
Fällt euch bei Betrachtung des Bildes etwas auf?
Nicht?
Dann guckt doch mal ganz genau hin!
Na gut, ich verrat’s: Im Gartenverein gibt es keine, das Gesamtareal nachts erleuchtenden Laternen. Ja, hier und da mal ein winziges Nachtlicht, welches die kleine Parzelle illuminiert. Doch sobald es dunkel wird, tauchen die Wege ab ins Schwarz der Nacht.
Und das kann dem/ der einen oder anderen zum Verhängnis werden.
Gestern Nacht, gegen Nulluhrfünfzehn, ich bettete mich zur Ruhe.
Kurz bevor mich der Sandmann in sein Reich schleppen konnte, durchströmte unser Schlafzimmer ein geheimnisvolles Geräusch.
“Ooooh ja, uuuaaaahh, jaaaaa …”.
“Was ist denn nun los?”, dachte ich und öffnete Augen und Ohren.
“Jaaaaa, … weiter …, mmmhhhh …” tönte eine weibliche Stimme, ergänzt um gekränkt klingendes Hundegebell.
Nun herrschen in hiesigen Gefilden ja derzeit selbst bei nächtlicher Dunkelheit subtropische Temperaturen und diverse Maueröffnungen sind weit geöffnet, um auch die kleinste Frischluftbrise aufzusaugen. So vermutete ich, dass eine meiner älteren Nachbarinnen Kreislaufprobleme hatte oder im Schlaf halluzinierte.
Ich erhob mich und ging ans Fenster.
Plötzlich Stille.
Nichts.
Vielleicht halluzinierte ich ja selbst schon.
Als ich mich gerade wieder hingelegt hatte, ging es wieder los.
“Oooohhhh, jaaaaa, …”
Nochmals stand ich auf.
Also aus “unserer Ecke” kamen die Geräusche nicht. Beim sowohl optischen als auch akustischen Abtasten der Balkone und Fenster konnte ich keine Auffälligkeiten entdecken. Die seltsamen Laute kamen eindeutig aus der Gartenanlage – allerdings in einer Lautstärke, die mich vermuten ließ, meine direkten Nachbarn nebenan wären der Grund für die Ruhestörung.
Nun erkennt man ja im Dunkeln nicht allzuviel.
Und genau das wird der Auslöser gewesen sein.
Ich vermute, dass sich zwei oder mehrere Stadtbürger im Schreberverein verirrt hatten, im Dunkeln den Weg aus dem Parzellendschungel nicht mehr fanden und zu allem Übel sich selbst auch noch aus den Augen verloren. Meine Annahme verstärkte sich, als dann auch noch lautstark und wiederholt die Worte “ich kooomme, jaaaa, ich komme gleich” intoniert wurden. Die “oooohs”, “Aaaaahhhs” und “Mmmmhhhs” könnten Anzeichen von Verletzungen durch Dornensträucher, vergessene Harken und dergleichen bei der Wegsuche gewesen sein.
Ob sie sich gefunden haben, vermag ich nicht zu schreiben, denn auf einmal war wieder Stille.
Nur der Hund meldete sich letztmalig und ich schlief endlich ein.
Wer weiß, ob sie doch noch zueinander fanden …
PS: Der alleinstehende Nachbar schräg über Eck unter uns schläft in Boxershorts und Socken. Würde er das Fenster schließen, könnte er de Schdrimbe auch noch weglassen.