthemen jenseits der 60 bewegen.
Da ich aber kein Spielverderber sein wollte, ging ich trotzdem mit. Wie die Jahre davor auch.

Die Veranstaltung läuft immer ähnlich ab. Nach der ziemlich zeitgleichen Ankunft der Gäste - verbunden mit kollektivem Drängeln im Flur beim Ablegen der Garderobe und des Schuhwerks (bei uns älteren geht das nun mal nicht mehr so schnell) gibt’s erst mal Kaffee (Tee für die Extrawürste) und Kuchen.

Währenddessen kommt die Konversation in Gang.
Zuerst das Wetter, lange Unterhosen und ab wann selbige zu tragen sind.

Mein Vater dazu: “Ich habe meine auch schon 14 Tage an.”

Gerochen haben wir noch nichts.

Anschließend behandelten die Herrschaften (ich halte mich da meistens ‘raus) lautstark folgende Themen: Hundehaufen, Jugendliche in der Straßenbahn im Wandel der Zeiten, Rentnerausweise, unser (in Scheidung lebender) Bürgermeister mit seiner (Noch-)Frau in der Leipziger Oper, Einkaufen (im Allgemeinen und Besonderen), kulinarische Zubereitung von Innereien, Kleintierhaltung und nochmal Einkaufen.

Ruck-zuck sind zwei Stunden ‘rum, unterbrochen durch die kulturelle Darbietung einer Laienspielgruppe anläßlich eines Kindergeburtstages im Nebenhaus. Open Air; im Hinterhof. Wenige Grade über Null. Dies hätte sicher niemanden von uns interessiert, wenn nicht mein Neffe am grandiosen Erfolg dieser Welturaufführung beteiligt gewesen wäre. Zwar nur unwesentlich aber immerhin beteiligt. Worum es eigentlich ging habe ich allerdings nicht verstanden. Die Jungjugend denkt eben heutzutage anders, ich muß das nicht mehr alles erfassen. Er zog es anschließend auch vor, vorerst bei den jungen Damen der Geburtstagsgesellschaft zu verweilen und uns nicht mit seiner Anwesenheit zu belustigen.

Das folgende Abendessen nahm ich ausnahmsweise mal in gebückter Haltung ein. Gemeinsam mit meinem Vater und dem mittlerweile eingetroffenen Junior des Hauses am “Kindertisch”.
Salzfleisch mit Sauerkraut und Brot. Prinzipiell sehr lecker. Wenn allerdings der Magen durch die gebeugte Haltung in seinem Bewegungs- und Dehnungsspielraum eingeschränkt wird, macht sich seine Befüllung recht schnell bemerkbar.

Mir war schlecht.

Dagegen soll bekanntlich ein Schnaps helfen. Ich weiß, daß dies eigentlich Unsinn ist, aber althergebrachten Traditionen wollte ich mich nun auch nicht verschließen.

Das Allheilmittel: Karlsbader Becherbitter - bekannt aus Funk und Fernsehen und von unseren CSSR-Reisen zu DDR-Zeiten. Damit verzieht sich sofort jeglicher Fettfilm auf den Magenwänden. Und auch der Mund meines 11-jährigen Neffen nach Benetzung seiner Lippen mit dem edlen Gesöff.

Iiiiih, eklig.

Selbst schuld, warum muß er auch überall seine Zunge reinstecken.
Daß die Gesichtsausdrücke der Erwachsenen ebenfalls nicht von Wohlgeschmack kündeten, erwähne ich nur am Rande. Wir haben die Gläser trotzdem nochmals füllen lassen. Das Prinzip solcher “Verdauungsmedizin” liegt ja auch weniger in der Reaktion der Flüssigkeit mit dem Mageninhalt, sondern eher in der Ablenkung vom Völlegefühl durch den abartigen Geschmack.

Es hat funktioniert.

Kaum kam die Verdauung richtig in Gang fragte Opa Bernd seine Angetraute: “Wann gehen wir zum Schlachtfest?”

Er hatte bereits wieder Appetit.

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