Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Fehlschaltung

Erstellt von duftbaeumchen am Montag 9. Juli 2007

Vierzehn geteilt durch zwei ist gleich sieben; sieben mal einhunderteinundvierzig ergibt neunhundertsiebenundachtzig.

Zuzüglich falschgelesene Wegbeschreibung durch die Navigatorin eines „Begleit“fahrzeuges (Baustelle statt Bushaltestelle) summa summarum geschätzte und über den linken großen Zeh gepeilt tausend Kilometer.

An einem Tag.

Mit sieben Kraftfahrzeugen.

Wobei weder Kraft noch Fahrzeug die richtigen Worte sind zu beschreiben, womit wir uns gruppendynamisch durch das nordöstliche Brandenburger Land bewegten.

Es gibt Dinge, die ich als gelernter DDR-Bürger im Jahre siebzehn der „Neuzeit“ einfach mal wieder auffrischen wollte. Der gemeine Westbundi kann das vielleicht nicht nachvollziehen, doch wir hatten unseren Spaß – vergangenen Samstag war Trabant-Safari.

Nach sechzehn Jahren automobilen Komforts kehrten wir zurück zu den Wurzeln menschlicher Fortbewegung – ohne Servolenkung, nennenswerte Bremskraftverstärkung, Klimaanlage und Drehzahlmesser.
Wir kämpften uns, mit einer Wegbeschreibung in Bild (Karte) und Ton (Navigator-Püppi) ausgerüstet und das Lenkrad fest mit beiden Händen umklammernd, über Feld- und Waldwege, testeten ausgiebig die recht sportlich eingestellten Stoßdämpfer und unterhielten uns prächtig dabei. Immer die „Momentanverbrauchsanzeige“ im Blickfeld.

Das ist harte Arbeit. Besonders, wenn sich der Schalthebel nicht dort befindet, wo er sein sollte.

Unterhaltung im Sinne von Miteinander-Reden fand jedoch nicht statt. Die allgemeine Geräuschkulisse – ein in Dolby-Surround erzeugtes Konglomerat aus Klapper-, Kratz- und Schüttelgeräuschen – ließ einen entspannten Gesprächsverlauf überhaupt nicht zu. Das Radio (zwar physisch vorhanden, aber sonst ohne Funktion) hätte die Situation nur unwesentlich verbessert. Im vierten Gang bei siebzig Ka-Em-Ha konnte leicht der Eindruck enstehen, daß die 1989 zusammengefügte Mischung aus Kunststoff, Metall und Syntethik jeden Moment kollabiert, ihren inneren Zusammenhalt verliert und sich weiträumig in der Landschaft verteilt.

Doch wir hatten Glück.

Trotz aller Schlaglöcher, Schlammpfützen und der zeitweiligen Bewässerung von oben (der Miniaturscheibenwischer erfüllte nur bedingt die Anforderungen) hielt die Fahrgastzelle dicht und alle Teile beisammen.

Die Zwischenstops auf dem Flugplatz Finow, am Luftfahrtmuseum Finowfurth – wo zufälligerweise und zeitgleich das „Roadrunner’s Race 61“ stattfand – und am Schiffshebewerk gleich um die Ecke ließen die angespannten Nerven zur Ruhe kommen und ergänzten mit Speis‘, Trank und „Kultur“ den Ablauf der Tour.

Alles in allem ein sehr angenehmer Ausflug, den ich jedem empfehlen kann.

Sofern man starke Arm- und Beinmuskeln hat.

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Schaustücke