Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Oh, du fröhliche …

Erstellt von duftbaeumchen am Donnerstag 13. Dezember 2012

Oder anders: Ach du Schei…

So dachte ich, als wir den Saal betraten.

Meeenschenmaaaassen! Vorwiegend Jungvolk. Der Saal war bereits ein knappe Stunde vor kommuniziertem Beginn gefüllt.

Der ursprüngliche Ort des Kulturabends – der hiesige „Felsenkeller“ – durfte wegen nicht vorhandener Betriebsgenehmigung nicht bespielt werden, was den daran unschuldigen Organisator – die hiesige „MB“ (*) – nötigte, kurzfristig umzudisponieren.

Neuer Ort: Großer Hörsaal, Campus Jahnallee.

Im Nachhinein ist mir klar, warum wir, obwohl wir extra früher als notwendig losfuhren, trotzdem fast die letzten Ankömmlinge waren. Ich ging von einem buntgemischten Durchschnitts-„Volks“publikum aus, die Zielgruppe jedoch entsprach genau dem  „MB“-Umfeld.

Vorwiegend Studenten. Und die sind leicht auf dem kurzen Dienstweg zu erreichen und umzudirigieren. In dieser Umgebung fühlste dich zwar gleich wieder zwanzig Jahre jünger, was aber trotzdem Murks ist, wenn de dor Letzte bist und keenen Platz mehr findest.

„bestuhlt – Platzwahl frei“

Das heißt allerdings nicht, dass auch für jeden Gast ein Stuhl vorgesehen ist. Zumindest nicht in dieser neuen räumlichen Konstellation. Die geänderte Lage bedingte unkonventionelle Lösungsansätze. Wie in einer überfüllten Vorlesung üblich, verteilten sich die sitzplatzlosen Zuschauer auf den hölzernen Stufen, selbst das ältere Semester machte nicht den Eindruck, von dieser unbequemen Situation genervt zu sein.

Wäre ja auch Quatsch, schließlich ging es um eine vorweihnachtliche Aufführung. Nächstenliebe, wohin das Ohr hörte.

Wie dem auch sei, nur noch vereinzelt waren Einzelplätze frei – die Herzdame und ich verteilten uns locker im Saal und taten so, als ob wir dazugehörten. Volksgemurmel, Flaschenklappern und Glühweinduft – das Auditorium als eine wabernde Masse; bereit, sich der Kleinkunst hinzugeben.

Und wir gaben uns hin. Dem Spiele. Dem vorweihnachtlichen Krippenspiele.

Da ich diese abstruse und doch höchstvergnügliche Mischung aus Schauspiel, Oper, Videoabend und vor allem Wortakrobatik nur unzureichend beschreiben kann, bleibt mir nur zu verkünden:

Gehet hin und schauet mit eigenen Augen, verweilet und höret mit eigenen Ohren:

Olaf Schubert – Krippenspiel

Ein Fest für die Sinne.

Nächstes Jahr wieder. Gern. Falls mor Garten griechn.

 

PS: Wer schon mal zwei Stunden auf einem Holzklappstuhl saß, wird verstehen, dass Studenten häufig über die Vorlesungen jammern. Nicht nur wegen der langweiligen Lehr-Themen.

(*) MB: Kulturzentrum Moritzbastei