Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

verschobener Blackout

Erstellt von duftbaeumchen am Sonntag 16. Juni 2013

Nun ist es wohl soweit. Ich werde senil; das Alter zeigt mir eine weitere seiner grässlichen Fratzen.

Ich überlegte eine Weile, ob ich dem Tagebuch diese Begebenheit anvertrauen soll, weil es mir so peinlich ist. Da ich jedoch weiß, dass dieses virtuelle Büchlein seine Geheimnisse für sich behält, schreibe ich es hinein.

Doch der Reihe nach.

Freitags beim Kaufmann des Vertrauens. Manch einer wird es bereits wissen: Ich bin kein Wagen-von-Regal-zu-Regal-vor-sich-her-Schieber. Vielmehr suche ich im Meer der feilgebotenen Waren kleine Inseln, auf denen ich das Schiebewägelchen parken kann und verströme mich von dort aus sternförmig zu den Destinationen meines Begehrs.

Soweit, so gut.

Der Korb ist mittlerweile gut gefüllt – ich begebe mich zur Kasse.

Ein noch langer Weg.

Selbiger führt mich unter anderem durch die Haushaltwarenabteilung. Im Vorbeigehen fallen mir Vorratsbehältnisse in den rechten Augenwinkel (also sinnbildlich gesehen), die meinen Gang stoppen lassen. Nun kennen wir Zeitgenossen, die in dieser Situation abruppt die Fahrt unterbrechen und das Einkaufsbehältnis spontan und mitten im Gang stehen lassen.

Wer auffährt trägt die Schuld.

Zu denen gehöre ich nicht – ich parke vorschriftsmäßig in einer unbefahrenen Seitengasse. Direkt neben den Fahrrädern.

Nachdem ich diverse Schachteln und Dosen begutachtete, ziehe ich weiter.

Bis zum Sportbereich.

Ich parke abermals am Rand, um nach links auszuscheren und mich zwischen den Schuhregalen zu verlustieren.

Nichts dabei für mich.

Als ich zum Wägelchen zurückkomme denke ich so: Blumen? Wer legte mir denn da Blumen ins Behältnis?

Wobei …?!

Das ist doch gar nicht mein Wagen!

Da hat sich wohl jemand vertan und selbigen verwechselt. Oder will mir jemand einen Streich spielen? Ich halte nach versteckten Kameras Ausschau, kann jedoch nichts entdecken.

Die Zeit ist noch frisch, soweit weg kann der Übeltäter noch nicht sein.

Zügigen Schrittes durchstreife ich die angrenzenden Gänge, beobachte den naheliegenden Kassenbereich – nichts. Meine noch nicht bezahlten Einkäufe sind weg.

Andere Richtung, zurück zum Gemüse. Irgendwo muss er stecken, schließlich kann sich Materie nicht spurlos auslösen.

Doch auch zwischen Süßwaren, Tütensuppen und dergleichen mehr versteckt er sich nicht.

Gut, dann muss ich nochmal in der Sportabteilung gucken.

Also wieder retour. Konserven, Haushaltswaren, Fahrräder.

Fahrräder?

Oh. Wer hat denn den da hingestellt?

 

Mich verstohlen umsehend begebe ich mich zügig zur Kasse.

Den Blumenwagen am Wegesrand in der Sportabteilung ignoriere ich und hoffe, dass ihn sein Besitzer findet, bevor das Grünzeug verwelkt ist.

Und ich weiß nicht mal, an welcher Stelle meines Einkaufs der mir zwischen die Finger geriet.