Da es die Herzdame vorzog, am Samstag beim Umzug einer Bekannten zu helfen, füllte ich den Solo-Nachmittag unter anderem mit Kultur aus.
Leipzig, Spinnerei, Halle 14, “Von der Unbestimmtheit”
Ob einer inneren Ahnung folgend oder per Zufall, justament kurz nach meinem Eintreffen, begann die einzige Wochenführung durch die Exposition.
Der Erklärbär vorneweg/ nebenher/ mittendrin – ich im Pulk gemischtaltriger Kunstinteressierter hinterher/nebenher/ drumrum.
Ich möchte nun nicht auf die Exponate im Einzelnen eingehen. Das Motto “Von der Unbestimmtheit” ließe zu viele Interpretationsmöglichkeiten zu und ich muss hier nicht das nachplappern, was andere bereits bemerkten.
Daß der Erklärbär Informationen preisgab, erwies sich von Vorteil. Die meisten der Video-, Klang- und Objektinstallation bedurften wahrhaftig einer verbalen Darstellung der Intentionen der Künstler, da weder Beschriftungs- noch Erläuterungstafeln Hintergrundinformationen gaben.
Doch dafür gibt es ja das Internet. Auf der Ausstellungswebseite sind die Objekte auch für Hörunkundige erläutert. Noch.
Neben der Ausstellung an sich finde ich das Publikum nicht minder interessant. Wenn sie sinnieren, sich den Gefühlen hingeben und versuchen, Inhalte und Aussagen zu ergründen.
Eine rüstige Frührentnerin zeigte gesteigertes Interesse und versuchte, den Gedankengängen der Künstler besonders intensiv zu folgen und die Botschaften der Objekte zu erkennen.
Damit lockerte sie zwar unsere Ehrfurcht vor der großen Kunst etwas auf; den letzten Kick zum vollendeten Kunstverständnis konnte sie mir damit aber auch nicht geben.
Muss ja auch nicht. Kunst ist eben Kunst.
Bei “Pygmalion” von Pascal Gingras zum Beispiel diskutierten einzelne Besucher über Sinn, Formgebung und Aussage dieses Armierungsstahlgerüstes mit bunten, ungeordnet angebrachten Kunststoffstreifen.
Einer meinte, eine Rakete erkennen zu können; eine andere ein Insekt. Eine dritte Person etwas ganz anderes.
Pascal Gingras hat sich vielleicht auch nur gedacht: “Ach, heute klöpple ich mal ein paar Stahldrähte zusammen und stecke bunten Plastikabfall dran. Vielleicht kauft es ja irgendjemand.”
Naja, nun bin ich ja nicht der große Kunstkenner. Aber für mich sah es eher aus wie ein Armierungsstahlgerüst mit bunten, ungeordnet angebrachten Kunststoffstreifen.
Das habe ich so natürlich nicht gesagt.
Letztlich muss sich jeder selbst ein Bild machen. Kost’ ja nix.
Dazu ist noch bis 28. September 2008 Zeit. Ich empfehle allerdings, die Dienste des Erklärbären samstags um 15 Uhr zu nutzen.
Dann fällt der Zugang vielleicht etwas leichter.