Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Baaden gegangen

Erstellt von duftbaeumchen am Mittwoch 2. September 2009

Kennt ihr Trainer Baade?

Ach! Nicht?

Nicht so schlimm, mir war der Name bis vor wenigen Minuten auch unbekannt.

Die ganze Geschichte hier aufzudröseln, spare ich mir.

Nur soviel: Ein Blogger wie Du und ich äußerte sich in seinem damals nicht sonderlich weit verbreiteten Web-Tagebuch kritisch über einen mehr kleinen als großen Sportbekleidungshersteller.

Der Sichbeleidigtfühlende – die Firma Jako (von deren Existenz ich bisher nicht einmal zu träumen wagte) – schickte sich an, eine Rechtsanwaltskanzlei mit der Wahrung seines vermeintlichen Rechts auf guten Leumund zu beauftragten. Abmahnung, Löschung des bemängelten Eintrags, Zahlung eines für den Blogger nicht unbeträchtlichen Unkostenbeitrags, strafbewehrte Erklärung der Unterlassung weiterer diesbezüglicher Meinungsäußerungen – die Geschichte schien aus der Welt.

Schien.

Dummerweise lassen sich einmal publizierte Informationen im Weltnetz nicht so einfach wieder eliminieren. Ob Partybilder im Vollrausch, die/ der Verflossene beim erotischen Liebsspiel oder eben eine eigene, niedergeschrieben Meinung: Sobald der Autor den „Veröffentlichen“-Knopf gedrückt hat, entwickeln die Informationen eine Art Eigenleben. Roboter nehmen sich ihrer an und tragen sie von Haus zu Haus. Manche stehen in kürzester Zeit an vorderster Stelle stark frequentierter Netzdienste, andere wiederum kauern kleinlich in irgendwelchen Ecken und harren der Reinkarnation.

So auch der Eintrag des Herrn Baade. Als Blogbeitrag zwar gelöscht, doch trotzdem mit etwas Geschick und unter Zuhilfenahme des Zufalls wieder findbar.

Dumm, dass ebenjene Antragsteller nach Wochen auf den gelöschten Text stießen (oder gestoßen wurden). Ein bisher völlig unbekannter „Neuigkeiten-Sammler“ (auch News-Aggregator genannt) archivierte des „Trainers“ Eintrag bereits vor geraumer Zeit und spuckte in nun wieder aus.

Auch dumm, dass Frank Baade im Wiederholungsfall – also jetzt – eine noch höhere „Entschädigung“ zu zahlen hat und davon ausgehen muss, dass die nun folgende und im Strafmaß nochmals heraufgesetzte Abmahnung in den nächsten Jahren wie ein Damoklesschwert über seinem Haupte schwebt.

Und nun macht genau dieser Wiederholungsfall im Weltnetz die Runde.

David gegen Goliath.

Selbst wenn die Firma Jako, wie mittlerweile bekanntgegeben, auf Herrn Baade „zugehen“ möchte, um die Geschichte „aus der Welt zu schaffen“, der imaterielle Schaden für den Sportausrüster wird durch diese unsinnige Aktion der Rechtsabteilung weit größer sein, als der damals von Baade zu zahlende „Schadenersatz“.

Wenn man sich selbst ins Knie schießen will, muss man nicht unbedingt ein Gewehr besitzen.

Manchmal genügen auch unsensible Imageberater und Rechtsanwälte.

Mehr zum Vorfall finden Sie bei allesaussersport.de, spiegel.de, netzpolitik.org, blog-g.de und meedia.de.

4 Kommentare zu “Baaden gegangen”

  1. zoee sagt:

    tja, da hätte herr baade doch einfach mal ein bisschen besser das „internet kontrollieren“ sollen. ist ja auch keine grosse sache.

  2. duftbaeumchen sagt:

    Eben. Es würde ja genügen, wenn jeder nur sein Internet etwas besser hegt und pflegt. Dann passiert sowas auch nicht.

  3. oasenhoheit sagt:

    bei verwirt hab ich von der sache gelesen.

    heut bin ich über das bildblog zu einem gut geschriebenen beitrag gelangt, was firmen tun sollten, um sich so nen imageverlust zu ersparen, wenn der schuss in die bloggergemeinde nach hinten losgeht.
    da wurde der fall auch als aktuelles beispiel genannt.

  4. duftbaeumchen sagt:

    Gibt es schon Informationen, ab wann diese Liste in den Lehrplan an den Wirtschaftshochschulen einfließt?