Duftbäumchens Logbuch

Kaum macht man’s richtig, schon funktioniert’s.

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  • Langzeitstudie

  • da mach ich mit...


Archiv für Februar, 2006

jammerläppisch

Erstellt von duftbaeumchen am 27. Februar 2006

Mittlerweile eine Woche bin ich nun schon mehr oder weniger bewegungsgestört. Der Kalk im linken Schultergelenk versucht sich aufzulösen und verursacht dabei höllische Schmerzen. Die Ärzteschaft hat sich nach mehrfacher Konsultation dann doch überreden lassen, einige Medikamente bereitzustellen; den Rest muß mein Körper nun alleine bewerkstelligen. Bis zur eventuell stattfindenden OP ist noch Zeit.

Männer sind wehleidig, manche zeigen das jedoch nicht so öffentlich.

Ich bin auch so einer, ich leide lieber still vor mich.

Kristin meint dagegen, ich möge dieses, von der Gesellschaft vorgegebene Rollengehabe aufgeben und meinen Gefühlen freien Lauf lassen.

Toll. Na dann mache ich das doch mal.

Wie ich also vor kurzem werktäglich in Gegenwart meiner liebsten Kollegin, Freundin und Nachbarin Frau Frülln bei einer unbedachten Bewegung aufstöhne und mich voll den Schmerzen hingebe, meint sie: “Nun jamm’re mal nicht so rum, du bist doch ein Mann.”

Danke Kristin für den grandiosen Rat.

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Nichts ist so aufregend wie…

Erstellt von duftbaeumchen am 27. Februar 2006

… das Leben selbst.

Besonders, wenn es im Fernsehen stattfindet.

Heute hatte ich infolge ärztlich verordneter Arbeitspause die Gelegenheit, die Bügelpausenversorgung zahlreicher Hausfrauen und -männer zu genießen.

“Zwei bei Kallwass”

Gaaanz großes Kino.

Das Auditorium war gut besetzt.
Die Protagonisten stritten unter Federführung der großen Psychologin und Lebensberaterin Angeblicha Kallwass (heißt die wirklich so?) über eigentlich alltägliche Kleinigkeiten des alltäglichen Alltags. Da kann man noch was lernen.

Die Welt schaut zu und ich bin live dabei.

Ich durfte zum Beispiel erfahren, warum Gabi bereits seit vier Wochen keinen Sex mehr mit ihrem Mann hatte. Höchst interessant.
Nicht, daß sie nicht gewollt hätte. Weder Migräne noch Regelbeschwerden ihrerseits begründeten diesen Mißstand. Vielmehr verweigerte er sich den ehelichen Pflichten.
Tief in mir drin kann ich das sogar nachvollziehen, denn schon allein ihre Erscheinung würde jedem Gespensterdouble in der Geisterbahn zur Ehre gereichen. Aber das ist meine eigene Meinung und tut hier nichts zur Sache.
Er verwehrte sich angeblich, weil er sich bei einer Männerstripshow blamierte und nicht mehr als richtiger Mann fühlte.
Naja…

Und da frage ich mich wieder mal, wer denkt sich denn sowas aus? Nicht die Themen an sich, die werden nun mal vom Leben selbst erfunden.

Beziehungsweise von hunderten
Ausdenkern bei RTL, Sat1 und Konsorten.

Gegen Lebens- und Partnerberatung an sich ist prinzipiell erst mal nichts einzuwenden (wenn man Stephan G. Schulz mal beiseite läßt). Aaaber: Gehen wir doch mal logisch ran. Die Kallwasssche Therapie ist als Gruppensitzung mit passiver Publikumsteilnahme ausgelegt. Haha. Die klatschen sogar, wenn die Hauptdarsteller den Raum betreten. Nochmal haha. Die Hauptdarsteller breiten dann vor der versammelten Fernsehgemeinde ihre auch noch so absurdesten Intimgeheimnisse aus.

Do you love to entertain me?

Doch die Glaubwürdigkeit einer solchen Szenerie scheint Otto Normalplätter nicht zu interessieren. Der muß sich auch mehr um die Akuratesse der Bügelfalten kümmern.

Und Barbara Salesch verhandelt auch schon wieder.

Nu’ aber los. Das Leben geht weiter.

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Wie am Sch(n)ürchen

Erstellt von duftbaeumchen am 26. Februar 2006

Meine Geburt wäre eventuell ganz anders verlaufen - ohne ihn säße ich vielleicht heute nicht hier.

Er kennt mich nicht und ich hatte nie die Gelegenheit, ihn persönlich zu treffen oder gar für seine Heldentaten zu danken. Trotzdem verbindet uns etwas…

…ein kleiner kunststoffbewandeter Zweitakter.

Ein Trabant.

Zu frühen DDR-Zeiten eher Mangelware.

Später wurde das nicht besser.

In gewisser Weise war ich zwar Mittelpunkt und Auslöser der damaligen Ereignisse und doch habe ich von alledem nur minimal etwas mitbekommen. Naja, eigentlich gar nichts. Ich war nämlich noch sehr klein von Wuchs. Gaaaanz klein.

Also genauer gesagt: Gerade auf dem Weg in diese Welt.

Und er hat mich begleitet.

Er besaß nämlich bereits 1965 eine vierrädrige, Trabant genannte, Gehhilfe und wohnte als Nachbar neben meiner Tante in der Scharnhorststraße.
Wir - meine Mutter und ich - lebten dagegen noch mit Omma und Oppa zusammen. Einige Kilometer entfernt.

Der Vorgang des Schlüpfens meiner selbst kündigte sich an und ein geeignetes Transportmittel zur örtlichen Entbindungsstation stand kurzfristig nicht zur Verfügung.
Glück dem, der jemanden kannte, der jemanden kennt. Das Telefon als solches war glücklicherweise bereits entdeckt und sogar in Form eines “Öffentlichen Fernsprechers” verfügbar.

Und so ergab es sich, daß er die Entbindung meiner Mutter durch zur-Verfügung-Stellung seines “Pappkameraden” und Bedienung desselben im öffentlichen Straßenverkehr tatkräftig unterstützte.

Wie gut wir dazumal gefahren sind, vermag ich heute nicht mehr zu sagen.

Zumindest trug ich keine größeren
und bleibenden Schäden davon.

Doch noch schneller war er mit dem Fahrrad unterwegs.

Herlichen Glückwunsch zum 75. Geburtstag.

Und nochmals Danke für’s Mitnehmen, Täve Schur.

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Umzugsstress

Erstellt von duftbaeumchen am 25. Februar 2006

Die 28 paßt wie angegossen. Da ist es gut, daß die Bekleidungsindustrie Größenstandards vereinbart hat, an die sich jeder hält. 28 Zoll sind nun mal 71,12 Zentimeter - nicht mehr und nicht weniger. Basta.

Erstaunlich finde ich allerdings die Wandlungsfähigkeit meines Körpers im Verlauf einer Anprobe. Innerhalb weniger Sekunden wächst bzw. schrumpft er, wird dicker bzw. nähert sich der Statur eines Magersüchtigen.

Meine Körperbemaßungen bewegen sich hart an der Untergrenze eines Normalmannes; ich bin zu dünn konfektioniert worden.

Die 28 sitzt perfekt.

Theoretisch.

Leider ist diese Taillengröße eine eher selten vorkommende Rasse im Reiche der Herrenhosen. Besonders in Kombination mit der mir genehmen Länge. Katalogbestellungen fallen daher schon mal aus.
Trotzdem habe ich kürzlich einen diesbezüglichen Test durchgeführt. Ich orderte bei einem großen Versandhaus. Da die Größenstaffelungen im Jeansangebot der holden Weiblichkeit wesentlich differenzierter angelegt sind, fügte ich der Bestellung sogar zwei Stücke aus diesem Sortiment bei.

Und was soll ich sagen?

Keine hat gepaßt.

Trotz gleicher Größenangaben war die Jeans entweder zu lang oder zu kurz oder zu weit. Und da ein Zoll nun mal ein Zoll ist, kann es somit nur an mir gelegen haben.

Mein Körpervolumen pulsiert im Sekundentakt.

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Selbstportrait

Erstellt von duftbaeumchen am 19. Februar 2006

Bei Frau Dana habe ich den Link zum Southpark Character Studio gesehen und gleich mal ausprobiert.

Ich glaube, ich habe mich ganz gut getroffen (wenn man mal von den Ohrstöpseln, der Krawatte, dem roten Hemd und dem Teddy absieht).

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Wellenreiter

Erstellt von duftbaeumchen am 19. Februar 2006

“Bring doch mal den Müll runter.”

“Ja-ha, gla-heich.”

Nach zwei Stunden stehen die Abfallbeutel immer noch an der gleichen Stelle.

Manche Dinge brauchen eben etwas länger. Sie müssen reifen.

Nicht nur Mülltüten.

Vor nunmehr 25 Monaten beschloß ich, eine neue Stereoanlage zu kaufen. Also eigentlich liegt der Entschluß bereits ca. dreieinhalb Jahre zurück, aber es gibt nun mal Dinge, die bedürfen einer ausgiebigen Entscheidungsphase. Der moderne Schnick-Schnack und ein geringes Maß an Zukunftsfestigkeit sollten schon sein; deshalb wählte ich sorgfältig aus.
Diesmal inclusive Radioteil - in Fachkreisen Tjuner genannt.

Einen weiteren Verzögerungsaspekt stellten die notwendigen Baumaßnahmen zur Verlegung der Kabel für die rückwärtigen Lautsprecher dar. Wie verstecke ich zwei 2,5 qmm dicke Doppelleitungen mit dem geringstmöglichen Aufwand?

Geht nicht. Es sei denn, man hat keine Balkontüren und Teppichboden.

Meine Vermieter bevorzugen allerdings Holz.

Da ich Wert darauf lege, Leitungen mit möglichst wenig Sichtkontakt zur Außenwelt zu deponieren, heißt das: Leisten ab, Putz bzw. Parkettrand sorgsam ausarbeiten, Türdichtungen ‘rauspiepeln und wieder verzuspachteln, Wände anbohren, Lautsprecherhalterungen fixieren und leisten wieder dran. Und nebenbei die Drähte verletzungsfrei in die entstandenen Furchen verbringen. Ruck-zuck ist ein halber Tag ‘rum. Wenn das reicht.

Diese Überlegungen hielten mich lange vom Kauf ab.

Doch irgendwann war der Drang nach einem neuen Klanggefühl stärker.

Und was soll ich sagen?

Es hat sich gelohnt.

Nur Radio ging noch nicht, weil ich beim Einzug die unsichtbare Verlegung des dafür notwendigen Kabels vernachlässigte.

Das war auch weniger wichtig, da ich bis auf die morgendliche Bad- und Frühstückszubereitungszeit sowieso mehr Silberscheibenmusik aus dem eigenen Bestand höre. Die Radioeinheitssoße ist ja nun auch nicht der Knaller.
Eine Änderung der Kanalbelegung im hiesigen Kabelnetz und die mittlerweile vermehrt auftretenden Qualitätsschwankungen infolge Überreichweiten verstärkten jedoch den inneren Zwang, mich diesem Thema doch noch mal zu widmen.

Gugge da, auch das war ganz einfach.
Vier Meter Koaxleitung endbesteckert und an der Wand fixiert und schon flossen 27 zusätzliche Radioprogramme in Richtung Reseifer, wie ihn die wahren Spezialisten bezeichnen. Die Programmierung der Kiste gestaltete sich da schon umfangreicher - Haitek ist eben nur was für Fachleute. Und damit komme ich auf den Kern dieses Eintrages…

… früher war alles einfacher.

Das Sternchen z.B. hatte zwei Regler, einen zum Ein-/ Ausschalten und die Lautstärke, den anderen für die Senderwahl.

Das Sternchen konnte ich dank Batteriestromversorgung überall hin mitnehmen - sogar auf’s Klo.

Nur die Klangqualität war optimierungsbedürftig.
Aber man kann nun mal nicht alles haben.

Und der Müll muß auch noch runter.

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Offener Brief - Entschuldigung

Erstellt von duftbaeumchen am 14. Februar 2006

Sehr geehrter Herr Solf,

es ist mir sehr peinlich und doch stehe ich zu meiner Tat. Ich war’s. Ich habe ihr Buch beschädigt, habe die Eselsohren hinterlassen. Und dabei ist es ein so schönes Buch. Selbst meine Schwester war davon angetan. Den genauen Tathergang kann ich zwar nicht mehr beschreiben; im Moment der Entdeckung meines Frevels war mir allerdings sofort klar - das wird er mir nie verzeihen.

Sie wissen sicher nicht, um welches literarische Werk es sich handelt. Eigentlich ist es auch noch nicht veröffentlicht. Zumindest nicht in der Form, wie ich es letzte Nacht in den Händen hielt. Es handelt sich um den ersten Band ihres Gedankenjournals. Teilweise in deutscher, teilweise in russischer Sprache verfaßt. Eine Collage aus hand- und maschinegeschriebenen Seiten, aus bekritzelten Kalenderblättern und Zeitungsausschnitten.

Ich habe nun diesen Weg der Entschuldigung gewählt, da ich heute Morgen nicht mehr dazugekommen bin, es Ihnen direkt mitzuteilen…

…der Wecker hat geklingelt.

Man sagt ja, im Traum verarbeitet man wichtige Situationen des vorangegangenen Tages.

Ich las vor dem zu-Bett-gehen noch
die letzten Einträge ihres Tagebuches.

Vielleicht sollte ich das in Zukunft unterlassen - dann passiert solch ein Mißgeschick auch nicht wieder.

In tiefster Ergebenheit

dasLutzel

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