Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Archiv für März, 2007

Schnellbiegung

Erstellt von duftbaeumchen am 29. März 2007

Hinter mir blinkt es im Dämmerlicht.
“STOP” – “POLIZEI”. Alternierend gebieten mir rotleuchtende Schriftzeichen, die Fahrt zu unterbrechen.

Seit ca. 14 Jahren das erste Mal.

“Schönen Guten Abend. Dienstgrad, Name (hab ich mir nicht gemerkt), Polizeirevier West, Allgemeine Verkehrskontrolle.”

Nachdem ich die zur Führung eines Kraftfahrzeuges notwendigen Dokumente übergeben habe, weist mich der Fachmann für Verkehr auf eine Kleinigkeit hin, die ihm ein paar Ecken vorher an meiner Art der Fahrtrichtungsänderung nicht gefiel.

Gewisse Leute (ich nenne keine Namen) werden nun sagen: Ja, das geschieht im ganz recht. Bei der Fahrweise… Egal (Ich bin seit Jahren punktefrei).

Ich sei der “Gelackmeierte”, wenn ich den mir ohne Licht entgegenkommenden Radler beim Abbiegen touchiert hätte. Richtig, stimme ich zu. (Auch wenn noch einige Meter Platz waren.)

Nach dem obliagtorischen Vorzeigen von Verbandskasten und Warndreieck, der Frage, ob ich Alkohol getrunken hätte und einer eingehenden Prüfung der Papiere, wiederholte Herr Wachtmeister seine Ermahnung.

Dabei schwirrte mir eine Unstimmigkeit im Kopf herum.

Wenn die Mitarbeiter unserer Sicherheitsorgane schon gesehen haben, daß der Radfahrer ohne Licht unterwegs war, warum halten die mich an und nicht ihn?

Leider war ich eh schon spät dran und hatte keine Zeit, mich auf längere Diskussionen einzulassen. Man will ja nicht provozieren. Letztlich gipfeln solche Sachen doch meistens in einer ausführlichen Kontrolle des Fahrzeuges.
Und wer was finden will, findet auch was.

Immer.

Naja, so habe ich die Chance, den Radler vielleicht doch noch mal in der Dunkelheit zu erwischen.

Und wenn nicht ich, dann machts ein anderer.

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Schleichfahrt

Erstellt von duftbaeumchen am 28. März 2007

Endlich wird Frühling, endlich klettert das Quecksilber an der Hauswand empor.

Nun kommt die Zeit, in der das weibliche Stadt- und Landpublikum nicht mehr gar so üppig gekleidet sein muß. Wir achten beim Autofahren also nicht mehr nur stur auf den Straßen- sondern auch mal links und rechts auf den Füßgängerverkehr.

Doch der Lenz hat natürlich auch negative Seiten:

Die Sonntagsfahrer leben noch nach dem Kalender von 1958 und holen wochentags ihre Salatschüsseln, Asphaltbuckel und Tirolerhüte aus der Garage, um im Rahmen einer gemächlichen Stadtrundfahrt mit maximal vierzig Sachen über die Piste zu zuckeln.

Tagsüber, wenn die werktätigen Kraftfahrzeuglenker zügig von A über F nach K müssen.

Sie ziehen eine lange Schlange hinter sich her, gestikulieren im Gespräch mit dem/ den Beifahrer/n und vergessen bei der Besichtigung der Umwelt Raum und Zeit.

Da genndsch bleede wärn.

Genn die nisch am Sonndaach uff’m Feldwech rumgutschieren?

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stürmisch getragen

Erstellt von duftbaeumchen am 25. März 2007

“Frühling läßt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte [..]”

Wie schon zu Eduard Mörikes Zeiten “flatterte” auch heute des Frühlings blaues Band gar heftig durch Leipzigs Lüfte.

Den frisch herausgeputzten Totenwächtern in der Krypta des Völkerschlachtdenkmals war das mehr oder weniger egal (die stehen schließlich windgeschützt).

Die Herzdame allerdings packte die Gelegenheit beim sprichwörtlichen Schopfe und präsentierte in 91 Metern Höhe der auserwählten und extra für diese Weltpremiere geladenen Öffentlichkeit die ultimative und trendsetterische Frisurenkreation “blowing with the wind” für die kommende Sommersaison.

Ich sage nur: Trés chick.

Wenn auch nicht für jeden tragbar.

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mundgeblasen

Erstellt von duftbaeumchen am 25. März 2007

Blaser (im Volksmund auch Bläser genannt) im Doppelpack.

Gibt es die auch einzeln? Kann ich mir die Haarfarbe aussuchen?

Und vor allem: Was blasen die Mädels überhaupt?

Luftballons? Weinflaschen?

Bei tieferliegenden “Objekten” sollte ich wohl den Jugendschutz einschalten. Die Püppis scheinen mir noch recht jung zu sein.

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Innendruck

Erstellt von duftbaeumchen am 25. März 2007

Erstaunlich, wie weit der wissenschaftlich-technische Fortschritt (WTF) inzwischen fortgeschritten (oder fort geschritten) ist.

Sonntagmorgen beim Frühstück.

Ungläubig schaut mich die Herzdame an, als ihr folgenden Sachverhalt plausibel zu erläutern versuche:

Das Hühnerei als solches wird ja, um dem Ver- und Gebraucher neben der Tageszeitung und lustigen Verpackungsbeschriftungen weitergehende Lektüre und Rätselspaß am Frühstückstisch zur Verfügung zu stellen, mit einer kleinen, fast unscheinbaren Zahlenkombination versehen.

Und da kommt der WTF zum Tragen.

Ich staune immer wieder, wozu die Genmanipulateure mittlerweile in der Lage sind. Da haben die es nach vielen Jahren und unzähligen Tierversuchen doch tatsächlich geschafft, den Druckvorgang in die Tiere hineinzuverlagern.

Sicherlich gab es Rückschläge.
Denken wir nur an spiegelverkehrte oder teilweise unleserliche Schriftzeichen. Oder an die Zeit, als die Tinte noch an der langen, nicht so stark gewölbten Flanke das gemeine Gack-Ei verzierte.

Heutzutage muß das Huhn einfach nur noch drücken und psst, brrrt, ratterratter, kling – das Ei plumpst ordnungsgemäß beschriftet ins frisch aufgeschüttelte Stroh.

Auch die bruchsichere Verpackung der Eier durch die Hühner selbst funktioniert immer besser. Leider ist der Mensch trotzdem noch nicht ganz aus dem Produktionsprozess zu eliminieren.

Vielleicht werden wir in fünf bis zehn Jahren die Eierernte direkt beim Händler durchführen können. Die Hühner laufen dann frei im Kaufmannsladen des Vertrauens umher, man schnappt sich eines, drückt auf einen Knopf am Tier und die Eier entschlüpfen dem Körper direkt in die mitgebrachten Behältnisse.

Ängstliche oder im Umgang mit dem Federvieh ungeübte Zeitgenossen können sich für ein kleines Aufgeld der Hilfe eines extra dafür angestellten Eierausdrückers (arbeitsloser Geflügelbauer mit 1-Euro-Job) bedienen.

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Ein weiterer, noch nicht so ausgereifter Zweig der Forschung beschäftigt sich schon länger mit dem Oster-Ei.

Dem bunten.

Farbverlaufene und monochrome Eier sind ja bereits seit Weihnachten im einschlägigen Fachhandel erhältlich.
In täglich mindestens einstündigen Sitzungen (analog der Lichttherapie beim Menschen) hocken die Hühner kreisförmig auf dem mit Fußbodenheizung ausgestatteten Boden um farbige Leuchtmittel und übernehmen die Farbstrahlung in den Herstellungsprozess der Kalkhülle.
Im Verlauf der Untersuchungen zeigten sich auch erste Erfolge bei der Produktion von Mustern. Dieser Bereich steckt allerdings noch in ganz kleinen Kinderschuhen und bedarf weiterer intensiver Tests.

Ich werde am Thema dranbleiben und bei neunen Erkenntnissen sofort berichten.

Hoffentlich kommen die Tiere bei der Umstellung auf die Sommerzeit nicht durcheinander.

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PS: Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, die Herzdame glaubt mir irgendwie nicht.
Man darf sich der technisch-evolutionären Entwicklung nun mal nicht verschließen.

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dirty talk

Erstellt von duftbaeumchen am 24. März 2007

Der Frühling bringt es ans Licht, sobald sich Sonnenstrahlen durch die schmutzbeschichteten Fensterscheiben bis ins Innere menschlicher Behausungen kämpfen.

Dreck

Ein leidiges Thema für das moderne Hausmännel ist die permanent notwendige Staubbeseitigung.

So auch für mich.

Kaum habe ich Fernseher, Schrank und sonstige Oberflächen von den kleinen Körnchen befreit – schwupps, haben sich bereits neue Schmutzlinge darauf abgesetzt und gucken mich mit großen Augen an. Es müssen neue sein, denn die soeben entfernten befinden sich sichtbar im Staubtuch.

Philosophisch betrachtet ist es eigentlich Unsinn, was ich diesbezüglich treibe.

Schmutz ist doch nichts anderes als Materie, die Ausgang hat und sich zum Zeitpunkt der Betrachtung am falschen Ort befindet. Die Erde im Gemüsebeet zum Beispiel ist doch auch kein Schmutz – sie lebt dort normalerweise. Aber: Sobald ich selbige auf dem Teppich verteile, wird sie übel beschimpft und als Dreck bezeichnet.

Staub setzt sich sofort wieder an der gleichen Stelle ab. Demzufolge muß er dorthin gehören, ist also nicht am falschen Ort. Und trotzdem versuche ich, ihn von dort zu vertreiben.

Das bringt doch nichts.

Es macht also nicht den geringsten Sinn, die Muzeln und Körnchen ständig wieder wegzuwischen.

Wenn ich meine Gäste davon überzeugen
kann, muß ich auch nicht mehr putzen.

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Assi-Grill

Erstellt von duftbaeumchen am 24. März 2007

Der Jugend- und Schönheitswahn macht mittlerweile auch vor Lebensmitteln nicht halt.
Der Milch wird das Fett abgesaugt, Brot mit Pallaststoffen beklebt und dem Lachsfilet werden die Geräte herausgerissen, damit es geschmeidiger wird.

Selbst das Sonntagsbrötchen von Welt lässt es sich kurz vor dem Tode nicht nehmen, für ein paar Minuten ein Sonnenstudio aufzusuchen.

Es hat zwar anschließend etwas Fieber, lebt aber gewöhnlich nicht mehr so lange, daß es sich unnötig quälen muß.

Tja. Wer schön sein will, muß leiden.

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frisch gepolstert

Erstellt von duftbaeumchen am 22. März 2007

Gar pfiffig ist, wenn man sich für die Physiotherapiesitzung ein Handtuch mitnimmt, um den Erschreckungseffekt beim Körperkontakt zwischen entblößtem Rücken und eiskalter Lederstuhllehne zu mindern.

Doof dagegen ist, wenn ebendieses Handtuch die ganze Nacht bei gefühlten minus 17 Grad Celsius im Auto verbringt und keine Zeit hat, sich vor der Nutzung aufzuwärmen.

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weiße Erkenntnis

Erstellt von duftbaeumchen am 22. März 2007


Der allmorgendliche Blick aus dem Schlafzimmerfenster bestätigte vorhin: Ja, wir sind im Frühling angekommen.

Da könnte man sich doch gleich wieder unter die Bettdecke verkuscheln und einen Schneemann bauen.

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Zeit-Vorstellung

Erstellt von duftbaeumchen am 21. März 2007


Als ich vorigen Frühling meine Wohnzimmeruhr vor gestellt habe, ist sie ‘runtergefallen und war nur mit Mühe ins Chronometerleben zurückzuholen. Besonders breit bzw. tief ist so ein Standardregalbrett ja nun auch nicht.
Dürfte ich dieses Jahr vielleicht eine Ausnahme machen und sie an ihrem angestammten Platz belassen? Zur Not ließe ich mich erweichen, sie etwas zurück zu stellen. Aber vor geht keinesfalls.

Höchstens zwei Zentimeter. Allerhöchstens.

Aber ob das was nützt?

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