Tach. Post.
Ich bin wichtig!
Zumindest für eine Firma aus Ditzingen.
“Wir möchten Sie persönlich einladen, an unserer umfassenden Verbraucherbefragung teilzunehmen…”
Einladen!
Aha. Na das ist ja toll. Die deutsche Wirtschaft benötigt meine Dienste zur weiteren Erstarkung. Ein ähnlicher Brief erreichte mich vor ein paar Jahren schon einmal. Damals allerdings in der Aufmachung eines “Volkszählungsformulars” mit scheinbar amtlichen Insignien; weniger eine Einladung sondern vielmehr eine Aufforderung. Den hab ich einfach weggeschmissen.
Beim groben Überfliegen des Anschreibens scheint das Anliegen des Verfassers einen ehrbaren Hintergrund zu haben. Sobald ich mir die Zeilen jedoch genauer betrachte, wird mir ganz warm ums Herz.
“Wie Sie sehen, ist dieser Fragebogen an Sie persönlich adressiert, da Sie als Verbraucher ihrer Region ausgewählt wurden.”
Na gugge ma’ an. Ich bin also eine VIP, ein Auserwählter sozusagen.
Nach welchen Kriterien wurde gerade ich ausgesucht? Welche außergewöhnlichen Eigenschaften bringe ich mit, um an dieser Umfrage teilnehmen zu dürfen?
Die Euphorie, ich wäre ein besonders würdiges Mitglied der Gesellschaft, erfährt jedoch einige Zeilen später einen harten Dämpfer: “… oder Sie nicht die Person sind, die im Adressfeld steht, dann berichtigen Sie dies…“.
Klasse; meine Anschrift wurde also doch nur ausgewürfelt bzw. von der Milchglaskugel abgelesen.
Hier darf also jeder mitmachen, Hauptsache er/ sie schreibt die korrekte Adresse auf den Antwortbogen.
Nee, also wenn das so ist, dann fülle ich den Zettel doch nicht aus. Auch wenn ich damit auf viele Vorteile dieser Verbraucherdatenerhebung verzichten muß, denn “… diese stellen wir personenbezogen namhaften Unternehmen aus den verschiedensten Branchen – z.B. Markenartiklern, Verlagen, Autoherstellern, Handel und Dienstleistungsunternehmen – ausschließlich für Marktforschung, Marketing und Werbezwecke zur Verfügung“.
In Fachkreisen nennt man sowas wohl qualifizierter Kontakt.
Da nun für mich geklärt ist, daß ich doch nur ein kleines Licht am Werbehimmel bin, kann ich mich einer weiterführenden Analyse des Frage-Antwort-Spiels widmen.
Über Freizeit-/ Urlaubsaktivitäten und Kraftfahrzeuge tasten wir uns langsam (ich hätte mittlerweile 48 Fragen beantwortet) an die interessanten Themengebiete Versicherungen, Wohnen und Einkaufen bis hin zu meinen persönlichen Lebensverhältnissen heran. Alles in allem 128 Fragen mit einem Vielfachen an Antwortmöglichkeiten. Fast alle Lebensbereiche werden abgedeckt. Nur die Konfektionsgröße meiner Schlübber – ich trage ‘ne vier – und ob ich psychische bzw. Erektionsprobleme habe, will niemand wissen.
Absicht oder Nachlässigkeit?
Dafür ist für die Herrschaften wissenswert, welche Muttersprache meine Einkaufshilfe spricht.
Habe ich nicht, hier kauft der Chef noch persönlich.
“Ich bin/ wir sind einverstanden, daß die [...] GmbH, wie im Anschreiben erläutert, die Befragungsergebnisse ausschließlich für Marktforschung, Marketing- und Werbezwecke personenbezogen erhebt, speichert, nutzt und übermittelt.”
Das heißt im Klartext, diese Daten werden an Hinz, Kunz, CAD und CAM verscherbelt und die müllen mich dann mit noch mehr Werbung und “Produktproben” zu.
Richtig? Richtig!
Nee, laßt mal. Ich bin froh, daß der kleine rote Briefkastenaufkleber so gut funktioniert und ich von “Wurfsendungen” verschont bleibe; von Flyern ortsansässiger Fernseh-Not- und Pizza-Bring-Diensten mal abgesehen. Die Verteilerhilfskräfte sind wahrscheinlich des Lesens der deutschen Schriftzeichen nicht mächtig.
Fehler von mir: Ich sollte verstärkt mit Piktogrammen arbeiten.
Außerdem sehe ich gar nicht ein, warum diese Firma mit meinen Informationen Geld verdienen soll. Ich hab’ da nämlich mal Frau Guhgel befragt und die weiß eine Menge darüber zu berichten.
Ich habe mich entschlossen, trotzdem eine Antwort zu erwidern.
Ein Freiumschlag liegt ja bei.
Allerdings wird meine Reaktion nicht im Sinne des Fragenstellers sein; ich sage nur Bundesdatenschutzgesetz und T5F.
Ich bin gespannt auf die Antwort.