Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Schleichtiere

Erstellt von duftbaeumchen am Sonntag 20. Mai 2007

Im Nachhinein muß ich seufzend konstatieren: Es reicht wieder für die nächsten zwanzig Jahre.

Ein Brückentag ist ja bekanntlich für vielerlei Unternehmungen nutzbar. Man könnte des Chefs Auto waschen, das Bad der Nachbarin putzen, die eigene Steuererklärung erschwindeln oder einfach mal richtig ausschlafen.

Doch ich ausgewiesener Tierliebhaber und selten dämlicher Hund will in den hiesigen zoologischen Garten.

Gesagt, getan.

Hätte ich doch einen Einkaufsbummel geplant; der wäre sicherlich infolge Menschenlosigkeit wesentlich entspannter verlaufen. Neben der Herzdame und mir hatten nämlich offensichtlich ca. 93% der Leipziger Bevölkerung zuzüglich geschätzt 187.922 Zugereister denselben Plan gefaßt und bildeten permanent eine dichte Traube um uns herum.
Kinder drängelten und wuselten zwischen den Beinen herum, mehrpersonige und in Linie aufgereihte Großfamilien spazierten geruhsam die nur unwesentlich breiteren Wege entlang, blieben ab und an ohne erkennbaren Grund stehen und trugen so nicht unwesentlich zu einem verzögerten Vorankommen bei.
Ein Zehn-Kilometer-Marsch unter Schutzmaske mit voller Ausrüstung inklusive Bewaffnung ist angenehmer und weniger aufreibend. Ich weiß, wovon ich schreibe.

Ich schlage vor, die Fußwege autobahngleich in drei Spuren pro Richtung für Langsam-, Mittel- und Zügigläufer zu unterteilen. Dann bliebe zwar weniger Platz für die Tiere, aber man käme wesentlich schneller und vor allem hindernisfreier vorwärts.

(Falls nicht wie ebenfalls üblich und wahrscheinlich mittlerweile Grundvoraussetzung für den Erwerb eines Führerscheins die Schnellbahn durch Trödler blockiert wird.)

Wie dem auch sei, als wir nach vier Stunden stop-and-go den Rundgang durch die Lebensräume der Erde beendeten, war mir noch klarer: Kinder sind am liebenswertesten, wenn sie sich außerhalb meines persönlichen Umfeldes und Aktionsradiuses aufhalten. Es gibt zwar Ausnahmen, doch sind selbige in einer zu vernachlässigend geringen Anzahl und einer weiteren Besprechung unwert.
Zumindest taten mir dermaßen die Knie weh, daß ich den Tag des efolgreichen Erfolgs der Züchtung einzelner Organe noch inniger herbeisehnte.

Der gelernte Trabifahrer führte damals auch das halbe Fahrzeug in Form von Ersatzteilen im Kofferraum bei sich.
Mit meinem Bollerwagen voller Tauschteile beanspruchte ich dann zwar zusätzlichen Bewegungs-Spielraum, könnte mich allerdings unbeschwert im Tross der Schleicher mittreiben lassen. Vergleichbar mit dem Wechsel eines Kameraobjektivs würde ich im Notfall in eine dafür vorgesehene „Park-Bucht“ ausscheren, das verschlissene Gelenk ersetzen und mich frisch gestärkt in den Pulk der Tierbeschauer eingliedern.

Zwanzig Jahre hat die Wissenschaft nun Zeit.
Dann bin ich auch im passenden Alter.