Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Wendehals

Erstellt von duftbaeumchen am Samstag 3. Oktober 2009

Dies ist (m)ein kleiner Beitrag zum 2019-jährigen Annexions-Vereinigungsjubiläum.

Wendehals

Der gemeine Wendehals.

Nach ihm wurden besonders „biegsame“ Zeitgenossen benannt, die es verstanden, in relativ kurzer Zeit ihre Gesinnung von totalprosozialistisch zu nochtotalerprokapitalistisch zu modifizieren.

Der Wendehals in der oben dargestellten Form ist zwar nicht ganz so geschickt wie der menschliche, aber im Grunde ebenfalls ein armes Würstchen.

Doch warum verdreht er sich den Hals so eigenartig?

Ganz einfach. Ich möchte es kurz erläutern: Wie der eine oder andere vielleicht bereits bemerkt hat, wird es morgens draußen in der Natur hell und abends wieder dunkel. Mal mehr, mal weniger, aber immerhin. Dafür sind nicht immer nur die Stadtwerke verantwortlich, nein, ein großer, weit entfernter Himmelkörper leuchtet so stark, dass auch wir erleuchtet werden und nicht den ganzen Tag mit Grubenlampen an der Stirn herumlaufen müssen.

Vielleicht ist euch auch aufgefallen, dass diese große Lampe am Himmel sogar zu sehen ist. Als sich langsam bewegende helle Scheibe. Morgens im Osten, mittags im Süden und abends im Westen. Zumindest hier auf der Nordhalbkugel.

Grob gesehen könnte man sagen, die gedachte Bahn dieser Lampe ist fast kreisförmig; die Lampe dreht sich sozusagen um die Erde (der Mittelpunkt des Universums) herum.

Diese Erkenntnis ist ja nicht neu, ich möchte sie nur noch mal bekräftigen.

Im Gegensatz zum menschlichen ist der botanische im Kopf nicht ganz so helle, langsamer als andere und sehr vergesslich.
Er wacht morgens auf, schiebt sich den Hut aus dem runzeligen Gesicht und schaut sich erst mal um.

Haaa! Ein Licht!

Während er gemächlich der Sonne bei ihrem Lauf am Firmament zuschaut, verdreht er dabei ganz automatisch auch seinen Kopf. Er guckt und guckt und guckt und schwupps ist es Abend. Das Licht verschwindet am Horizont. Nach einer kurzen Nachschwenkzeit von zirka 115200 Bogensekunden verharrt der gemeine Wendehals dann in seiner Position und schläft, müde vom viele Um-Schauen, ein.

Am nächsten Morgen dann, die Sonne steigt aus ihrem Himmelbett und streichelt ihn sanft aus dem Schlaf, dreht er sich noch ein Stück zu ihr hin (damit sind 360 Grad Umdrehung erreicht) und das Spiel beginnt von vorn. Zwischenzeitlich hat sich seine Hals- und Nackenmuskulatur an die neue Situation angepasst. Was der menschliche Wendehals nicht ohne unerträgliche Schmerzen bewältigt – dem botanischen bereitet es wenig Schwierigkeiten.

So geht das mehrere Tage.

Wenn der Wendehals etwas mehr Grips im Schädel hätte, nicht so vergesslich wäre und am Ende des Tages seinen Kopf in die Ausgangsposition zurückdrehen würde, so könnte er viele Jahre der Sonne hinterherschauen. Doch irgendwann reicht die Spannkraft seiner Haut nicht mehr aus und die „Lichtnachführung“ kommt ins Stocken.

Darüber ist er so traurig, dass er vor Gram den Kopf hängen lässt und elendig verkümmert.

Schade eigentlich.

2 Kommentare zu “Wendehals”

  1. spontiv sagt:

    Dein Pilz kann sich noch ein Jahr länger den Hals verdrehen – du bist ein Jahr zu früh dran.

  2. duftbäumchen sagt:

    Oh, klar. Wie peinlich.