Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Reisezeiten – von dort nach hier

Erstellt von duftbaeumchen am Dienstag 7. August 2012

Herr Solf, der Sonnensack, rief sie durch einen seiner wie immer fundierten Artikel hervor.

Die Erinnerungen.

Erinnerungen an eine Reise anno domini 1979. Eine Reise zu unseren damaligen Brüdern und Schwestern weitöstlich der Oder.

Nach Kiew ins Pionierlager „Junost“.

Hin mit dem Flieger, zurück mit dem Zug. 1400 Kilometer in 36 Stunden. Kiew – Brest – Warschau – Berlin.

Den kompletten Reiseverlauf kann ich mangels Erinnerung nach so langer Zeit nicht wiedergeben, aber Fragmente und Eckdaten bleiben wohl unauslöschlich im Gedächtnis.

Das wären dann:

* Die Prachtstraße Kreschatik und die weltbekannten Dostoprimetschatjelnosti Sophienkathedrale und Höhlenkloster

* Während eines Aufenthalts in der Stadt trank ich Kwas, obwohl Kinder ja eigentlich noch keinen Alkohol zu sich nehmen sollten. Wobei … Ist man mit dreizehn eigentlich noch Kind?

* Mittags aßen wir mehrmals Borschtsch; als Vorspeise und zur Anregung des Appetits wurde gezuckerwässerter Kuchen gereicht.

* Im Rahmen eines „Deutschen Abends“ führten einige Teilnehmer unserer Reisegruppe einen „modernen“ Bühnenausdruckstanz nach der Musik „Heart Of Glass“ der West-Combo „Blondie“ auf, bei der ich mich während der „Show“ aus der Künstlertruppe ausklinkte, da ich die Schritte nicht mehr wusste. Peinlich.

* Auf einer Schaukel stach ich mir aus Unachtsamkeit mit einem Ast ins Auge und kämpfte an den folgenden Tagen mit einer leichten Bindehautentzündung – als angehender Mann verschwieg ich dies jedoch.

* Die „Großen“ spielten erfolgreich beim Volleyballturnier mit. Ich war noch klein.

* Die ukrainischen Türen waren eher wartungsarme Klemmbretter: Sie hatten statt der Klinken nur Metallgriffe und waren absichtlich so grob gearbeitet, dass das Türblatt von selbst in der Zarge hielt – vorausgesetzt, man ließ sie mit Schwung ins nichtvorhandene Schloss fallen.

* Die Rückreise erfolgte mit dem Zug via Brest mit mehrstündigem Nachtaufenthalt auf dem dortigen Bahnhof. Das Umspuren der Wagons konnten wir nicht miterleben, weil wir den Zug wechselten; dafür kann ich mich noch gut an die beckenlosen Hocktoiletten mit Fußmulden und Rundumblick zu den defäkierenden Nachbarn erinnern.
Eine tolle Erfindung zur Förderung der internationalen Kommunikation. Und eine sparsame zugleich: Ein Riegel zum Verschließen des Refugiums war nicht erforderlich, der Zuziehgriff der sich nach außen öffnenden Tür war gleichzeitig Haltepunkt für den „Geschäftsmann“ im Inneren.

Allerdings konnte der beherzte Zug eines Reisenden am Außengriff das Gleichgewicht in der Kabine empfindlich stören und den schwitzenden Wurstpresser schwungvoll vom Thron ziehen. Schließlich sind nicht alle so hoch gewachsen, dass ihr Kopf und damit die Belegung des Schissoirs von außen sichtbar war.

* Meine bereits kurz nach Beginn des zweiten Rückreiseteils einsetzenden Kopfschmerzen versuchte ich durch fortwährende Zufuhr frischen Fahrtwindes zu mildern. Das ständige Kopf-zum-Fenster-raushalten erwirkte aber eher das Gegenteil und nach Rückkehr zu Hause schlief ich infolge allgemeiner Erschöpfung erst mal einen ganzen Tag lang durch.

Weiteres weiß ich nicht mehr.

Kiew, 1979

Aaaaber: Anlässlich dieses Beitrags raffte ich mich endlich auf, die noch in der Versenkung schlummernden Original-Touristen-Kauf-Dias rauszukramen und zu digitalisieren. Leider ist trotz lichtgeschützter Lagerung von den diversen Farben nicht mehr viel übrig. Auch die vor dreiunddreißig Jahren standesgemäß mit einer „Smena SL“ (die steht noch im Memorabilienschrank) höchstselbst geschossenen und für je 2,70 DDR-Mark je Bild entwickelten Fotos ließen im Lauf der Zeit eine Menge Qualitätsfedern. Gut, wenn man sich etwas Mühe gibt, lässt sich mit modernen Bildbearbeitungsprogrammen ein Quentchen des Glanzes verronnener Tage zurückholen (s. Beispiel).

Aber wer will das schon.

Pionierlager 'Junost', Kiew, 1979Pionierlager 'Junost', Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979Kiew, 1979

2 Kommentare zu “Reisezeiten – von dort nach hier”

  1. Herr Solf sagt:

    Geil!

  2. duftbäumchen sagt:

    Besser kann ich es auch nicht ausdrücken.