Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Eine Seefahrt, die ist …

Erstellt von duftbaeumchen am Montag 9. Juli 2012

… lustig?

Naja, in gewisser Weise schon.

Donaukreuzfahrt

Obwohl mittlerweile bereits einige WochenMonate ins Land gingen (aktuelle Tagesaufgaben, ein Halbjahreslehrgang sowie vorwiegend Unlust, dieses Thema aufzuarbeiten), möchte ich im „Entwürfe“-Kasten kramen und an dieser Stelle doch noch einige Eindrücke unserer „Kreuzfahrt“ wiedergeben.

Sie erinnern sich? Nicht? Dann lesen Sie hier noch mal nach!

Aaalso …

Weil eine Mutter nur das Beste für ihre Kinder will, schickte sie uns – so vermute ich – ganz bewusst auf diese Reise. Sie wollte uns am praktischen Beispiel vor Augen führen, wie wir uns – die Herzdame und ich – in dreißig bzw. fünfzehn Jahren verhalten werden/ können/ dürfen/ müssen.

Eine Reise außerhalb der Ferienzeiten anzutreten hat ja den Vorteil, dass die Anzahl quengeliger Heranwachsender ein überschaubares Maß behält, wenn nicht sogar gegen Null konvergiert. Ein weiterer Vorteil ergibt sich daraus für den Veranstalter: Wenn die Reisegesellschaft homogen ausgeformt ist, kann er sich auf den eng begrenzten Altersrahmen einstellen und sein Belustigungsangebot entsprechend konfigurieren.

Was auch ein Nachteil sein kann.

Nämlich für uns.

Ich schreibe nur: Sechzig Plus.

Das hätten wir zwar bereits aus dem Namen „Adventszauber“ selbst ableiten können, doch als „Kreuzfahrt“unerfahrene verschwendeten wir im Vorfeld keine Gedanken an derartige Kleinigkeiten.

Jedenfalls gehörten wir zum verschwindend kleinen Teil der Unterfünfundfünzigjährigen; die Mehrheit hatte das Renteneintrittsalter bereits erreicht bzw. locker überschritten. Der Alterspyramide entsprechend vorwiegend Damen. Hier und da auch mal ein Mann als Anhängsel.

Donaukreuzfahrt

Und wir mittendrin statt nur dabei.

Als wir nach Ankunft – zu neudeutsch „Eintschecken“ – beim „Restaurantchef“ unseren reiselänglichen Tisch reservierten, musste er schon etwas länger überlegen, mit wem wir für die kommenden Tage unseren Platz während der Mahlzeiten teilen sollen.

Er lachte nur und wies uns Tisch 21 zu: Die Herrschaften seien zwar auch nicht mehr so frisch wie wir, aber in dieser Konstellation wäre der Altersunterschied wohl am geringsten.

So war es auch.

Gehobenes Mittelalter direkt am Tisch. Um uns herum – soweit das Auge reichte – die nächste Steigerungsstufe: Gehobenes gehobenes Mittelalter und älter.
Die reinste Rentnerveranstaltung: Zickiger Frauenüberschuss in großer Lautstärke. Da frage ich mich doch, warum es die Evolution so eingerichtet hat, dass gerade die Frauen länger leben als wir Männer. Eine Herrenreisegruppe würde sich wesentlich entspannter verhalten. Deren Einzelteile sitzen einfach nur still vor sich hin, starren stundenlang in die Weltgeschichte und müssen sich über diese „Entspannungsphase“ auch beim gemeinsamen Essen nicht unterhalten.

Ruhe. Einfach nur Ruhe gemischt mit Besteckeklappern, Schlürfen und Schmatzen.

Die Natur will es jedoch bekanntlich anders. Die bei der Speiseneinnahme typische Geräuschkulisse wurde überlagert, fast ausgelöscht sogar, von lautstarken Diskussionen über die vergangenen Erlebnisse und Ereignisse an Bord und drumherum.

Glücklicherweise sprachen unsere westbundesbürgerlichen Tischnachbarn recht wenig – vielleicht hatten sie Angst vor der Kraft des ungestümen Ostens. Vor uns.
Mehr als ein paar Worte schmalen Talg brachten sie nicht über die Lippen, und auch wir verspürten nur verschwindend wenig Drang, die mentalen Hindernisse zu überwinden. Ja, wir sind mit schuld daran, dass an dieser Stelle nicht zusammenwuchs, was nach mittlerweile zwanzig Jahren der Einigkeit eigentlich hätte sich verbinden sollen.

Da es allerdings nur drei Mahlzeiten täglich zu verzehren galt, hielt sich unser Gram in Grenzen.

Und als ob das kulinarische Leben an Bord nicht schon lustig genug wäre, verschönten uns die Reiseplaner die Zeit zwischen den Landgängen mit allerlei Kurzweil.

Mit Tanz am Abend, Rätselstunde und Bingo.

So ist es also, wenn man alt ist.

Donaukreuzfahrt

Aufgrund dieser Eindrücke zogen wir es dann auch vor, keine organisierte Stadtrundfahrt zu unternehmen, sondern selbständig und ohne Leine durch Wien zu zuckeln.

Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?

Müssense ma machen. Im Dezember beginnt die Nacht ja bereits etwas eher, da versäumen Sie nicht so viel Schlaf. Doch achten Sie darauf, nicht bereits einen Tag vor Beginn der Adventszauberillumination die Stadt zu bereisen, denn dann werden Sie nur erahnen können, wie festlich die Altstadt in den folgenden Wochen leuchten wird.

Naja, man kann eben nicht alles haben.

Ganz dunkel war es ja nun nicht – auch in Wien wurde bereits die Elektrizität erfunden.

Genauso wie in Linz. Dort gibt es sogar schon bunte Lampen, und dann auch noch so viele, dass die draußen zur Belichtung von Gebäuden aufgehängt werden müssen. Als Kunst sozusagen.

Donaukreuzfahrt

Nicht nur vom Schiff aus optisch sehr ansprechend – das Auge guckt schließlich mit.

Wenn dann auch noch laue Sommerluft uns um die Nasen gestrichen wäre … Nicht auszudenken.

Doch will ich nicht klagen; in Bommelmütze, Schal und Winterjoppe gewandet traten wir den kühlen Frühwinterwinden mutig entgegen.

Und außerdem: Für so billig Geld darf man keine Karibikrundreise im Hochsommer erwarten.

Willkommen in Wien
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