Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Bauernfänger in der Großstadt

Erstellt von duftbaeumchen am Mittwoch 2. September 2009

Na das hat ja lange gedauert.
Wie ich nach Recherchen im Weltnetz erfuhr, sind die Truppen einer mutmaßlich schweizerischen Finanzberatungsfirma schon geraume Zeit in Bundesdeutschland unterwegs. Sie pilgern von Haus zu Haus und hinterlassen – wahrscheinlich ohne einen Klingelknopf überhaupt angeschaut geschweige denn gedrückt zu haben – die Mitteilung, dass man nicht anzutreffen gewesen wäre.

Nun hab‘ ich endlich auch eine. Eine Karte im Briefkasten:


Aah, von UPS. Wenn ich Oma Krause hieße und von dem ganzen neumodischen Kram keine Ahnung hätte, würde ich durch die Wohnung hüpfend „Juhu, ein Paket, ein Paket!“ rufen und mit dem Zettel dem Opa Krause vor der Nase herumwedeln.

UP-Serviceteam klingt ja auf den ersten Blick auch irgendwie wie UPS. Und woher soll ich (also Oma Krause) wissen, dass der Logistiker UPS überhaupt nichts mit dem UP-Serviceteam zu tun hat?

Oma Krause würde also sofort die angegebene Telefonnummer anrufen – dass es eine Funknetznummer ist, unter der wahrscheinlich keine Weltfirma wie UPS erreichbar sein wird, ahnt sie nicht – und bekäme einen persönlichen Berater aufgeschwatzt, der die familiäre Finanzsituation untersuchen und „optimieren“ will. Vielleicht sogar mit langfristigen Verträgen.

Wer freut sich denn nicht über ein Paket? Und wenn es vielleicht sogar aus dem Westen kommt, ist es doppelt begehrt. So weit hergeholt scheint das mit dem Paket auch nicht zu sein. Man munkelt, dass die sich hinter der angegebenen Telefonnummer verbergenden Lebenshelfer gerne bereit erklären, ein kleines Päckchen Geld (man sagt, es wären 300 Euri) zu überweisen. Da leuchten doch sofort die von karger Rente gezeichneten Pensionistenaugen.

Doch, liebes UP-Serviceteam, ich bin nicht Oma Krause. Ich kenne mich mit dem neumodischen Kram etwas aus und rufe Euch nicht an. Ich werde bei derartigen „Mitteilungen“ sofort stutzig und „schaue in mein Internet hinein“.

Und finde sogar einige Informationen über euch. (zum Beispiel hier: google-Suche, www.datensicherheit.de, eisy.eu – webmaster-magazin)

Schade nur, dass Oma Krause keinen Internetanschluss zu Hause hat.

Ein Kommentar zu “Bauernfänger in der Großstadt”

  1. Carsten J. Pinnow sagt:

    Leider funktionieren gewisse Prinzipien immer wieder. So etwas kennt man doch noch aus alten Western-Filmen, in denen von einem fahrenden Händler ein Wundermittel verkauf wird, welches Blinde wieder sehend und Lahme wieder gehend macht!
    Bleibt nur zu hoffen, daß es immer weniger Menschen von Typ „Oma Krause“ gibt oder besser: Die Enkel geben gut auf dei Großmutter acht und sorgen vielleicht sogar dafür das diese kundig wird im Umgang mit den neuen Medien!
    Diese Unart jedenfalls schwappt wohl offensichtlich durch alle Großstädte. Berlin wurde beispielweise im Mai heimgesucht. Meldung vom 28. Mai 2009: http://www.datensicherheit.de/aktuelles/united-promotion-serviceteam-leipziger-unternehmen-suggeriert-ups-benachrichtigung-2855

    Gruß

    Carsten Pinnow