Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

1, 2, 3, 4, Eckstein

Erstellt von duftbaeumchen am Samstag 23. März 2013

Auch wenn sich die Euphorie um die zügige Findung des neuen Popen mittlerweile gelegt hat, so lassen mich die Geschehnisse doch nicht ruhen.

À propos Findung.

Laut kirchlichem Verständnis wird der Papst ja nicht gewählt, sondern gefunden. Schließlich wird er von „Gott“ bestimmt und da von „Gott“ weder eine telefonische noch eine postalische Verbindung zu uns besteht, muss dieser andere Wege finden, uns – also vielmehr den Mitgliedern des Konklaves – seine Wahl seines Vertreters seinerselbst zu offenbaren.

Wiedemauchsei, da wir Außenstehenden von den Vorgängen in der sixtinischen Kapelle nur vom Hörensagen wissen, öffnen sich trotz verschlossener Türen die Tore für Spekulation und Gerüchte.

Auch ich kann also nur mutmaßen.

Und so stelle ich mir vor, dass die 115 Herren vielleicht einfach nur „Verstecke“ spielen. Schließlich geht es ja nur darum, den wahren Papst zu finden. Und wenn sich alle nur gegenübersäßen, wäre der Findungsprozess nur halb so spaßig.

Oder – und nun mag mich mancher der Blasphemie bezichtigen – das läuft ganz anders ab: Sobald die Türen verriegelt sind, holen die alten Männer ihre Flachmänner unter dem Talar hervor, reißen sich langsam (die Gelenke machen auch nicht mehr so flüssig mit) die Kleider vom Leibe und würfeln nackt und in fünf Gruppen á 23 Geistliche eingeteilt den neuen Papst aus. Und da die Regeln sehr kompliziert sind, kann es vorkommen, dass nicht gleich im ersten „Wahlgang“ ein eindeutiges Ergebnis erzielt wird.

Es ist allerdings auch möglich, dass die „dunkle Fahne“ signalisiert: „Wir haben gerade soviel Spaß, wir machen noch ’ne Runde.“

Der Überlieferung nach wird zur Erzeugung des dunklen Rauchs nasses Stroh verwendet. Ob allerdings meine Vermutung richtig ist, dass die Herren einen Kreis um das eigentlich rauchlos brennende und den alternden Leibern wohlige Wärme spendende Feuer bilden und erst mal ihre vom Schnaps gefüllte Blase auf dem Stroh entleeren und somit die dunkle Qualmfarbe erzeugen, können nur die Kardinäle selbst beantworten.

Sollte sich der Auserwählte sein künftiges Amt endlich erwürfelt haben oder sich allgemeine Erschöpfung breit machen – schließlich sind die Herren auch schon jenseits des Renteneintrittsalters -, dann wird die Zeremonie für beendet erklärt, die Kardinäle zupfen sich ihren Pileolus vom breiten Scheitel und werfen ihn freudig erregt in die Luft. Sie lobpreisen ihren Herrn; sie singen und tanzen und laben sich an Speis‘ und Trank.

Und wie entsteht der weiße Rauch?

Infolge fortschreitender geistiger Vergreisung verwechselt schon mal der eine und andere, dass das „Koks“, welches in kleinen Tütchen als Nachtisch gereicht wird, nicht, wie es der Name vermuten ließ, zur Erhöhung der Heizleistung des Lagerfeuers vorgesehen ist und wirft es – wie es Edmund Stoiber seinerzeit so treffend formulierte – in die gludernde Lot.

So stelle ich mir das Konklave vor. Doch ob das wirklich derart stattfindet, werden wir wohl niemals erfahren …