“Für den unwahrscheinlichen Fall eines Druckverlustes in der Kabine…“
Wer schon einmal geflogen ist, kennt diesen Spruch und weiß, daß für plötzlich auftretenden Sauerstoffmangel kleine, lustig anzuschauende Karnevalsmasken vom “Himmel” fallen.
Aber: Wenn ein solcher Fall so unwahrscheinlich ist, warum werden die Teile denn überhaupt eingebaut?
Ich fände es wesentlich sinnvoller, derartige Beatmungshilfen im Flughafengebäude selbst zu installieren, um Mitmenschen zu unterstützen, die mit der Flugvorbereitungsphase hoffnungslos überfordert zu sein scheinen.
Irgendwas ist immer.
Carvoeiro, morgens vier Uhr.
Frau S. bringt uns nach Faro zum Aeorporto.
Meinetwegen hätten wir auch eine Stunde später losfahren können, aber zwei mitfliegende Gäste wollen unbedingt pünktlich zwei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter sein. Sei es drum, ich bin flexibel.
Wir sind also kurz vor fünf vor Ort und damit unter den ersten.
Ckeck In und Sicherheitskontrolle verlaufen komplikationslos. Daß ich dabei meine bundesdeutsche Apfelschorlepfandflasche einbüße, kann vernachlässigt werden. Für die Flugsicherheit muß man auch mal Opfer bringen.
Eine Glastür versperrt uns den Zugang zu Gate 54 und dem dazugehörigen Warteraum. Logisch. Warum sollten sich auch mehrere Sicherheitsbedienstete anderthalb Stunden vor Abflug dort langweilen und uns beim Warten zuschauen.
Ich setze mich geduldig in eine Ecke, höre Musik und beobachte das Treiben auf dem Gang. Manch einer tut es mir gleich, die meisten stehen bzw. laufen ‘rum.
Ein rüstiger Rentner fällt aus dem Rahmen.
Aufgeregt läuft er hin und her; kann es nicht fassen, daß der Ablauf stockt. “Das hat es bisher auf keinem anderen Flughafen gegeben. Da kommt man extra zwei Stunden vor Abflug und muß dann auch noch vor verschlossener Tür stehen.” Er scheint demnach nicht das erste Mal ein Flugzeug zu besteigen.
Dann verkündet er nach kurzer Abwesenheit freudig seiner Frau, daß er mit jemandem von der “Information” telefonierte und sogar einen Zahlencode zur Türöffnung erhielt.
Na nun bin ich aber gespannt.
Doch auch nach drei Versuchen blieb der Zugang verschlossen.
Warum sollte auch ein Angestellter des Flughafens einem Reisenden irgendwelche sicherheitsrelevanten Informationen preisgeben. Und dann auch noch telefonisch. Haha.
Womit hat der Mann eigentlich ein Problem? Weil er stehen muß? Weil die nächste Toilette zwar sichtbar, aber trotzdem unerreichbar ist?
Mannomann, im Gebäude befinden sich dutzende Sitzgelegenheiten; sogar kostenlose Urinale werden vorrätig gehalten.
Gut, die befinden sich nicht in unmittelbarer Nähe, aber selbst in Portugals Flughäfen wird mittlerweile mit Lautsprecherdurchsagen und Uhren gearbeitet. Es wäre also kein Problem, sich irgendwo noch eine Stunde auszuruhen und dann gemächlich kurz vor Abflug zur Abfertigung zu schlendern.
Mir wird das zu aufregend.
Ich gehe erst mal pullern.
Als ich zurückkomme, bewegt sich endlich was - nun geht’s gleich los…
Der Rest ist schnell erzählt.
Ich bin die Strecke zwar schon mehrfach geflogen, aber noch nie frühmorgens mit Blick gen Osten. Phantastisch.
Von den dreckigen Fensterscheiben mal abgesehen.
Zaghaft lugt die glutrotorange Sonne unter einer dichten Wolkendecke hervor, entsteigt ihrem Nachtlager und macht sich tagfein.
Zur sensorischen Untermalung dieses Schauspiels wird wieder ein Sandwich nebst Getränk gereicht.
Dieses Mal wähle ich Salami.
Vielleicht ein Fehler.
Irgendwie schmeckt die Kombination aus Weißbrot, Salami, zwei Gurkenscheiben und einem halben Salatblatt…
…interessant.
Als ich mir die Kaltspeise zu Hause nochmals rückwärts durch den Kopf gehen lasse, entscheide ich: das war mein letztes Flugzeugessen.
Vorerst.
Daran kann auch der obligatorische und dieses Mal doppelte Szenenapplaus bei Landung und Verabschiedung nichts ändern.