Sicherheitseinbehalt
Erstellt von duftbaeumchen am 31. Dezember 2007
Einmal im Vierteljahr belästige ich den Kontoauszugsdrucker. Und was macht der? Behält einfach nach Herausgabe des ersten Teils der umfangreichen Loseblattsammlung meine EC-Karte.
Und dabei habe ich ihm genügend Zeit gelassen, sich in Ruhe mit meinem Kontostand zu beschäftigen. Selbst als bereits minutenlang Stille im Inneren herrschte und mein Blick nur selten von der ständig blinkenden Ausschrift “Auszug wird gedruckt” abschwiff, wahrte ich Contenance.
Aufstand der Maschinen?
Nein, selbstverständlich nicht!
Die Technik “schaut” voraus und entscheidet im Zusammenspiel mit ausgeklügelter audio-visueller Aufnahme- und Analysetechnik in kürzester Zeit, wie der weitere Lebensverlauf des Menschlings aussehen soll.
Um mich vor mir selbst und dem Grausen beim Blick auf den Saldo zu schützen, legte die vandalensichere Blechkiste fest: Feierabend! Der Schutz des Kunden ist wichtiger als sein Informationsbedürnis.
Danke, lieber Automat.
Problematisch finde ich allerdings, daß die Entwickler dem unkundigen Automatenbediener keine Verhaltensregeln für derartige Situationen zur Verfügung stellen.
Da steht man nun und harrt der Dinge, die da passieren werden. Oder eben auch nicht.
Aber woher weiß man, ob etwas geschieht?
Verständlicherweise sind die Öffnungszeiten der angrenzenden Filiale so eng bemessen, daß samtagabends selten finanzangestellte natürliche Personen zugegen sind.
Den Murphyschen Gesetzen folgend macht man nun immer das verkehrte.
Ehrfürchtig ausharren bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag? Kommt sie vielleicht doch noch raus?
Die Karte bleibt verschluckt.
Oder die Station im Glauben an das fortwährende und stabile Versagen der Technik verlassen?
Kaum hat sich die Tür hinter einem geschlossen, schnipst die Karte aus dem Schlitz, ein Spitzbube bemächtigt sich ihrer und treibt damit das sogenannte Schindluder durch den Ort.
Ich überlege, in Zukunft beim Gang zum Sparkassenautomaten einen Schlafsack, ausreichend Speis’ und Trank und eine Bio-Toilette mitzuführen. Nur für den Notfall.
Wir können ja von Glück reden, daß mittlerweile findige Bastelköpfe elektromagnetische Wellen erfanden und eine paar derer in handliche Funkfernsprecher implementierten. So kann man direkt vor Ort mit dem Sperrdienst der Kreditwirtschaft (bundesweit 116 116) kommunizieren und den “Guten Namen” für ungültig erklären lassen.
Sofern man ein Handy dabei hat.
Dort sind sogar richtige Menschen an der Strippe. Um diese Zeit?! Erstaunlich.
Zusätzlich werden die Schalterschließzeiten der Filiale soweit ausgedehnt, daß selbst an einem halbnormalen Arbeitstag wie heute (31.12.2007) ohne ersichtlichen bzw. ausgehängten Grund die Türen verschlossen bleiben.
Die haben bestimmt Angst vor der Wut der Unbedienten.
Da ein Kurzbesuch heute vormittag zeigte, daß der Kontoauszugsdrucker wieder funktioniert, vermute ich: Um Mitternacht erfolgte ein ferngesteuerter General-Reset und alle nicht ausgegebenen “Dokumente” wurden unwiederbringlich geschreddert und die damit verbundenen Konten aufgelöst.
Aber das erfahre ich frühestens am Donnerstag. Bis dahin entspanne ich mich bei Sekt und Selters (schließlich ist Silvester)…
… und bin froh, daß ich erst “Knete” abgehoben und danach dem Drucker meine Karte übergeben habe.
Doch selbst auf Murphy kann man sich nicht mehr verlassen.
Hätte nicht der Geldautomat meine Karte einbehalten müssen?
PS: Wenn man ganz großes Glück hat, erscheint das Plastikgeld in dem Moment wieder im Kartenschlitz, wenn der Sperrvorgang erfolgreich ausgelöst wurde.
Aber so viel Glück hab’ nicht mal ich.
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