Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Neues aus dem Osten IV

Erstellt von duftbaeumchen am Freitag 3. Oktober 2008

Heute vor 65 Jahren

„am 3. Oktober 1943

Liebe Lo!

Endlich sind wir dem Chaos um Smolensk entronnen und trotzdem wir als letzte wegfahren sollten und man uns ohne ein Fahrzeug zurückließ, waren wir doch noch die ersten an unserem gesetzten Ziel und warten hier nun schon den 3. Tag auf die anderen Kameraden. 4 Tage waren wir unterwegs, stundenlang im Schutz von Panzerwagen durch die riesigen Wälder von Minsk und Baranowitsche und nun sitzen wir hier in einem ganz netten weißrussischen Städtchen, unser Zahlm., 3 deutsche Kameraden und 4 Russen, also 8 Mann, mitten in dem stärksten Partis.-gebiet. Von den anderen Kameraden hören und sehen wir nichts.

So eine Art des Abrückens habe ich in meinem Leben noch nicht mitgemacht, wie sich die Herren Offz. wieder mal benommen haben, da durfte ja eher Zivil mitfahren als ein deutscher Lanzer. Unser Kommandant fährt einen sechssitzer Wagen mit dem er als erster los gefahren ist und darin saßen: Er selbst und seine angebliche Dolmetscherin, ein perfekt russisch sprechender Sonderführer des O.K. und eine weitere Dolmetsch. Sowie der Vater der erstgenannten und der Chauffeur. – Als zweiter Wagen fuhr noch ein PKW weg und darin saß der Herr Adjutant und seine angebliche nur Dolmetscherin eine alte Schachtel von widerwärtiger Art mit ihrer Tochter von ca. 12-13 Jahren. Um alles andere haben sich die Herren nicht gekümmert, sie waren weg.

Der O.K. standen nur 3 LKW zur Verfügung, davon einer mit Anhänger, der fast voll beladen war nur von dem Gepäck des Herrn Kommandanten u. seiner Dolmetscherin sowie dem Gepäck der Dolmetscherin vom Adjutanten. Das war der größte Wagen und auf die anderen beiden kleinen sollte die gesamte O.K. mit Gepäck und Verpflegung, wo natürlich nur ein kleiner Teil untergebracht werden konnte, verladen werden. Für den Rest hieß eben, seht zu, wie ihr wegkommt.

Gegen entsprechende Mengen von Lebensmitteln stellte uns eine Einheit ein leerfahrendes Fahrzeug zur Verfügung. Drauf was drauf ging und fort. Einige Leute blieben noch zurück und sollten versuchen noch ein Fahrzeug zu erhandeln. In wie weit es ihnen gelungen ist entzieht sich meiner Kenntnis.

Das sind Vorbilder, nicht wie sie der Nationalsozialismus braucht, sondern Vorbilder wie sie vor der Revolution 1918 Vorbilder gewesen sind und auf deren Schultern die Revolution lastet.

Soeben trifft eine kleine Wagenkolonne ein, es ist heute der 4.10.43 nachm. 5 Uhr und zwar die 2 PKW, der große LKW mit Anhänger und einer von den kleinen LKW.

Nun wird gleich Leben in den Bau kommen und die endgültige Quartierfrage gelöst werden. Da sehe ich schon wieder schwarz, das Geschmeiß von Russenweibern wird bessere Quartiere haben als unsere eigenen Kameraden.

Für heute mal Schluß
vielleicht kann ich Dir auch
besser einen mündlichen Bericht abgeben

Herzl. Grüße
Dein
Rudolf“

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