Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Abschalter

Erstellt von duftbaeumchen am Mittwoch 17. Juli 2013

Ursprünglich wollte ich der „Sache“ keine weltöffentliche Bühne zimmern, ihre Entwicklung veranlasst mich nun aber doch dazu.

Mitte Juni erhielt die Herzdame einen Brief von Kabel Deutschland (nachfolgend als KD bezeichnet).

Diesmal keine Werbung für Heispied-Internet mit Teflonbeschichtung und Fernguck, denn die untersagten wir bereits vor Monaten. Der Brief teilte vielmehr mit, dass der Herzdame Kabelanschluss in Bälde wegen Unbenutzung abgeschaltet werden würde.

Na gugge ma an.

Dabei ist die Herzdame nicht mal Kabel-Deutschland-Kunde.

Da ich um die Unzulänglichkeiten des Kundenmänädschments weiß (siehe hier und hier) und um Klarheit in die neblige Angelegenheit zu bringen, rief ich also am 20. Juni 2013 bei KD an. Sicherheitshalber.

Frau S. war an der Strippe.
Freundlich und aufmerksam hörte sie sich meine ebenso freundlich formulierten Ausführungen an. Meine Mutmaßung, KD-Mitarbeiter würden von Klingelbrett zu Klingelbrett ziehend Namen abschreiben und gucken, ob diese in der KD-Datenbank verzeichnet sind, zerstreute sie mit einem Hinweis auf einen Satz in der Fußzeile des Schreibens. Da steht nämlich unter dem kleingedruckten Impressum in noch kleinerer Schrift: „Wir bieten Ihnen volle Transparenz über die Verarbeitung Ihrer Daten und Ihr Recht auf Werbewiderspruch […] Kabel Deutschland hat Ihre Adressdaten gemäß §28 Absatz 3 BDSG ausschließlich für dort genannte Zwecke in datenschutzrechtlich zulässiger Weise (“Listenprivileg”) von folgendem Dienstleister bezogen: […]“.

Aha, die Adressen sind für Werbemaßnahmen gekauft.

Dass die Herzdame eine Abschaltebenachrichtigung bekommt, obwohl sie gar nicht Kunde bei Kabel Deutschland ist, liegt also nur daran, dass sie kein KD-Kunde ist, aber in der Datenbank drinsteht.

Na das ist ja einfach; darauf hätte ich auch selbst kommen können.

Und da sie nicht Kunde ist, kann man den nichteingeschalteten Anschluss auch abschalten.

Dass vielleicht in der gleichen Wohnung ein KD-Kunde wohnt, spielt da keine Rolle. Der ist dann eben auch mit weg – ein kalkulierter Kollateralschaden. Mit unnützem Folgeaufwand für den Anbieter.

Doch das wollen wir selbstverständlich nicht – deshalb rufe ich ja an. Sicherheitshalber.

Nachdem wir nun minutenlang plauderten und ich mir dies und das erklären ließ, kamen wir überein: Der Herzdame Anschluss wird nicht abgeschaltet und in der Datenbank vermerkt, dass sie eine enge Beziehung mit einem im gleichen Haushalt lebenden KD-Kunden pflegt, der über ebendiese Abschaltung sehr verärgert wäre. Nämlich mit mir.

Letztlich, so Frau S., würde aber vor der eigentlichen Deaktivierung noch ein weiteres Schreiben mit einer weiteren Frist auf den Weg gebracht werden, um das Unabwendbare doch noch abzuwenden.

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So weit, so gut.

11. Juli 2013, die Einwandfrist ist seit drei Tagen verstrichen.

Tach, Post.

„Sehr geehrte Frau K.,

[…] gesetzte Frist ist verstrichen, ohne dass wir in unserer Datenbank eine Änderung des technischen Zustandes erkennen können. […] für eine umgehende Abschaltung vormerken.“

HAAALLLOOO! KABEL DEUTSCHLAND! AUFWACHEN!

FRAU K. IST NICHT KUNDE BEI IHNEN!

UND WARUM IST FRAU S.’S  EINTRAG IN DER DATENBANK VERSCHWUNDEN?

Am Montag rufe ich also wieder an. Kost‘ ja nüscht.

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15.07.2013, 17.53 Uhr.

Ja, ich weiß, wenn die telefonische Erreichbarkeit der „Gratis-Rufnummer“ von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr vermerkt ist, dann ruft man nicht sieben Minuten vor der Angst an.

Ich tat es trotzdem und wurde für meinen Mut sogar belohnt – mit zwölf Minuten chilliger Wartemusik.

18.05 Uhr brach die Verbindung dann ab und ließ sich auch nicht wieder herstellen. Nach Wahl der Nummer klickerte es undefiniert im Hörer – vermutlich wurde mein Gesprächsbegehren lustig durch die Republik und von Call-Center zu Call-Center geroutet -, dann kehrte Stille ein. Reproduzierbar.

Gut, ich probier’s dann morgen noch mal.

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16.07.2013, 17.42 Uhr.

Wieder kurz vor der Angst.

Doch Herr L. meldet sich und ich lasse mir erklären, was ich bereits weiß.

Ungenutzter Anschluss, Abschaltung, blablabla.

Und, dass KD den Noch-Nicht-Kunden mit dieser Kontaktaufnahme die Möglichkeit geben möchte, vielleicht doch noch eine Vertragsbeziehung mit dem Medienanbieter einzugehen.

Hört, hört! Endlich mal jemand, der es ausspricht.

Einen bisher ungenutzten Anschluss einfach abzuschalten, wäre ja auch Quatsch. Das würde niemand bemerken, da bräuchte man eigentlich auch keine Briefe versenden. So aber, hoffen mutmaßlich die Werbeausdenker von KD, dreht sich der Acquise-Spieß um und BürgerIn X sucht von sich aus das Gespräch und lässt sich zu einer Vertragsunterzeichnung überreden.

Mach’mer aber nich, ham’wer schon.

Vielmehr interessiert uns: Wie lange noch?!

Denn wenn das so weiter geht …

 

Ein Kommentar zu “Abschalter”

  1. Robi sagt:

    Ich könnte mir vorstellen, dass sich auch Herr Escher für so eine Geschichte interessiert.
    Lass ihn doch an so aufschlussreichen Telefonaten teilhaben.