Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

verzollte Diplomaten

Erstellt von duftbaeumchen am Donnerstag 26. März 2009

Kennt ihr sowas noch? 8-Zoll-Disketten (1) mit einer Speicherkapazität von 360 KByte?

KILOBYTE, nicht Megabyte oder gar die heute gebräuchlichen Gigabyte! (2)

Drei Stück besitze ich noch.

Reichlich zwanzig Jahre ist es mittlerweile her, als ich das erste Mal mit der elektronischen Datenverarbeitung und somit auch mit derart (hinsichtlich der Abmessungen) riesigen Datenträgern in Berührung kam. Leider habe ich kein passendes Laufwerk, geschweige denn ein damit funktionierendes Computersystem zur Verfügung, um den Inhalt auf Lesbarkeit zu untersuchen.
Die Beschriftung sagt mir jedoch: Das ist sie. Eine Sicherungskopie meiner Diplomarbeit inklusive der Ergebnisse meiner damit verbundenen „Forschungen“ – ein Programm zur numerischen Lösung von Differentialgleichungen zweiter Ordnung nach dem „Runge-Kutta-Nyström-Verfahren“, geschrieben in Turbo-Pascal und übersetzt (kompiliert) für die Bürocomputer A51xx, PC1715 und KC85/3 (3).

Hach, das waren noch Zeiten.
Damals,  Ende der Achtziger des vergangenen Jahrhunderts. Als wenige Kilobyte Programmcode für einen Pascal-Compiler genügten und das Textverarbeitungsprogramm auch nicht viel größer war. Die Ergebniskurven meiner Berechnungen musste ich mangels einzelpunktansteuerungsfähigem Monitor als Pünktchengrafik sogar direkt auf den Drucker ausgeben, um sie überhaupt anschauen zu können. Das Verfahren – der Nachwelt in Form des Progrämmelchens „NYSGRAFI.COM“ erhalten (die Quelltexte liegen ebenfalls noch vor) – hatte ich mir unter Zuhilfenahme eines Artikel der DDR-Zeitschrift „Mikroprozessortechnik“ zusammengebastelt.

Nix mit bunten Klickersymbolen und Farbdarstellung auf dem Bildschirm (wenn man von grün auf schwarz mal absieht). Anno dunnemals ein bedeutender Fortschritt – mittlerweile nur noch eine belächelte Antiquität.

Da von der heute verwendeten Kopiertechnik noch nicht mal zu träumen war, (kr)ächzte der Neun-Nadler (K6313/ K6314) stundenlang, um mehrere Ausfertigungen der reichlich einhundert Seiten umfassenden Arbeit (DIPLOM.TXT) aufs Papier zu bringen. Bevor wir damals einen Druckauftrag auslösten, überprüften wir sehr genau, ob Inhalt und Form des Textes unseren Ansprüchen genügten. Schließlich gab es keinen Büromarkt, in welchem Farbbänder und Druckköpfe nur so herumlagen und ständig verfügbar waren. „Mal schnell ausdrucken“ gab es nicht.

Und trotzdem hat es funktioniert. Schließlich kannten wir es nicht anders. Inzwischen hat sich die Technik weiterentwickelt…

… nur der Geruch der Folienscheiben ist der gleiche geblieben.

Die müffeln etwas nach „Altertum“.


(1) 8 Zoll sind 20,32 Zentimeter Kantenlänge

(2) Der Einfachheit verwende ich hier die Größenangaben Kilo und Mega obwohl in der EDV normalerweise nicht mit dem Faktor Tausend bzw. Million gerechnet wird. Weitere Einzelheiten dazu sind hier nachzulesen: Byte

(3) Weitere höchstinteressante Informationen zur DDR-Rechentechnik gibt es hier bei robotrontechnik.de.

3 Kommentare zu “verzollte Diplomaten”

  1. krumpel sagt:

    also so ein laufwerk könnte ich dir leihweise zur verfügung stellen.

  2. duftbaeumchen sagt:

    Neenee, lass mal. Das Laufwerk alleine nützt ja nur, wenn’s auch den passenden Rechner dazu gibt.

    Wer hat denn heute noch ’nen A5120 zu Hause ‚rumstehen…

  3. s sagt:

    Wegen der Disketten Kannst du mal bei robotrontechnik.de anfragen. Die können soetwas noch lesen:
    http://www.robotrontechnik.de/html/internes/datensicherung.htm