Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

kritische Masse

Erstellt von duftbaeumchen am Mittwoch 11. Januar 2012

Und ich sach noch zur Frau Frülln: In der Schauburg sind immer wenig Zuschauer, die knistern nicht während der Vorstellung, kostenlose Parkplätze gibt’s in unmittelbarer Nähe und die Preise sind nicht so exorbitant hoch wie in den Multiplexkinos …

Die Filmvorschau weckte Neugier, also packte ich die Herzdame beim virtuellen Schopfe und wir zogen hinaus in die dunkle Nacht.

Eine derart große Menschenansammlung vor diesem Lichtspieltheater und in dessen Eingangsinnenbereich sah ich das letzte Mal vor „der Wende“. Die „Schauburg“ ist mittlerweile eher ein Nischenkino.

Was iss’n hier los?

Ein Kontrollblick auf das papierne Kinoprogramm verriet den Grund: Premiere.

Na, ob wir da überhaupt reinkommen?

Wir kamen.

Rings um uns betrieben mehr oder weniger intellektuell aussehende Menschen Konversation. Wer gerade nichts zu sagen hatte, nippte an einem Sektglas.

So unvorbereitet kommt man sich ja etwas deplatziert vor. Ergo: Ein Kinovorschauprogramm geschnappt und zielgerichtet die Sitzgelegenheiten okkupiert.

Du liest doch bestimmt jetzt noch, da hole ich mir auch ein Kinoprogramm„, sprach die Herzdame.

Naja, ich guck mir eigentlich nur die Bilder an; ich hab‘ ja keine Brille dabei.“ (1) Infolge der Altersweitsicht benötige ich im Kino normalerweise keine Sehhilfe, da wir ganz selten bis nie in der ersten Reihe direkt vor der Leinwand sitzen. Ich lasse sie also zu Hause. Andererseits sollte mich die Lebenserfahrung – auch eine Art Altersweitsicht – mittlerweile gelehrt haben, ein Binokel für den „Notfall“ vorrätig zu halten.

Mach’sch aber nich. Der Lernprozess dauert noch an.

Wie dem auch sei – die Herzdame kehrt zurück. Mit Heft und zwei Gläsern Sekt.

Den gibt es nämlich (wie wir nun wissen) kostenlos.

Dann sind wir ja sozusagen sehr wichtige Personen (VIP).“ Oder wollen die uns bereits vor Filmbeginn betrunken machen und einlullen?

Woll’n se nich. Fangen aber dafür später an und ersetzen die Werbung durch eine persönliche Einführung durch den Mann vom Filmverleih. Inklusive Hinweis, dass auch Filmschaffende (Produzenten, Regisseur, Schauspieler) anwesend sind und sich am Ende sogar zu erkennen geben wollen.

Dann geht’s endlich los.

Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Und wir sind bei der Weltpremiere live (also u.a. lebendig, direkt, ungebraucht, glühend) dabei.

Auch wenn mir bei einigen Szenen die Bildgestaltung (2) nicht zusagte, so darf ich insgesamt konstatieren: Ja. Doch. Nicht schlecht gemacht. Gefällt.

Nach der sich anschließenden obligatorischen „Befragung“ und Vorstellung einiger Mitwirkender sowie der Nichtbeantwortung nichtgestellter Zuschauerfragen, gab’s dann noch mal Sekt. Wer wollte.

Doch auch ohne diese Zugabe (die wir aus Zeitgründen nicht annahmen) können wir uns nicht beklagen. Schon rein aus finanzieller Sicht war dieser Kinobesuch ein voller Erfolg: 4 (in Worten VIER) Euri für zwei Kinokarten (3), unendlich (theoretisch) viel Prickelwasser und anspruchsvollen Kulturgenuss.

Und nicht zu vergessen: Das Gefühl, ein privilegierter Kunstkonsument zu sein.

 

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1 Also prinzipiell kann ich auch ohne Brille lesen, wenn ich das Schriftstück nur weit genug vom Gesicht weghalte. Beim Schummerlicht des Kinosaals ist allerdings der Zeichen-Hintergrund-Kontrast so gering, dass jeglicher Versuch der Informationsaufnahme kläglich scheitert. Es bleibt bei der Bilder- und Überschriftenbeschau.

2 Warum müssen die Kameraleute heutzutage ständig rumzappeln und den Protagonisten fast in die Körperöffnungen kriechen. Lasst doch die Schauspieler mal in Ruhe agieren, gebt ihnen Raum. Stellt die Kamera auf ein Stativ und rennt nicht ständig mit ihr herum. Nehmt euch ein Beispiel an „Die Reifeprüfung“ mit Anne Bancroft und Dustin Hoffmann!

3 Die Premium-Variante der happy dinner card macht’s möglich – zwei Karten für eine.