Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

zibbelig

Erstellt von duftbaeumchen am Donnerstag 30. April 2009

„Ist das wieder eine deiner seltsamen Erklärungen?“

Da gebe ich mir allergrößte Mühe, die Herzdame in die letzten Geheimnisse unserer Welt einzuweihen und was ist der Dank dafür? Hohn und Spott.

Heute morgen. In der Küche liegen unspektakulär und bewegungslos zwei in Schutzfolie verpackte grüne Gurken. Am Ende eines der Grünlinge ist durch die Hülle hindurch ein braunes Etwas zu erkennen. Für mich eindeutig, die Herzdame hingegen schaut sehr genau hin und versucht selbiges zu identifizieren. Um ihr unnötige Grübelei zu ersparen, erkläre ich, dass dies der nicht ganz bündig abgeschnittene Rest des „Einfüllstutzens“, in Fachkreisen auch Gurkenzibbel genannt, ist.

Da guggd se mich goomisch an.

Wie allgemein bekannt ist, werden ja Salatgurken in der gleichen Art hergestellt wie Leber- bzw. Blutwürste.

In einem großen Bottich vereinen sich Gurkentrockenmasse, weiße Kerne und Wasser und werden zu einer Art Pampe verrührt. Zeitgleich stülpt der geschickte Gurkenerbauer die mehrere Meter lange, in einem chinesischen Chemiewerk synthetisch hergestellte Gurkenhaut über einen röhrenartigen Füllstutzen, durch den dann schließlich die auf ca. acht bis zehn Grad Celsius gekühlte Masse vollautomatisch und unter mäßigem Druck in die grüne Hülle gepumpt wird.

Nach jeweils 40 bis 50 Zentimeter stoppt die Maschine und die zu diesem Zeitpunkt noch etwas schwabbelige Rohgurke wird zügig fünf mal um die eigene Achse gedreht; nun hat sie auch zwei Enden. Die Geschwindigkeit der Drehung ist übrigens dafür verantwortlich, wie dicht gepackt sich die Kerne um die Gurkenachse gruppieren. Stichwort: Zentrifugalkraft und unterschiedliche Trägheit der Bestandteile.

Wer schon einmal eine Reportage über Wurstproduktion gesehen hat, weiß, was ich meine.

Nach dem zweitägigen Reifen der Gurkenkette werden die Gemüse noch voneinander getrennt, in Folie eingeschweißt und für den Transport zu uns Verbrauchern vorbereitet.

Und genau bei diesem Trennvorgang kann es nun mal passieren, dass der „Kettenzerschneider“ unachtsam, trantütig oder liebeskummerig gewesen ist und eben einen kleinen Zibbel übrig ließ, der sich im Lauf der Zeit braun färbt.

Das lernt man eigentlich bereits in der Schule.

Nur die Herzdame war da wohl wieder gerade Kreide holen. Wie auch bei diesen Themen.

3 Kommentare zu “zibbelig”

  1. spontiv sagt:

    Eben. Auch Zuccini und Auberginen werden nach dem gleichen Verfahren hergestellt.

  2. duftbäumchen sagt:

    Genauso ist das. Nur frage ich mich, warum dies im Biologieunterricht nicht intensiver (wenn überhaupt) propagiert wird.

    Wie sollen wir denn jemals in den PISA-Studien auf vordere Plätze klettern, wenn so nachlässig an der Jugend vorbeigelehrt wird.

  3. spontiv sagt:

    Ach? Sie meinen es lohnt in die Jugend zu investieren? Interessante Überlegung.