Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Wunder des Lebens

Erstellt von duftbaeumchen am Sonntag 24. Juni 2012

Es entwickelt sich.

Genau so, so ähnlich bzw. ganz anders begannen meine bisher verfassten Einträge zum Thema Kleingärtnerei ohne Kleingarten.
Nachdem ich mein botanisches Schulgarten-Fachwissen bereits auf dem Gebiet der Tomatenzucht mehr oder weniger erfolgreich anwenden konnte, drang es mich vor geraumer Zeit, diese Erkenntnisse auch in die Gurkenaufzucht zu stecken.

Obwohl wir eigentlich nur recht selten Kleinveranstaltungen im häuslichen Umfeld veranstalten, fiel die Wahl auf die gemeine Party-Gurke. Schließlich müssen wir bedenken, dass der Betonuntergrund eines Balkons für ausladende Gemüse-Experimente wenig bis gar nicht geeignet ist; die Brutpflege also in Töpfen erfolgen muss. Andererseits verlangt die gemeine Salatgurke wesentlich mehr Freiraum zu ihrer Entwicklung als die nur zirka zehn Zentimeter lange Party-Gurke. Ich dachte zwar bereits über eine ein Meter starke, den Balkonboden bedeckende Erdschicht nach, dann reicht das Geländer aber nur noch bis zum Oberschenkel und die Absturzgefahr steigt unkalkulierbar. Bei zehn Metern Fallhöhe wird’s gefährlich.

Nicht nur für die Gurken.

Soviel zur Einführung.
Was mich eigentlich erstaunt ist aber die Tatsache, wie aus einem winzigen, vertrockneten Krümel eine Gartenfrucht heranwächst.

In den ersten Wochen denkste noch: Da passiert ja überhaupt nüscht, das wird nie was.

Und dann plötzlich, über Nacht, stupst der erste Spross die Erdkrume wie einen Gullideckel nach oben und bahnt sich den Weg ans Licht. Kurz darauf der zweite, dritte, vielte*. Da ein weiterer Trieb, dort ein neues Blatt, hier eine Blüte, die sich stetig in einen länglichen Knubbel verwandelt, der schließlich zum begehrten Gemüse reift.

So, wie beim Menschen im Regelfall nur zwei Arme und zwei Beine dem Leib entsprießen, so scheint auch dem Gedeih der gemeinen Party-Gurke ein System innezuwohnen.

Eben das Wunder des Lebens.

Nun stehen seit ein paar Wochen drei mehr bzw. weniger große Töpfe mit insgesamt neun Gurkenpflanzen vor den Fenstern.

Was meinerseits eigentlich nur als Experiment gedacht war, scheint mittlerweile aus dem Ruder zu laufen. Die sich anfänglich nur zaghaft ans Licht der Welt wagenden Triebe wuchern lustig vor sich hin und okkupieren zunehmend den eigentlich der Erholung dienenden Außenwohnbereich. Die Stengel kriechen über den grau-kalten Boden, tentakelgleiche Fangarme umschlingen im Weg stehende Gegenstände. Man muss sich ständig bewegen, um nicht den hinterlistigen Greifern anheimzufallen.
Da lehnst’e dich mal fünf Minuten über die Brüstung, um die Nachbarschaft zu beäugen, schon werden deine schlanken Fesseln gefesselt, der dranhängende Mensch zu Boden geworfen und von den nach Nährstoffen gierenden Pflanzen assimiliert.

Bald werden wir nur noch mit einer Machete oder anderem schweren Gerät den Balkon betreten können.

Ich hoffe nur, eine reiche Ernte wird uns für die Pein entschädigen.

Sobald sich jedoch Triebe unter der Wohnungstür ins Treppenhaus hindurchgekämpft haben, sucht nicht mehr nach uns.

Dann werden sich die Gurken unser bemächtigt haben.

Oder die Tomaten. Aber das ist ein anderes Thema.

 

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* (kein Schreibfehler)

7 Kommentare zu “Wunder des Lebens”

  1. Hans-Georg sagt:

    Ich sage nur, angelehnt an ein Musical: Little balcony of horrors!

  2. duftbäumchen sagt:

    Vielleicht kann ich dem Wildwuchs Einhalt gebieten, wenn ich die Herzdame zum Singen rausschicke …

  3. Hans-Georg sagt:

    Also im Musical reicht das Singen der Pflanze nicht. Sie braucht Blut!

  4. duftbaeumchen sagt:

    Hm, ob die Herzdame DAMIT einverstanden ist?

    Anderseits …
    So oft, wie sie sich bei normaler Bürotätigkeit verletzt, fällt ein zusätzlicher Tropfen Blutverlust wohl nicht ins Gewicht.

  5. Hans-Georg sagt:

    Blutverlust im Büro? Sehr bedenklich!

  6. duftbaeumchen sagt:

    Das finde ich auch. Gib ihr ein paar Blätter Papier in die Hand und sie schneidet sich die Finger damit ab.

    Ich vermute, sie hat einen geheimen Vertrag mit einem Wundpflasterhersteller und streicht monatlich immense Provisionen ein, von denen ich nichts sehe.

  7. Herzdame sagt:

    Also ich bin ja entsetzt, du willst mein kostbares Blut einfach so verschwenden.

    Und einen Vertrag mit den Wundpflasterhersteller habe ich auch nicht, aber vielleicht sollte ich mal anfragen.;-)