Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

der Klang der Angst

Erstellt von duftbaeumchen am Sonntag 22. März 2009

Wisst ihr, was mich (und die Herzdame nicht minder) stutzig macht?

Könnt ihr ja gar nicht, aber ich schreib’s euch mal:

Wir haben gestern Abend eine knappe Dreiviertelstunde dem lustigen „Winterfest der Überraschungen“ im Fernsehen beigewohnt und fanden das gar nicht sonderlich schlimm, sondern eher amüsant. Der MDR, bekannt und beliebt vor allem beim älteren Publikum, zeigte uns, mit welch einfachen Mitteln der Generation 45plus die restliche Lebenszeit zu versüßen ist. Silbereisenflori himself führte uns beschwingt und souverän durch musikalisches Fremdland; der Hirtenmicha erwärmte mit seiner vibrato-oralen Kunst unser Herz und Schäfer Heinrich machte nach wie vor den Eindruck, als wüsste er überhaupt nicht, was er überhaupt auf der Bühne sollte.

Der wiederholte Kameraschwenk übers Publikum zeigte mir einerseits wieder, dass mit derart musikalischem Seichtsinn riesige Konzerthallen befüllt werden können und andererseits – und das ist viel schlimmer – dass ich mich auf meiner kurzen Reise durch das irdische Leben nicht mehr allzu weit entfernt von der Zielgruppe befinde.

Und das ließ mich erschaudern.

Ich will nich so wäärn! Bitte nich!

12 Kommentare zu “der Klang der Angst”

  1. creezy sagt:

    Für Leute wie Dich gibt es ja die Suzie-Quatro-Oldies-but-Goodies-Happenings. ,-) Man kann Silbereisenflori schon lustig finden, Sorgen muss man sich machen, wenn man anfängt ihn ernstzunehmen oder auf seine Autogramkarte hofft. Dann allerdings isses: worst case!

  2. duftbäumchen sagt:

    Na soweit ist es glücklicherweise noch nicht. Aber: Ist das ein schleichender Übergang oder geht das – schnipps – von heute auf morgen?

  3. Maren Thunert sagt:

    *lol* Keine Angst, es tut nicht weh. Erst in Kombination mit „Gartenzwerg-der-aussieht-wie-Helmut-Kohl-jeden-Morgen-die-Mütze-polieren“ – fängt es an kritisch zu werden. Aber da Du keinen Gartenzwerg hast (??) besteht noch Hoffnung. Und solange Du noch nicht mitsingen kannst und versucht bist, zu schunkeln…. alles OK.

  4. duftbaeumchen sagt:

    Puh, Gartenzwerge habsch nisch. Mitsingen kannsch oooch nisch.

    Aber mit dem Schunkeln ist das so ’ne Sache…

  5. Ebola sagt:

    Als ich noch zur Schule ging, hatte wir in old Mergelstetten jedes Jahr ein Oktoberfest (wahrscheinlich das Original, was uns dann die Bayern abgeklaut haben dürften – ich weiß es nicht). In der 10. mussten wir ein Referat schreiben, Thema frei wählbar. Ich wählte, „wie sehe ich als Ausländer, meine Mitbürger“. Es gab ein paar Fotos (damals noch richtig entwickeltes Zeug) von schunkelnden Lehrern, Bierschaum geschmückten Bärten (in den Achtzigern trugen Lehrer noch Ökomatten im Gesicht) und einem zitierten Text eines Oktoberfest üblichen Liedchens.

    Ich bekam eine fünf (4.7) – aber nur weil der Text richtig sinniert war. Ansonsten wäre es eine sechs gewesen.

  6. duftbaeumchen sagt:

    Naja, Du hättest Dir aber auch etwas mehr Mühe geben können.

    Du hast die falschen Bilder ausgewählt. Etwas mehr Dekolleté, hochgeschlitzte Dirndl mit Oberschenkelansatz – und schwupps wäre es mindestens eine Zwei geworden.

    Aber so…

  7. spontiv sagt:

    OMG! Mir schwant Schlimmes! Habe mich letztens auch dabei ertappt das ich beim MDR länger als 1 Minuten hängengeblieben bin. Waaaaah! Ich will nich!

  8. duftbäumchen sagt:

    Gibt es für sowas nicht auch Selbsthilfegruppen?

  9. spontiv sagt:

    Hmm, sollten wir die Gruppe Dresden-Leipzig gründen müssen?

  10. duftbäumchen sagt:

    Guppentherapeutischer Konsum von mindestens fünf Schlager-, Volksmusik- und Geburtstagsgrußsendungen inklusive.

    Als behutsamer Einstieg in die Problematik sozusagen.

  11. spontiv sagt:

    Ohh nööh! Wo kann ich bitte meinen Sarg abholen. Den Umweg über den MDR möchte ich mir ersparen!

  12. duftbaeumchen sagt:

    Hier geht es doch nicht darum, was Du möchtest. Dein Beitrag für die Gemeinschaft ist wichtig.

    Und da muss man auch mal Opfer bringen.