Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Archiv für Mai, 2006

Richtungswechsel

Erstellt von duftbaeumchen am 19. Mai 2006

Na wie konnte denn das passieren?

Das Bügeleisen nicht ausgeschaltet? Die Milch noch auf dem Herd?

Kein Problem. Ein kurzer Hinweis an den Fahrer genügt und ruckzuck geht’s wieder zurück nach Hause.

Allerdings sollte man nicht zu abrupt handeln,
das kann leicht in die Hose gehen.

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Tropfenfänger

Erstellt von duftbaeumchen am 17. Mai 2006

Wann kribbelt’s in der Nase?

Genau, wenn man gerade keine Hand frei hat.

Zum wiederholten Male mußte ich gestern beim Auf-(oder auch Ab-)waschen feststellen, daß immer dann, wenn beide – ich betone beide – Hände mit Spülschaum benetzt oder anderweitig unabkömmlich sind, das Riechorgan Aufmerksamkeit fordert. Entweder schwingen sich kleine Bakterien, Viren oder Würmer von Nasenhaar zu Nasenhaar (es kitzelt) oder das bis dahin stundenlang festsitzende und die Atmung erschwerende Schnupfensekret denkt sich: “Ach, mir ist das hier doch zu öde, ich brauch’ mal frische Luft.” Und verwandelt sich in Millisekundenschnelle in ein zartes Rinnsal, läuft langsam am inneren Nasenflügel entlang und sammelt sich kurz vor dem Ausgang in einer kleinen Kuhle.

Nur um dort zu verharren und durch seine Anwesenheit die dort anscheinend besonders zahlreichen und natürlich freiliegenden Nervenenden zu reizen.

Durch innere Spannungen gehalten, pendelt es als Tropfen fröhlich hin und her. Es fiele ihm nicht im Traume ein, die schützende Behausung zu verlassen. Ist wohl doch zu windig draußen.

Da genndsch bleede wärn.

Nee, da muß ich mir erst die Hände abtrocknen und ein Taschentuch suchen, nur um dann festzustellen, daß die gefühlte Tropfengröße von mindestens einem halben Liter einen winzigkleinen bis gar nicht wahrnehmbaren Feuchtigkeitsfleck auf dem Zellstoff hinterläßt. Eigentlich nicht der Rede wert.

Trotzdem nervt sowas.

Vielleicht sollte ich mir den VHS-Kurs “Einhändiges Aufwaschen” doch mal näher anschauen.

Oder einen Tropfenfänger von
der Kaffeekanne umfunktionieren.

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Bildspeicher

Erstellt von duftbaeumchen am 15. Mai 2006

“Den Sozialismus in seinem Lauf,
halten weder Ochs’ noch Esel auf.”

Nächstes Jahr sind die SED-Fernsehgeräte reif für den Endverbraucher. Etwas rotstichig, aber mit glasklarem Bild. Besser als LCD und Plasma.
Zeit wird’s; sechszehn Jahre nach Abdankung der dafür Verantwortlichen. Das kleine Pflänzchen hat sich wieder aufgerappelt.

Bei Speicherbausteinen für den Computer sind wir da schon weiter. Nach DDR- und DDR2- kommen nun die DDR3-RAM-Speicher auf den Markt. Die Entwicklung und Lobpreisung des Megabit-Chips in den 80er Jahren zeigt hier seine würdige Fortsetzung. Auch wenn wir es nach außen nicht so zeigen konnten, die DDR war in der mikroelektronischen Entwicklung schon immer Weltspitze. Und da die Republik nun mal nicht mehr existiert, erhalten wir deren Andenken zumindest durch die Nutzung altbekannter Abkürzungen.

Nur beim SCSI- (sprich: SKASI-) Adapter, der eigentlich STASI-Adapter heißen sollte, waren damals wohl die Namensrechte noch nicht geklärt.

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Zahlungsfehler

Erstellt von duftbaeumchen am 15. Mai 2006

Vista-Entwickler bekommen pro Bug 100 Dollar

Leider ist es doch nicht so, wie die Überschrift vermuten läßt. Die Programmbastliche erhalten kein zusätzliches Entgelt für jeden Fehler, den sie in das neue Windows-Betriebssystem einbauen. Da werden von Natur aus sicher schon genügend enthalten sein.

Andererseits: Warum ist Microsoft-Chef Bill Gates so reich? War er früher nebenberuflich auch in der Programmierabteilung beschäftigt und hat sich besonders viel Mühe gegeben?

Die Fehleranfälligkeit von Windows 95/98
würden diese Annahme bekräftigen.

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ver-sucht

Erstellt von duftbaeumchen am 14. Mai 2006

Der bevorstehende Weltuntergang am 25. Mai scheint doch mehr Menschen zu bewegen, als ich annahm.
Zumindest wenn ich mir die Statistik der Blogzugriffe so anschaue.

Vor Alltäglichkeiten wie:

  • geschichte blase drückt nass
  • wie mache ich bei msn meinen namen farbig?
  • mike oldfield einsatz in 4 wänden
  • armaturenbrett bleicht aus cockpitspray
  • erste Zigarette
  • peter gabriel growing up übersetzung
  • tante hedi hamburg
  • portugal 2005 album
  • Bettgeschichten
  • betrunkene frauen in durchsichtiger kleidung
  • schwarzlichter
  • seit vier Wochen keinen Sex
  • Flusen auf schwarzer Kleidung
  • autobahn blase drückt

versucht “kometeneinschlag am 25. Mai” “Stephan G. Schulz” vom Spitzenplatz zu verdrängen.

Ich sollte Stephan mal anrufen, was er denn am 25. Mai macht.

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überversorgt

Erstellt von duftbaeumchen am 14. Mai 2006


“Nach dem Vereinsfest
will er im Haus der
Freundin übernachten!

Mein Kummer ist bestimmt nicht alltäglich. Kommt doch unser 21jähriger Sohn und erzählt mir, er würde nach seinem Vereinsfest nachts nicht nach Hause kommen. Der einstündige Fußmarsch sei ihm zu weit. Er könne bei seiner Freundin unterkommen.
Ich erklärte ihm energisch, ich könne das nicht dulden. Das gehöre sich nicht.
Darauf er: Es sei doch noch die Freundin seiner Freundin da. Außerdem die beiden alten Damen, bei denen die Freundin wohnt.
Wir haben jetzt einen tagelangen Streit hinter uns. Er bleibt bei seiner Meinung, daß nicht das geringste dabei sei, daß er 21 Jahre alt ist und daß er selber bestimmen müsse, was er tut und was er läßt. Anständig betragen würde er sich schon. Meine Meinung: Gelegenheit macht Liebe. Außerdem ist so was verboten (Kuppelei).
Ich fragte einen seiner Kameraden um seine Meinung. Er sagte, er fände nichts dabei, und ein 21jähriger müsse selbst wissen und bestimmen, was er zu tun hat. Und dieser Mann will Lehrer werden! Was sagen sie dazu? Und vor allem Ihre Leser?

(883/4)

IRENE: »Vor allem Ihre Leser«… das ist ein richtig rundes Mißtrauensvotum. Sie ahnen wohl schon, daß ich Ihrem mündigen Sohn mehr recht gebe als Ihnen. Er muß wirklich wissen, was er zu tun und zu lassen hat, und wenn er es nicht weiß, muß er es mit guten und schlechten Erfahrungen lernen.
Ihre Argumente sind nicht ganz stichhaltig. Kuppelei ist es keineswegs, wenn zwei Freundinnen in einem Zimmer übernachten und Ihr Sohn in einem anderen.
Daß Gelegenheit Liebe macht, leugne ich nicht. Aber wenn man die Gelegenheit sucht, findet man sie so oder so. Mit 21 Jahren ist die Erziehung des jungen Mannes abgeschlossen, man muß ihn soweit erzogen haben, daß er keine leichtsinnigen Geschichten anfängt. Sie schrieben zum Schluß noch, Ihr Sohn sei ein anständiger Kerl. Na, also!

Aber die Meinung unserer Leser würde mich sehr interessieren.” (1)

Lutzel: Als treuer Leser Ihrer Zeitschrift möchte ich heute auch einmal meine Meinung kundtun.

Es scheint mir sehr bedenklich, daß ein 21jähriger überhaupt erzählt, wo er die Nacht verbringt. Sie sollten froh sein zu wissen, daß er nicht irgendwo auf einer Parkbank oder in einem Krankenhaus nächtigt.
Abgesehen davon finde ich es skandalös, daß er noch kein eigenes Kraftfahrzeug besitzt. Oder hat er den Führerschein bereits wieder abgeben müssen?
Dann geböte es doch aber die mütterliche Fürsorge, den Sohn vom Vereinsfest abzuholen. Im Zeitalter der Kurzwellenfernsprechtechnik genügt ein kurzer Anruf bei den Eltern und man kommt auch nach Hause, wenn der letzte Bus längst weg ist. Frau (883/4), Sie sind doch sowieso vor Sorge nicht in der Lage zu schlafen.
Warum geben Sie dem Bengel nicht genügend Kleingeld für ein Taxi mit? Zwei Frauen auszuhalten ist schon kostenintensiv genug. Sechs Kilometer kosten doch nicht die Welt; können sich allerdings ganz schön strecken, wenn man sternhagelvoll ist. Von der Verletzungsgefahr im Dunkeln mal abgesehen.
Sie sind also selbst schuld, wenn sich der Knabe nach einer alternativen Übernachtungsmöglichkeit umsieht. Und bei der Freundin macht es doch sowieso mehr Freude als bei Muttern. Zumal die zusätzlichen drei Damen den Spaßfaktor vervielfachen.
Zwei junge für die optischen Reize, zwei alte als erfahrene Lehrerinnen. Wer sagt denn, daß die Freundinnen in einem und der Sohn in einem anderen Zimmer schlafen? Die Vorhaltung eines Gästezimmers und zusätzlicher Bettwäsche kann sich nicht jeder leisten. Also warum die Nacht nicht gemeinsam verbringen?

Und da er ein anständiger Kerl ist,…

…kommt er auch später für den
Unterhalt seiner Nachkommen auf.

(1) HörZu, März 1967

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‘rausgewachsen

Erstellt von duftbaeumchen am 14. Mai 2006

Gibt’s die auch für Zehn- bis Fünzehnjährige?


Dann vielleicht doch lieber sowas?


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Bandsalat

Erstellt von duftbaeumchen am 12. Mai 2006

Das Display zeigt EUR 3,69.

“Die kosten aber nur 59 Cent das Stück.”

Ach neeee. Das mag ja alles sein, aber kann man das nicht ausdiskutieren, wenn ich meinen Salat bezahlt habe?

Warum denn immer ich?

Vom Wocheneinkauf zurückkehrend (bisher komplikationslos), mache ich noch einen Zwischenstop im “Markt um die Ecke”, um einen Salat für’s Abendessen zu kaufen.

NUR EINEN SALAT.

Und einen Becher Joghurt-Dressing. Mehr nicht.

Für passend abgezähltes Geld.

Also eigentlich nur ein Kurzbesuch von zwei bis vier Minuten.

Wenn, ja wenn zum Freitagnachmittag nicht nur eine Kasse besetzt wäre und vor mir fünf Kunden bezahlen müßten.
Einer von denen erfüllt problemlos das Klischee vom Gelegenheitseinkäufer. Erstens will er unbedingt passend bezahlen (was wider Erwarten sogar nach längerer Kramerei im Portemonnaie klappt) und zweitens wollen seine Lebens- und Genußmittel ja auch gleich in den viel zu kleinen Beuteln verstaut werden.

Schwierig. Besonders, weil die Kassiererin wesentlich schneller ist, als Otto Normalverpacker. Kann ich verstehen, sie will ja auch nach Hause.

Naturalienstau.

Diesbezüglich fiel mir schon des öfteren auf, daß ein Aldi-, REWE-, Penny- oder keine-Ahnung-Markt abrupt ca. 50 cm hinter dem Warenscanner zu Ende zu sein scheint bzw. die Marktarchitekten meistens nur bis zur Kasse denken. Dann ist Schluß.
Wie ist es denn sonst zur erklären, daß das Transportband bis zum Scanner zwei, drei manchmal sogar vier Meter lang ist, im Auslaufbereich nach dem Erfassungsvorgang jedoch kaum Platz für die Ablage einer größeren Damenhandtasche ist?
Leute, baut doch wenigstens ‘ne Rutsche dran. Dann können sich die Sachen gleich in bereitgestellte Tragetaschen verflüchtigen.
Ich empfehle dem ungeübten Großeinkäufer allerdings, die Reihenfolge bei der  Artikelablage zu bedenken. Eier und Tomaten fühlen sich nicht besonders wohl, wenn sie mit Schwung von einem Dreipfundbrot gerammt werden.

Nur so als Tip vom Hausmännchen.

Oder macht es doch so wie ich: Erstens lege ich meine zu bezahlenden Artikel in einer bestimmten Reihenfolge auf’s Band. Zuerst die großen und schweren, die weniger bruch- und druckfesten Teile zum Schluß.
Zweitens führe ich eine stinknormale Plastikklappbox bei mir, in die ich sofort nach dem Erfassungsdurchlauf die ja nun packoptimal ankommenden Flaschen, Becher und Naturrohstoffe stapeln kann.

Da staut sich nichts.

Obwohl beim real,-en Kaufmannladen meines Vertrauens genügend Warenauslauf zur Verfügung stünde.
Auch wenn ich im Bekanntenkreis des öfteren wegen meiner Optimierungsmaßnahmen belächelt werde: Es ist wesentlich entspannter am Auto eine Kiste von A nach B zu heben, als bei 4 °C und peitschendem Regen von schräg vorn wieder jedes Stück einzeln in die Hand zu nehmen und mühsam im Kofferraum zu verstauen.

Muß jeder selber wissen.

Doch zurück zum Thema.

Drei Blumentöpfchen trennen mich von der Abwicklung meines Tauschgeschäftes.
Drei mickrige, dem Tode sehr nahe scheinende Pflänzchen. Dafür sind eigentlich 59 Cent noch zu viel.
Ich als Blumenliebhaber mit einer Abneigung gegen jegliches Grünzeug kenne mich da aus.

OK, Erde und Topf haben auch ihren Preis.

Den weiteren Verlauf der Geschichte spare ich mir. Der geneigte Leser wird sich vorstellen können, welche Diskussionen nun entfacht werden.

Demonstrativ wende ich mich ab vom Geschehen und überlege, ob ich den Salat nicht gleich hier verzehre. Warum liegt mein Feldbesteck zu Hause im Keller? Diesbezüglich besteht also noch Optimierungsbedarf meinerseits.

Zeitlich würde ich das locker schaffen.

Aber Essen im Stehen soll wohl nicht sehr gesund sein.

Ach so: Obwohl das Männlein in der Kasse anderer Meinung war, kosteten die Blümlis doch nur je 59 Cent. Nur nebenbei bemerkt.

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Schichtbetrieb

Erstellt von duftbaeumchen am 11. Mai 2006

Seit mehr als zwanzig Jahren war ich nicht mehr im Leipziger Zoo. Von zwei Kurzbesuchen ohne Fleischbeschau mal abgesehen.
Frau Frülln, liebste Freundin, Kollegin und Nachbarin, inspirierte mich, obengenannte und weitere Örtlichkeiten im Rahmen einer “Nachtschicht” zu besuchen.

Gedacht – gesagt – getan.

Nachdem wir Frau Sushi beim Rosenstolz-Konzert mit dem, ich zitiere, “geilen Peter” abgeliefert, die liebreizende Zappel-Ilka (im Volksmund auch “Dings” genannt) und Susa und Marco in Empfang genommen hatten, ging’s auch schon los.

Im Lauf der Jahre hatte sich einiges geändert und erneuert.

Nicht nur die Preise.

Allerdings haben wir von den Neuigkeiten nicht viel gesehen. Aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit hatten sich viele Tiere bereits in ihre Privatgemächer zurückgezogen bzw. wurden die großen Attraktionen der Öffentlichkeit gar nicht erst zugänglich gemacht.
Für den niedrigen Sondereintrittspreis verständlich; man soll ja noch mal wiederkommen.

Die Lieferung der neuen Bergziegen war so frisch, daß noch nicht mal genügend Zeit war, die Preischilder von deren Ohren zu entfernen. Darüber schien sich ein Büffelkalb so gefreut zu haben, daß es wie blöde durchs Gehege rannte. Hin und her, vor und zurück – ohne ersichtlichen Grund.
Vielleicht war auch das Abendessen zu fett und ihm wurde eine extra “Portion” Abendsport verschrieben.

Wer weiß; so ein Büffel redet ja auch nicht mit jedem.

Doch erblickte ich auch Vertrautes.

Im Eingangsbereich zum Beispiel standen nach wie vor die rosa Langhals-Pinguine (allgemein bekannt als Flamingos) einbeinig in der Landschaft ‘rum und erzählten sich die Erlebnisse des Tages. Ob sie seit meiner vor Jahren durchgeführten Begutachtung ausgetauscht, neu angemalt oder vom Schönheitschirurgen behandelt wurden, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls sahen die noch genauso aus wie damals.

Auch das Aquarium/ Terrarium schien sich nicht verändert zu haben. Die Krokodile bewegten sich nur äußert unwillig bis überhaupt nicht, die Fische beguckten sich ungläubig die vorbeischlendernden Menschen (und umgekehrt) und allerlei Krabbel-, Flug- und Kriechtiere hingen faul im Geäst.

Irgendwie kam mir das früher größer vor. Vielleicht, weil ich da noch kleiner war?
Wie dem auch sei. Mal sehen, wie es in zwanzig Jahren aussieht.

Auf zur nächsten Station. 47 Museen und Sammlungen wollen bestaunt werden.

Wir wählten als Folgeziel das neugebaute Bildermuseum. Wir – mittlweile hatte sich der Personenkreis um zwei weitere Personen vergrößert – waren uns einig, daß wir in absehbarer Zeit diese Kunststätte sicher nicht von innen sehen werden. Also packten wir die Gelegenheit beim Schopfe.

Erster Eindruck: riesig.

Zweiter Eindruck: zu viel Luft im Kasten.

Kunst braucht Raum sich zu entfalten. Sagt man.
Im “Museum der bildenden Künste” ist Raum. Jedoch steht die Menge an Kunst meiner Meinung nach in keinem gesunden Verhältnis zur Menge an Raum.
Einen Teil der Millionen Euri hätte und würde sich die Stadt locker sparen können. Riesige Hallen mit nichts drin außer Treppen; der voluminöse Eingangsbereich – genauso hoch wie das Gebäude selbst – will auch im Winter beheizt werden. Nackter Beton vermischt mit Holz. Hier haben sich Architekten ausgetobt.

Oder auch nicht.

Seltsame Klänge erreichten unsere Ohren als wir das Gebäude betraten.

“Mit dem Percussionisten
Christian von Richthofen
auf Entdeckungstour”

In Bauarbeiterhandschuhen und mit zwei Trommelstöcken bewaffnet malträtierte er das hölzerne und damit akustisch hervorragend geeignete Treppengeländer. Von oben bis hinunter ins Erdgeschoß. Verwirrt verharrten die Besucher ob dieses Spektakels. Ich vermute, solche Aktionen wurden bereits bei der Planung des Gebäudes berücksichtigt. Ein rostiger Stahlrohr-Handlauf hätte natürlich auch seinen Zweck erfüllt.

Klingt aber nicht so warm und abwechslungsreich.

Wir hielten ihn nicht von seinem Tun ab und erkundeten die Räumlichkeiten; verteilten uns größflächig, fanden wieder zusammen.
Für den wahren Kunstgenuß fehlte uns ausnahmsweise das Interesse. Aber wir haben “ES” mal gesehen. Nicht nur von außen. ZI und Heiko kamen sogar überein, daß allein die Treppen einen Besuch wert wären. Sie könnten stundenlang ‘rauf- und wieder ‘runtersteigen.

Naja, wer’s mag.

Bauch-Beine-Po-Training geht auch preisgünstiger.

Wir entschieden, noch ein drittes Ziel in Angriff zu nehmen. Das Richtige zur Geisterstunde.

Die Pathologie.

Glücklicherweise mußte wollte ich auf Drängen der lieben Frau Frülln die vor drei Stunden beim “geilen Peter” abgelieferte Sushi natürlich auch wieder abholen.
Gar nicht so einfach. Ein Strom ausreisewilliger Umländer kam uns bereits entgegen. Alle mit Auto, alle aus einer Richtung.
Die Straßen- und Baustellensituation rund um den Veranstaltungsort ist momentan etwas, na sagen wir, schwierig. Selbst Schleichwege sind großflächig entweder aufgebuddelt bzw. umgezäunt. Wegen dreier Fußballspiele wird ja ein immenser Aufwand betrieben.
Somit blieben nur wenige Alternativen: Wir reihten uns frohen Mutes ein in die sozialistische Wartegemeinschaft. Der Blechkarossenstrom floß nicht schnell, aber er floß. Schnell fahren kann jeder. OK, fast jeder.

Man kann sich ja auch mal unterhalten.

Oder etwas schnabbulieren.

Zum gemeinsamen Verzehr stellte ich bereitwillig eines meiner Bonbons für mich und eine der drei anwesenden Damen zur Verfügung. Mein Plan: Erst lutsche ich die Hälfte, dann die “Nuckelpartnerin”. Die Übergabe – so stellte ich mir das jedenfalls vor – sollte direkt von Mund zu Mund erfolgen; Oralverkehr sozusagen. Das Motto des Abends hieß ja bekanntlich “Transit”.
Leider kam es dann doch nicht dazu, die Damen stellten sich diesbezüglich zickig an.

Das Thema ist aber noch nicht vom Tisch.

Weiter im Text.

In der Pathologie angelangt (mittlerweile war es kurz vor zwölf), stellte sich schnell heraus, daß sich die Befürchtungen, durch ein Gruselkabinett menschlicher Abscheulichkeiten wandeln zu müssen, natürlich nicht bewahrheiteten. Wenn schon ein Gunther von Hagens mit seinen Plastinaten so viel Aufsehen erregt, dann werden wohl kaum die richtigen Schätzchen aus den Kellern geholt. Und Pathologie ist ja auch nicht gleichzusetzen mit Gerichtsmedizin. Diesbezüglich muß ich also von meinen Erinnerungen leben. Vor mittlerweile 22 Jahren hatte ich zwei Mal die Gelegenheit, im Rahmen meiner vorstudialen Betreuung die gerichtsmedizinischen Sammlungen zu besichtigen.

Leute, das war ein Fest.

Mit ‘nem Messer im Kopf lebt man nicht sehr lange.

Gut, haben wir das auch mal gesehen.

Und nun? Die Nacht war noch jung.

Gehen wir “noch was trinken”?

Wir gehen.

Zum stadteigenen Catwalk in’s Barfußgässchen.

Hier reiht sich Freisitz an Freisitz; dazwischen schlängelt sich ein schmaler Pfad für die Models.
Das zahlreich angereiste Publikum hatte sich bereits niedergelassen und beobachtete die im Gänsemarsch defilierenden Fußgänger. Wir gesellten uns dazu. Zum Publikum.

Leider ist noch kein Hochsommer, ein Freisitz also nicht ganz hüllenlos zu benutzen.

Der Wind pfiff um die Ecke.

Die Wärmestrahler strahlten zwar Wärme, vermochten es jedoch nicht, eine wirklich heimelige Atmosphäre zu verbreiten. Um ihrem Namen zu entsprechen und den eigenen Kreislauf in Schwung zu halten, begann “Dings”, im schnellen Rhythmus ihre Beine zu bewegen. Man kennt sie ja auch gar nicht anders. Sobald das Quecksilber eine magische, mir nicht bekannte Schwelle unterschreitet, vibriert es bei ihr untenrum. Ist vielleicht auch genetisch bedingt. Wer weiß.

Ilka vom Stamme der gemeinen “Zappler”.

Davon abgesehen, scheint sie trotzdem ‘ne ganz liebe zu sein.

Frau Sushi hingegen hatte weniger Probleme mit ihren unteren Extremitäten. Vielmehr kontaktierte in unregelmäßigen Abständen ein fremdes weibliches Langhaarbüschel von hinten ihr rechtes Ohr und wollte wahrscheinlich etwas mitteilen. Ungewollt natürlich. Dies erinnerte mich an Robert Redfords Film “Der Pferdeflüsterer”. Nur hier eben nicht mit Pferden sondern mit Pferdeschwänzen.

Der “Schwanzflüsterer” war geboren.
(Ähnlichkeiten mit bekannten Sexualpraktiken sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.)

Eine nähere Beziehung zwischen Haarschopf und Sushi-Ohr kam letztlich aber nicht zustande.

Sie sind einfach zu verschieden.

Und spät (respektive früh) war es ja auch schon.

Also ab nach Hause, vorbereiten auf den Grillabend. Aber das ist eine gaaanz andere Geschichte…

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ge-spannt

Erstellt von duftbaeumchen am 11. Mai 2006

Was hat sich auf dem Bild versteckt? Und vor allem: Warum hat es sich versteckt?

Ich weiß es, ich weiß es.

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