Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

geriebener Puddeling

Erstellt von duftbaeumchen am Samstag 19. Dezember 2009

Würstchen aus Frankfurt, Gurken aus dem Spreewald, Marzipan aus Lübeck.

Nichts Neues.

Aber wer kennt den Ort, aus dem Milch und Honig fließen?

Den Ort, der so versteckt und abgeschirmt von der Außenwelt liegt, dass nicht mal Frau Gugel darüber etwas auszuspucken in der Lage ist?

Nur der alte Doktor war schon mal da.

Damals. Kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende.

Und er hatte sogar ein kleines „Andenken“ vor dort mitgebracht.

Ein kleines Töpfchen mit ungeheurer Kraft.

Kennt ihr das Märchen „Der süße Brei“? So märchig war das damals gar nicht, vielmehr waren diese kleinen, in Handarbeit gefertigten Tonbecher mit Henkel alltägliche Gebrauchsgegenstände. Es gab mehrere derer an diesem Ort, doch nur ein Töpfchen seiner Art überlebte die Wehen der Menschheitsgeschichte.

Ebendieses Töpfchen ist das einzige verbliebene Zeugnis der Existenz dieses geheimnisvollen Ortes, dessen Name in keinem Atlas zu finden ist.

Der alte Doktor hatte das Gefäß damals heimlich mitgehen lassen und schließlich ein heute weitbekanntes Imperium damit aufgebaut.

Ha, von wegen Backpulver! Das wahre Triebmittel der Karriere des alten Augusts war nicht das Backpulver!

Das Töpfchen war’s! Also vielmehr der Inhalt.

PUDDING!

Das Töpfchen produzierte tagaus, tagein Puddingpulver.

Abwechselnd braunen und gelben.

Alle Welt dachte: Oh, der Doktor hat Pudding erfunden, oh, der Doktor ist ein Filou.

Schmarrn.

Die Grundlagen seines Erfolgs blieben lange in den Geheimlaboratorien verborgen. Warum die Fakten jahrzehntelang verschwiegen wurden, kann ich nicht erklären; meine nicht genannt werden wollenden Informanten ließen sich zu keinen weiterführenden Verlautbarungen überreden.

Doch nun endlich erfährt die Öffentlichkeit die wahre Herkunft Doktor Oetkers Puddingkreationen. Durch eine alkoholbedingte Indiskretion eines Mitarbeiters der hiesigen Forschungsabteilung gelangten nämlich brisante Informationen in die Außenwelt.

Ha, nichts mit wissenschaftlicher Sisyphusarbeit! Alles nur geklaut!

Hinter dickverbleiten Betonwänden steht das letzte kleine Töpfchen und sprudelt lustig vor sich hin. Wie der süße Brei im Märchen.
Kein Ergebnis unermüdlichen Forscherdrangs, sondern einfach nur ein Wunder der Natur.

Zu spät, die Heimlichtuerei hat ein Ende. Um dem Ansehen des hochgelobten Wissenschaftlerkollektivs nicht all zu sehr zu schaden, wählten die Verantwortlichen die Flucht nach vorn.
Offensives Marketing.
Andere verstecken wichtige technische Daten im Kleingedruckten, der Doktor pappt sie direkt aufs Titelbild. Um der aufgebrachten Öffentlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen, werden die Tüten fortan mit einem kleinen Zusatz versehen.

In Handarbeit. Mit ’ner Kartoffel.

RaspelpuddingNun wissen wir: Der Pudding kommt gar nicht aus eigener Herstellung, sondern der Pudding kommt…

(tatatataaaa) …aus Raspeln!

Wo auch immer sich dieser Ort befinden mag, so er überhaupt noch existiert.

Nu isses raus.

Es könnte allerdings auch gaaaanz anders sein…

Der Herstellungsprozess des „Puddings aus Raspeln“ ist von aufwendiger Natur.

Zuerst wird Pudding auf herkömmliche Art zubereitet. Man nimmt Pulver aus der Tüte, ein Quantum Milch, einen Topf, einen Rührlöffel und etwas Hitze. Alles schön vermengen – und voilá, schon ist er fertig. Der gemeine Schokoladen- bzw. Famillienpuddeling.

Früher war damit der Prozess abgeschlossen.

Mittlerweile will das gemeine Hausmännel aber nicht mehr stundenlang rührend in der Küche stehen, nur um sich eine Süßspeise zu bereiten.

Also forschten die Forscher, die sich nebenbei eben auch als Freizeithausmännel betätigen, ein wenig vor sich hin und her und kamen auf eine brillante Idee.

Eine neue Art Puddeling ward geboren.

Sie kochten in ihren Laboratorien erst den Pudding auf bekannte Weise, schlossen dem Vorgang aber noch entscheidende Arbeitsschritte an. Das fertige Produkt wurde anschließend schockgefrostet, entflüssigt und gehäckselt. Übrig blieben kleine Puddingraspeln, die nun sorgsam verpackt zum Kaufe feilgeboten werden.

Selbige muss man nun nur noch in Milch kurz aufkochen und schwuppdiwupphastenichtgesehen steht ein schmackhafter Nachtisch auf dem Tablett.

Die Zeitersparnis ist immens.

Was jetzt noch fehlt ist die passende Sauce. Auch aus Raspeln. Aus Saucenraspeln sozusagen.

Doch daran forschen die Forscher noch.


10 Kommentare zu “geriebener Puddeling”

  1. MyBea sagt:

    Das ist ein Joke, oder?

  2. duftbäumchen sagt:

    Niemals!! Denkst Du, ich mache hier Witze? In diesem Tagebuch stehen doch keine Lächerlichkeiten!!

    Tss. Also wirklich…

  3. MyBea sagt:

    Ok. Ich habs inzwischen mit eigenen Augen gesehen: Pudding aus Raspeln. Unglaublich!

    Und Dein Tagebuch habe ich nun auch gelesen, also einen Teil davon, und ich freue
    mich darüber, dass es doch tatsächlich noch Leute gibt, die diese Bloggersache als
    ernsthafte Angelegenheit ansehen. Du glaubst ja gar nicht, was man manchmal für einen
    Blödsinn zu lesen kriegt! Mach weiter so. Ich werde das im Auge behalten. 🙂

  4. duftbäumchen sagt:

    Fein beobachtet. Was mann, frau und robots in diesem Tagebuch zu lesen bekommen, darf sich zurecht mit der mehr als treffenden Bezeichnung „investigativer Journalismus“ schmücken.

    Einer muss es ja machen.

    Ach, wenn ich mich nicht so vehement gegen die Verleihung des Grimme-Preises wehren würde…

  5. MyBea sagt:

    Bescheiden bist Du also auch noch.

  6. duftbaeumchen sagt:

    Stimmt genau. Das Wort Bescheidenheit wurde im Altertum als Bezeichnung der wesentlichen Charaktereigenschaft eines meiner Vorfahren namens Sigurd Rosenstolz erfunden. Der Mann lebte so bescheiden und zurückgezogen, dass sein Name weder in Geschichtsbüchern noch Namensverzeichnissen auftaucht.

    Nur seine Bescheidenheit hat die Zeiten überlebt und sich in mir manifestiert.

  7. MyBea sagt:

    Ich erstarre vor Erfurt …
    Oh weia und ich sag einfach „Du“ zu Dir. Wie peinlich!

  8. duftbäumchen sagt:

    Neben der unermesslichen Bescheidenheit, darf ich auch großmütige Gelassenheit als eine meiner Tugenden bezeichnen.

    Ich sehe großzügig über diesen fauxpas Deinerseits hinweg.

    Aber nur, weil Weihnachten an der Tür hämmert.

    Ab dem 27. Dezember herrschen hier wieder Zucht und Ordnung.

  9. MyBea sagt:

    Ok! *hackenknall*

  10. duftbaeumchen sagt:

    Na siehste, geht doch.