Besser wäre es, sie meldeten vorher ihren Besuch an, vereinbarten einen Termin.
Aber nein, sie standen einfach so an der Tür. Sonntagvormittag.
Nach Jahren besuchten sie mich. Endlich. Sie und er, in karge, farblich dezente, dem Anlass entsprechende Gewänder gehüllt, hatten nicht mal die ebenso kargen Kopfbedeckungen abgenommen; seine Ohren wurden von an der grauen Schiebermütze angenähten Schützern gewärmt.
Sie rechneten wohl nicht damit, länger zu verweilen. Trotz der widrigen Wetterbedingungen lächten sie, als ob ihre Mundwinkel mit einem innenliegenden, um die Gehörgänge gewickelten Faden nach oben gezogen wären.
Erst dachte: Oh Gott, nun muss ich Wurzelbürsten kaufen.
Aus dem phänomenalen Filmkunstwerk “Pappa ante portas” war mir erinnerlich, was nun eigentlich passieren musste. Die beiden sahen nämlich aus wie die Hausierer, von denen Heinrich Lohse ein Großgebinde Badezusatz und Wurzelbürsten kaufte, um am Tag des Jüngsten Gerichts äußerlich gründlichst gereinigt vor den “Herrn” treten zu können.
Ob ich auch der Meinung sei, dass es keinen Gott gibt, weil die Menschen so viel Elend ertragen müssten, wollte sie wissen.
“Die Bibel hält eine Erklärung dafür bereit.”, beantwortete sie die Frage gleich selbst und begann mit sanfter, leiser Stimme aus einem kleinen, abgegriffenen Büchlein vorzulesen.
Geduldig und wissbegierig, wie ich nun mal bin, hörte ich, beiden abwechselnd in die Augen schauend, geduldig und wissbegierig zu. Sie lächelten unverdrossen …
Doch leider war meine die Zeit recht knapp bemessen und die Wohnung auch nicht aufgeräumt. Ich schickte sie wieder weg. Gern hätte ich sie hereingebeten und bei einer Tasse Kräutertee ein Schwätzchen über Gott und die Welt gehalten. Zu gern wüsste ich, wass sie unter den bescheiden wirkenden Mänteln tragen. Eine schlabbrige, ausgebeulte Trainingshose? Das Glitzerkostüm von der vortägigen Vereinsweihnachtsfeier? Oder gar ein knappes Ledermieder mit Strapsen?
Wer weiß eigentlich, wie die Heilsbringer im wahren Leben aussehen? Sind die überhaupt darauf vorbereitet, eingelassen zu werden?
Also die Herzdame war darauf eingericht.
Sie stand nackt im Bad gleich um die Ecke.