Im Grunde kann ich nicht nachvollziehen, warum sich Paparazzi für sensationell verschwommene Bilder stundenlang auf die Lauer legen. Was ist denn das Besonderes daran, wenn Britney keine Schlüppi trägt oder Brad mit seinem Freund Pit ‘rumknutscht? Soll doch jeder tun und lassen, was er mag.
Gestern jedoch wurde ich selbst zu einem. Naja, zumindest fast.
Auf einer kleinen Fotosafari in der Innenstadt kamen mir nämlich zwei Mitbürgerinnen unter die Optik, deren für die kommende Sommersaison wegweisendes Outfit ich niemandem vorenthalten wollte.
Doch dies war gar nicht so einfach.
Dinge und Menschen von hinten zu knipsen ist keine Kunst. Die beiden frontal zu erwischen erforderte allerdings mehr Aufwand.
Und vor allem Ausdauer.
Nun bin ich, der Natur des Jägers folgend, normalerweise recht zügigen Schrittes unterwegs. Auf ihrem Pilgerpfad von einem Geschäft zum nächsten legten die beiden älteren Damen jedoch eine Schrittfrequenz an den Tag, bei der sogar der Autofokus der Kamera seine Probleme hatte.
Mein Versuch, möglichst unauffällig zu agieren, machte die Sache nicht unbedingt einfacher. Schließlich muß man in derartigen Situationen blitzschnell reagieren und genauso blitzschnell versuchen, den Weg des Zielobjektes zu erahnen. So ging es also einmal quer durch die City bis zum großen Kaufmannsladen mit dem noch größeren Schpringschbrunnen. Glücklicherweise fand gerade das allstündliche Wasserspiel statt, welches sie veranlasste, endlich für einige Minuten zu verweilen.
Zeit, sich die Gewandung - wenn auch nur aus 20 Meter Tele-Entfernung - in Ruhe zu betrachten.
Ich sage nur: perfekte Handarbeit. Das Ensemble, eine Kombination aus gestricktem Rock und Oberteil in blasslila, geschickt ergänzt mit einer ebenfalls handgearbeiteten zartgelben Bluse wurde vollendet durch weiße Strümpfe und nicht minder modische, farbstimmige Schuhe (nicht gestrickt).
Die schlicht-elegante zum Zopf gebundene Haartracht lenkt nicht unnötig vom Textil ab.
Endlich mal jemand, der sich traut, die Pariser haute couture auch im “normalen” Leben zu tragen und damit ein kleines Stück leuchtende Extravaganz in unser tristes Leben zu bringen.
Und dann auch noch im Doppelpack.
Wenn die Damen genauso schnell stricken, wie sie laufen, bekommen sie eine Bluse bestimmt innerhalb eines Fernsehabends fertig.
Respekt.