“Bring doch mal den Müll runter.”
“Ja-ha, gla-heich.”
Nach zwei Stunden stehen die Abfallbeutel immer noch an der gleichen Stelle.
Manche Dinge brauchen eben etwas länger. Sie müssen reifen.
Nicht nur Mülltüten.
Vor nunmehr 25 Monaten beschloß ich, eine neue Stereoanlage zu kaufen. Also eigentlich liegt der Entschluß bereits ca. dreieinhalb Jahre zurück, aber es gibt nun mal Dinge, die bedürfen einer ausgiebigen Entscheidungsphase. Der moderne Schnick-Schnack und ein geringes Maß an Zukunftsfestigkeit sollten schon sein; deshalb wählte ich sorgfältig aus.
Diesmal inclusive Radioteil - in Fachkreisen Tjuner genannt.
Einen weiteren Verzögerungsaspekt stellten die notwendigen Baumaßnahmen zur Verlegung der Kabel für die rückwärtigen Lautsprecher dar. Wie verstecke ich zwei 2,5 qmm dicke Doppelleitungen mit dem geringstmöglichen Aufwand?
Geht nicht. Es sei denn, man hat keine Balkontüren und Teppichboden.
Meine Vermieter bevorzugen allerdings Holz.
Da ich Wert darauf lege, Leitungen mit möglichst wenig Sichtkontakt zur Außenwelt zu deponieren, heißt das: Leisten ab, Putz bzw. Parkettrand sorgsam ausarbeiten, Türdichtungen ‘rauspiepeln und wieder verzuspachteln, Wände anbohren, Lautsprecherhalterungen fixieren und leisten wieder dran. Und nebenbei die Drähte verletzungsfrei in die entstandenen Furchen verbringen. Ruck-zuck ist ein halber Tag ‘rum. Wenn das reicht.
Diese Überlegungen hielten mich lange vom Kauf ab.
Doch irgendwann war der Drang nach einem neuen Klanggefühl stärker.
Und was soll ich sagen?
Es hat sich gelohnt.
Nur Radio ging noch nicht, weil ich beim Einzug die unsichtbare Verlegung des dafür notwendigen Kabels vernachlässigte.
Das war auch weniger wichtig, da ich bis auf die morgendliche Bad- und Frühstückszubereitungszeit sowieso mehr Silberscheibenmusik aus dem eigenen Bestand höre. Die Radioeinheitssoße ist ja nun auch nicht der Knaller.
Eine Änderung der Kanalbelegung im hiesigen Kabelnetz und die mittlerweile vermehrt auftretenden Qualitätsschwankungen infolge Überreichweiten verstärkten jedoch den inneren Zwang, mich diesem Thema doch noch mal zu widmen.
Gugge da, auch das war ganz einfach.
Vier Meter Koaxleitung endbesteckert und an der Wand fixiert und schon flossen 27 zusätzliche Radioprogramme in Richtung Reseifer, wie ihn die wahren Spezialisten bezeichnen. Die Programmierung der Kiste gestaltete sich da schon umfangreicher - Haitek ist eben nur was für Fachleute. Und damit komme ich auf den Kern dieses Eintrages…
… früher war alles einfacher.
Das Sternchen z.B. hatte zwei Regler, einen zum Ein-/ Ausschalten und die Lautstärke, den anderen für die Senderwahl.
Das Sternchen konnte ich dank Batteriestromversorgung überall hin mitnehmen - sogar auf’s Klo.
Nur die Klangqualität war optimierungsbedürftig.
Aber man kann nun mal nicht alles haben.
Und der Müll muß auch noch runter.