Es wäre mühselig, das gestrige Viertelfinalspiel unserer Mannen gegen Portugal zu kommentieren, die wahren Gründe unseres Sieges zu orakeln.
Der Grund: Ich fühlte mich außer Stande, dem Spielverlauf visuell zu folgen. Zwar wurden im Verlauf des Abends wichtige Eckpunkte der Auseinandersetzung akustisch in den Raum geworfen, mangels eines optischen Bildgebers verlief der Wettkampf also ohne mich. Wie dem auch sei, das Leben geht weiter.
Ob es vielleicht wirklich an der Nichtanwesenheit des Bundestrainers lag? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.
Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen möchte ich mich einem anderen, nicht minder interessanten Aspekt dieser Meisterschaft zuwenden.
Am Mittwoch wurde mir die Ehre zuteil, gemeinsam mit der Herzdame die Begegnung Russland gegen Schweden vor dem Televisor zu verfolgen.
Wie bereits bemerkt, sind für die Frau von Welt weniger Strategie und Taktik des Zusammenspiels, sondern vielmehr ästhetische Faktoren ausschlaggebend. Parallelen zum Autokauf, bei dem Fahrzeugfarbe und Beleuchtung des Schminkspiegels kaufentscheidende Kriterien sind, lassen sich nicht von der Hand weisen.
Meiner Holden fiel zum Beispiel auf, daß die Trikotfarbe der Italiener eine andere war als beim ihrem letzten Spiel und dadurch eine schnelle Identifikation und Zuordnung der Teilnehmer schwer, wenn nicht gar unmöglich wird. Hat man nach neunzig Minuten endlich die Farbverteilung auf dem Feld verinnerlicht und abgespeichert, fängt frau beim nächsten Mal wieder von vorn an und bringt die Mannschaften durcheinander. Ihr Vorschlag diesbezüglich: Zukünftig vor Beginn der Meisterschaft für jede Mannschaft die Colorierung der Arbeitskleidung zentral festlegen und vorgeben.
Ohne Diskussion nationaler Befindlichkeiten.
Für Frankreich ist blau vorgesehen, Holland bleibt orongsch, die Türkei bekommt schweinchenrosa. Für den Fall des Aufeinandertreffens ähnlicher Farben schlug ich vor, auch Kombinationen mit dunklen Hosen zuzulassen – zurückgewiesen wegen Verkomplizierung.
Die Spieler spielen eintönig! Schiedsrichter nackt!
Ebenfalls verwirrend fand sie die Namensgebung der schwedischen Akteure: Isaksson, Hansson, Nilsson, Andersson, Svensson, Larsson – wer soll sich bei so vielen Söhnen noch auskennen bzw. merken, wer wer ist?
Ibrahimovic – DAS ist ein typisch schwedischer Name, den kann auch frau behalten.
Weitere Tagesordnungspunkte: “Huch, was hat der denn für ‘ne Nase?” Rasieren sich Fußballspieler die Beine?
Und wieder die Frisuren.
Aber das haben wir ja bereits diskutiert.