Diese elenden Spitzbuben!
Er (ein Bekannter) fragte mich gestern Abend: “Wenn ich Onlinebänking machen will, kommt neuerdings immer diese Seite hier …”

(Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde
Zur Zeit befindet sich eine neue Online Banking Software in der Testphase, wodurch einige Kundendaten teilweise beschädigt wurden. Aus diesem Grund bitten wir Sie, 30 TAN’s einzugeben, damit Sie Online Banking weiterhin nutzen können.)
“Ist das richtig so?”
Schon das “Deppenapostroph” in TAN’s sollte jedem Internetnutzer deutlich machen: Achtung! Hier stimmt was nicht!
Geschickt gemacht. Der Virenabtaster meldete nichts und das Internetseitenanzeigeprogramm (neudeutsch auch Brauser genannt) gab grünes Licht. Es schien also alles in Ordnung zu sein.
Die Schlitzohren warteten im Hintergrund. Die Anmeldung bei der Bank funktionierte – wir haben also schon mal Kontonummer und PIN erfasst -, nun fehlten nur noch ein paar TAN zur erfolgreichen Überweisung diverser “Kleinbeträge”.
Lieber Kunde, gibst Du uns welche?
Natürlich nicht!
Meine Untersuchungen führten mich zu einer kleinen Datei, die sogar mit einem digitalen Zertifikat des Antivirenprogrammherstellers “Sophos PLC.” versehen ist. Sie wurde also von Windows Vista als vertrauenwürdig angesehen, beim Systemstart anstandslos geladen und wartete auf Eingaben auf bestimmten Internetseiten.
Diverse Abfragen bei “Online-Virenüberprüfern” ergab: Nichts. (Das Bild zeigt eine erneute Überprüfung heute morgen.)
Alles sauber.
Und doch ist in dieser kleinen Datei etwas Spitzbübisches enthalten.
Kaum hatte ich die Routine deaktiviert, funktionierte auch der Bankzugang (*) wie zuvor. Dass sie der Grund dafür war, dass auch YouTube-Videos seit einigen Tagen nicht mehr abgespielt wurden (was für den PC-Eigner sogar noch viel schlimmer war), stellte sich ebenfalls heraus.
Wir merken uns also: Trotz Virenscanner und anderer Schutzprogramme, trotz Überprüfung durch den Webbrowser, trotz digitaler Unterschriften – niemand ist vor virtuellen Langfingern sicher!
Werte Kunden, überlegen Sie doch mal logisch: Welches Kreditinstitut könnte es sich erlauben, bei Programmtests Kundendaten “zu verlieren”? Welche Daten sollen das denn sein? Die Transaktionsnummern, die die Ihnen zugeschickt haben vielleicht? DIE Nummern, die maschinell erstellt und eingetütet werden; die ganz leicht durch neue, maschinell erstellte und eingetütete ersetzt werden können?
Wenn die wirklich mal wichtige Daten “verlieren” sollten, dann werden wir die Letzten sein, die davon erfahren. Schon gar nicht auf der Internetseite.
(*) Wir wissen natürlich, dass nun weiterführende Maßnahmen folgen müssen.