Ich ahne Schlimmes.
Nächste Woche ist es soweit.
Sie bauen um.
Der technische Fortschritt ist unaufhaltsam und hält nun auch Einzug in die Leergutannahme des Kaufmannsladens meines Vertrauens.
Bisher lief das so:
Im Eingangsbereich des mehr langen als breiten Getränkemarktes stand ein doppelfenstriges Kassenhäuschen. Ein Seite für die Leergutbringer, die andere für die Vollgutmitnehmer; jeweils mit einer Menschin bestückt. Die guckte in den Einkaufswagen, zählte fix den Inhalt durch und tippte ihre Erkenntnisse in die Kasse ein. Die Einkäufer bezahlten und bugsierten ihre Beute zum Parkplatz. Die anderen erhielten einen “Wertgutschein” und schoben ihre inhaltslosen Buddeln weiter zu den nie in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehenden Leerkästen.
Eine Schlange schlängelte sich sozusagen an der anderen vorbei.
So die Theorie.
Die Praxis sah natürlich anders aus.
Der Eingang ist als Windfang mit den heute üblichen Automatiktüren gestaltet. Die öffnen sich wie von Geisterhand. Und schließen sich auch wieder.
Verhaltensweisen aus der Kraftverkehrs-Parallelwelt spiegeln sich hier direkt wider. Nach dem Motto: Wir fahren erst mal auf die Kreuzung drauf und sehen dann, ob der Verkehr auch rechtzeitig abfließen kann, kriecht die Schlange im Stop-And-Go-Tempo vorwärts. Manch einer schafft es, die Türen schadlos zu passieren, andere wiederum kommen genau im Schließbereich zum Stehen und erstarren dort förmlich.
Der Bewegungssensor denkt sich: Ach, keiner mehr da? Tür zu!
Rummms.
Krachend wird der Fahrkorb, in besonders tragischen Fällen sogar der Mensch selbst in die Zange genommen.
Oops, na das war ja nun auch wirklich nicht vorauszusehen.
Pech gehabt. Die Tür versucht nun mehrfach, den Schließvorgang zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Eine Flucht nach vorn ist unmöglich, auch ein Zurück ist infolge Nachrückens des Schlangenendes nicht mehr machbar. Das Sprichwort: “Der Klügere gibt nach.” greift hier nicht; der Mensch würde gern, kann aber nicht, und die Tür ist dumm und will unbedingt ihren willen durchsetzen.
Der Kampf geht weiter.
Mein Dank gilt an dieser Stelle dem Bundesamt für Sicherheit in der Nahrungs- und Genußmittelvertriebswirtschaft. Ohne deren strengen Auflagen müßten wir uns wohl durch Berge abgetrennter Gliedmaßen und verschrotteter Einkaufswagen kämpfen.
Und dann gibt es noch Zeitgenossen, die kurz nach der Kasse – analog dem Abgang einer
Rolltreppe – erst mal eine Verschnaufpause einlegen müssen und mit sich und ihrem an den Händen festgewachsenen Schiebewägelchen den Nachfolgeverkehr nicht unwesentlich behindern. Wo, wenn nicht hier sollte man den weiteren Verlauf des Beutezuges ausdiskutieren bzw. innehalten und dem hektischen Alltag für ein paar Minuten entfliehen?
Doch das wird ja nun anders.
Ich vermute: Noch schlimmer.
Die Leergutannahme wird nämlich automatisiert – ab nächster Woche übernehmen zwei Maschinen den Empfang der Flaschen.
Dafür wurde extra ein neuer Raum gebaut; pfiffigerweise links von Eingang.
Dem in Deutschland üblichen Rechtsverkehr sei Dank, kreuzen sich nun die Wege der ein- und ausfahrenden Einkaufswagen zweimal in einem relativ engen, unübersichtlichen Bereich. Na das wird lustig.
Eine Begegnungsstätte der besonderen Art.
Beim gestrigen Blick hinter die Kulissen schien mir allerdings, als seien die Automaten nur Attrappe.
Im angrenzenden Raum sitzen dann sicher auch nur zwei Fachkräfte, bestimmen manuell den Auszahlungsbetrag und schieben den Kassenbon per Hand durch den Schlitz.
Auf technisch höherem Niveau.