Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Wie lange noch?

Erstellt von duftbaeumchen am Mittwoch 25. August 2010

Gestern waren wir, die Herzdame und ich, mal wieder im Kino.

In einem Kino, welches ich seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr betreten hatte.

Die „Schauburg“ hier in L.E.

Obwohl mit mehreren Sälen ausgestattet ist es doch mehr Programm- als Großraumunterhaltungskino. Hier werden auch Filme gezeigt, die es meist nicht auf die große Popcorn-Leinwand schaffen, wobei das nicht heißen soll, dass das Ambiente unbequem und schmuddelig wäre. Ganz im Gegenteil: Die Sessel sind ordentlich besitzbar (wenn man von den nicht vorhandenen Kopf“stützen“ mal absieht) und sauber. Cinetypische Speisen und Getränke werden vom Kassenwart persönlich ausgegeben, nur auf einen Eisverkäufer und die elendig lange Werbung vor dem Film wartet man hier vergeblich.

Gestern zumindest.

Dafür begrüßte uns – ganz im Stil des unvergesslichen Hasso Veit im alten CapitolWalter Wanderley mit „Summer Samba“ an der Hammondorgel. Nicht persönlich, aber zumindest vom Band.(*)

Worauf ich aber eigentlich hinweisen möchte …

Das Kino gab es bereits zu DDR-Zeiten. Seit der „Wende“ stemmen sich die Betreiber gegen den Druck der Multiplexketten und wir fragten uns, wie ein Kino überleben kann, wenn sich nicht mal zehn Leute einen Film anschauen in einem Saal, der locker für 250 reicht.

Die Antwort ist ganz einfach.

Die sparen an den Eintrittskarten.

Sowohl aufgedruckte Postleitzahl als auch Telefonnummer lassen darauf schließen, dass die Abreißkartenrollen bereits Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts angeschafft wurden. Damals gingen die Geschäfte noch wesentlich besser und es war genügend Geld vorhanden, vorausschauend in Billetts für die nächsten hundert Jahre zu investieren. (Wie seinerzeit Loriot in „Pappa ante portas“ in Radiergummis.)

Bis 2090 ist also noch etwas Luft und es bestehen gute Überlebenschancen.

Eintrittskarte Schauburg

(Eintrittskarte des Kinos „Schauburg“, Leipzig, 24.08.2010)

 

Was mir ebenfalls auffiel: Auf dem papiernen Schnipsel steht geschrieben „Karte bitte aufbewahren und auf Verlangen vorzeigen“

Wie lange muss ich das tun? Muss ich die Karte ständig bei mir führen oder genügt es, selbige zu Hause zu archivieren? Sollte ich Sicherheitskopien anlegen? Was passiert, wenn sie verlustig geht?

 

(*) Die Herzdame staunte wieder mal über meinen musikalischen Fach- und Sachverstand. Kaum wenige Sekunden gehört, schon konnte ich das Stück identifizieren (schließlich weiß ich, was bei mir im Plattenschrank steht) und eine kleine Geschichte zur „Kinoeinlassmusik“ der Siebziger erzählen. Ältersein hat eben nicht nur Nachteile.