Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

P52/09 – Käfer auf ‚m Blatt,…

Erstellt von duftbaeumchen am Samstag 11. April 2009

Oder: Fotografie als Tor zu anderen Welten.

Projekt 52/09Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
Sie zu
halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigt’s nicht: wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem?

[…]“ [1]

Bemerkt ihr, wie die Zeit eilt? Wie sie rennt und Stund‘ um Stund‘ verschlingt?

Und mit dem „Bemerken“ ist das heute ja nicht mehr so einfach wie früher.

Oder wann hast Du das letzte Mal beim Spazierengehen (sofern Du Dir überhaupt Zeit für derart nebensächliche Tätigkeiten nimmst) die Umgebung genau angeschaut? Dabei meine ich nicht „Oh, guck mal die Wiese.“ und „Schau, die Blätter sind sooo schön grün.“. Vielmehr frage ich: Hast Du Dich schon mal auf eine Wiese gelegt und minutenlang ins Gras geschaut? Die Halme betrachtet? Das Geziefer beim Tagwerk beobachtet?

Wir werden täglich überschüttet mit Informationen, Eindrücken und Bildern. Doch wie es wirklich um uns herum aussieht, geht in der Hektik des Alltags, die wir uns meist selbst schaffen, unter. Wie die kleinen Rädchen ineinander greifen und den Lauf der Welt vorantreiben bleibt uns vielfach verborgen.

„‚n Käfer auf’m Blatt,
was ist das schon?
Das Blatt haut man ab,
den Käfer latscht man platt.
’n Käfer auf ‚m Blatt, was ist das schon?
[…]“ [2]

Ich fotografiere. Mehr oder weniger gut. Mit Freude.

Was früher nur Geknipse „ohne Sinn und Verstand“ war, wandelte sich mit dem Erwerb meiner ersten digitalen Spiegelreflexkamera Ende 2004. Von da an begann ich, meine Sehgewohnheiten zu ändern. Jeder, der sich mehr mehr als weniger mit der Fotografie beschäftigt, wird dies nachvollziehen können. Mittlerweile „analysiere“ ich viele Bilder; versuche zu durchschauen, wie und warum der Fotograf welche Einstellungen vorgenommen hatte, um die gewünschte Bildaussage zu realisieren. Ich gehe durch die Stadt und achte plötzlich auf Dinge, für die sich sonst nur wenige interessieren; sehe Kleinigkeiten, die sich im Meer der Eindrücke gerade noch so über Wasser halten können.

Und ärgere mich, die Kamera wieder mal nicht dabei zu haben.

P52/09 - Türen & Tore

Ich stellte fest: Mit Herzdame und Fotoapparat Spazierengehen und allein mit Fotoapparat Spazierengehen sind zwei unterschiedliche Dinge – auch wenn die Herzdame beteuert, dass es ihr nichts ausmacht, wenn ich alle naselang innehalte, um scheinbar Nebensächliches aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und mehrfach auf digitales Zelluloid zu bannen.

Wer genau hinschaut, wird sehen.  Wird sich kleine und große Türen und Tore zur Erweiterung des eigenen Horizonts öffnen, durch „Schlüssellöcher“ andere Welten erkennen.

Man muss nur genau hinschauen.

Türen und Tore – das Thema der 14. Woche des Projekts 52/09. Türen und Tore – das sind eben nicht nur Hauseingänge im herkömmlichen Sinne, sondern auch der Übergang in andere, uns vielfach verborgene Welten.

P52/09 - Türen & Tore
P52/09 - Türen & Tore
P52/09 - Türen & Tore
P52/09 - Türen & Tore
P52/09 - Türen & Tore


(Eine Übersicht aller Themen und deren Umsetzung gibt’s hier bei Sari.)


[1] Rainer Maria Rilke, „Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!“
[2] Text eines Liedes von Dirk Zöllner aus „alter“ Zeit, geschrieben von Peter Markgraf


Ein Kommentar zu “P52/09 – Käfer auf ‚m Blatt,…”

  1. Paleica sagt:

    deine türen und tore mag ich, besonders auch den gedanken des übergangs in die verborgenen welten. liebe ostergrüße,
    paleica