Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Lockruf der Sonne

Erstellt von duftbaeumchen am Sonntag 2. Dezember 2012

Die geneigten LuL (*) dieses Tagebuchs werden sich bereits geraume Zeit fragen: Wann kommt denn nun endlich die Rezension des alle zwei Jahre im Frühling stattfindenden Schiller-Konzerts?

Gute Frage – leichte Antwort: Jetzt und hier.

Denn obwohl die aktuelle Scheibe „Sonne“ derzeit wesentlich weniger mit der aktuellen Wettersituation zu tun hat als sie es im Frühjahr gehabt hätte, fand die Lebenddarbietung erst gestern statt. Pünktlich zum meteorologischen Winterbeginn und weil es im Lenz noch gar keine neue Musik zum Darbieten gab. Und dass, wo sich doch gerade in den frühsommerlichen Jahrestagen die An- und Abreise schon allein wegen der nicht nötigen Winterbekleidung sooo bequem gestalteten täte.

Sei’s drum. Gleiche Stelle – gleiche Welle. Mittlerweile zum vierten Mal.

Die Zeit, die wir erstaunlicherweise nicht vor Einlassbeginn in der Kälte verbringen mussten, durften wir an der Garderobe verplempern. Nicht schlimm – als gelernter DDR-Bürger kenne ich kollektive Wartegemeinschaften.

Schiller-Konzert, Leipzig, 2012

Und dann ward Licht.

Dem Titel des aktuellen Albums entsprechend mehr als je zuvor. Neue Tour – neues Lichtkonzept – mehr Scheinwerfer. Die dicht mit allerlei Funzeln bestückten Traversen passten gerade noch so unters Dach.

Dem Nachtflugverbot gehorchend drehte der Tonmeister den Lautstärkeregler nicht ganz so weit auf wie vor zwei Jahren.

Ich hab‘ da ’ne Theorie.
Wenn man sich Konzertmusiker genau anschaut, fällt auf, dass diese immer kleine Stöpsel im Ohr haben. Beidseitig. Wahrscheinlich sind die bereits kurz nach Festlegung des Berufswunsches implantiert worden. Die Tonzufuhr wird also blockiert. Ich vermute nun, dass die Tonmeister angewiesen sind, diese verminderte Hörfähigkeit der Protagonisten durch Erhöhen der Gesamtlautstärke zu kompensieren. Schließlich will ja auch der Instrumentalist wissen, wass er eigentlich spielt. Klar, man könnte sagen: „Nimm den Stöppel raus, dann hörste besser.“, aber das kann ja jeder.
Irgendwann wird es sogar soweit kommen, dass sich auch der gemeine Zuhörer die Ohren verstopfen muss, weil er sonst rammeldösig wird. Erste Auswirkungen sind bereits auf besonders lauten Heavy-Metal-Konzerten zu erkennen, wenn Besucher glauben, eine Klampfe bei sich zu führen und ekstatisch die flotten Därme dieser imaginären Luftgitarren zupfen.

Es kann allerdings auch sein, dass mein Gehör in den vergangenen zwei Jahren etwas an Sensibilität verlor und es mir deshalb nur leiser vorkam.

Apropos Tontechniker … Gut, wenn man die Herrschaften nicht aus den Augenwinkeln verliert; so weiß man nämlich ziemlich genau, wann wirklich Schluss ist. Leider kalkulieren die Künstler mittlerweile die „Zugaben“ fest in die Gesamtspieldauer ein und das bereits nach pausenlosen 95 Minuten scheinbar nahende Ende war dann doch nur Show innerhalb der Show. Der gemeine Künstler lebt schließlich auch vom Applaus des Publikums und lässt sich gern bitten.

Um dann doch noch „ein paar“ Minuten Kunst dranzuhängen. Dem Vor-Spiel folgend ein Mix aus re-arrangiertem Alten und Neuen.

Nach bereits einhundertdreißig Minuten verklang dann der letzte Ton.

Schluss, Aus, Ende.
Zeit, aufzubrechen. Theoretisch zumindest, denn wegen der selbstauferlegten Kleiderordnung war an eine zügige Abreise nicht zu denken – die Garderobe holt sich schließlich nicht alleine. Nun bot sich die Gelegenheit, während der halbstündigen Wartezeit den zirka dreißig bis fünfzig plötzlich aus dem Nichts auftauchenden BühnenarbeiterInnen bei ihrer Tätigkeit zuzuschauen. Kabel ab, Deckel druff, Hämmern, Entschrauben, Klappern. Eine Bühne sieht bei Saalbeleuchtung recht unspektakulär und eher wie ein Baugerüst aus.

Aber wann sieht man sowas schon mal live …

 

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(*) neudeutsche Abkürzung für Leserinnen und Leser

Artverwandtes: schillernd (2010), schill-out (2008), ver-lockend (2006)