… oder an der kürzesten Schlange dauert es immer am längsten.
Rabattmarken sind ein Segen nicht nur für die Wirtschaft; auch für den im Moment der Übergabe besagter Wertpapiere völlig unbeteiligten Zaungast bieten sie Freude und Entspannung.
Und er lernt sogar noch etwas dabei.
Während an den längeren Kassenschlangen links und rechts des aus freien Stücken und unbeeinflußt gewählten Beobachterstandortes die Kunden mit zu Bergen aufgetürmten Monatseinkäufen zügig abgefertigt werden und mit wehenden Haaren an ihm vorüberziehen, scheint in seiner Wartegemeinschaft die Zeit stillzustehen.
Zeit, um sich in Ruhe mit den baulichen Gegebenheiten des Kaufmannsladens vertrautzumachen; Zeit, über die Wochenendgestaltung zu sinnieren; Zeit, seine Umwelt zu beobachten.
Diese Umwelt steht heute zwei Positionen vor ihm.
Offensichtlich ein treuepunktesammelleidenschaftlicher Kunde.
Kurz vor Ende des zur Abkassierung aufgereihten Warenbestandes wird zwischensaldiert und Plastikgeld wechselt virtuell seinen Besitzer.
Das dauert erfahrungsgemäß etwas länger als eine gewöhnliche Bargeldübergabe und dagegen ist prinzipiell erst mal nichts einzuwenden.
Es sei denn, Opa Kurt kauft seine hundertfünzig Gramm Leberwurst.
“Moment, ich hab’s passend.”
Doch das ist eine bekannte und vor allem ganz andere Geschichte.
Nachdem nun also der erste Teil des Einkaufs über die Bühne gewickelt und mit reichlich Treuepunkten belohnt wurde, kann man sich nun der Beobachtung des zweiten Aktes widmen – der Rückführung der Papierschnipsel in das Warenwirtschaftssystem des Handelsunternehmens.
Für die Begleichung des Resteinkaufs sollen die gerade erhaltenen Marken sogleich wiederverwertet werden.
Leider befinden sich selbige noch gesammelt auf ihrem Trägermaterial, für die ordnungsgemäße Abwicklung der Transaktion müssen sie sich jedoch im dafür vorgesehenen Markenheftchen befinden.
Nichts leichter als das.
Der pflichtbewußte Kassierer, ein der Situation offensichtlich nur unzureichend gewachsener Langzeitstudent im neunten Semester, schickt sich an, die Marken höchstpersönlich in das vom Kunden bereitgestellte Dokument zu übertragen.
Marke für Marke.
Glücklicherweise hat die Lebensabschnittsgefährtin des Kunden Mitleid und übernimmt bereitwillig diese anspruchsvolle Aufgabe.
In dieser Zeit kann man ja schon mal den dritten Warenposten abrechnen.
Und sich dabei vertippen.
“Kasse 6, Storno bitte.”
Die Zeit verstreicht.
Beidseitig rauschen nach wie vor die Kundenströme vorbei.
Ein Rückzug und Umreihen ist aufgrund des Nachfolgeverkehrs mittlerweile natürlich nicht mehr möglich – wir harren also geduldig der Dinge.
Entsprechend des “Gesetzes der maximalen Schweinerei” wäre aber auch ein Platzwechsel nicht von Efolg gekrönt. Der Textzeile:
“Ich steh’ imm nur
in der falschen Spur.”
trifft eben nicht nur auf Autobahnstaus zu.
Wie dem auch sei.
Einkäufer, die vor wenigen Minuten erst den Eingang des Kaufmannsladens passierten, stehen nun bereits mit gut befülltem Wägelchen an der Nebenkasse.
Lächerlich.
Die bekommen doch gar nichts mit von den Finessen und Feinheiten eines Kassiervorgangs.
Zurück zum Thema.
Nachdem auch der Rest mit Plastikgeld (habe ich schon betont, daß dies immer etwas länger dauert?) bezahlt wurde, geht ein Ruck durch die Wartegemeinschaft. Nun geht es vorwärts.
Der nächste Kunde wird wider Erwarten zügig und komplikationslos abgefertigt (da stimmt doch was nicht), dann ist endlich auch der Zaungast an der Reihe.
“Einen Moment bitte.”
Gelassen unterbricht der Kasseur seine eigentliche Arbeit und beginnt, die vor wenigen Minuten empfangen Markenheftchen zu zerteilen, nützliche von unbrauchbaren Bestandteilen zu separieren. Glücklicherweise sind die Trennstellen vorperforiert – einer störungsfreien Arbeit steht also nichts im Wege.
Nicht auszudenken, wenn auch noch das passende Schneidwerkzeug gefehlt hätte.
Es geht lo-hos.
Das Transportband läuft an und im Sauseschritt verschwinden die erfassten Artikel wieder im Schiebewägelchen.
Ich kann endlich bezahlen.
Natürlich mit Plastikgeld und Rabattmarken.
PS: Namen und Handlung sind nicht frei erfunden und haben sich tatsächlich gestern so zugetragen.