Mittlerweile bin ich ja auch nicht mehr sooo jung. Die Anzahl der Zipperlein steigt stetig und wo ich nun schon mal bei der Leibärztin zur Behandlung selbiger bin, kann ich doch auch gleich eine größere technische Durchsicht veranlassen.
Diesbezüglich möchte ich die Einführung der Praxisgebühr als vollen Erfolg kennzeichnen: Für die zehn Euri nehme ich gerne gleich noch ein paar Überweisungen zu diversen Spezialisten mit. Ohne Praxisgebühr hätte ich die Untersuchungen noch weiter vor mich her geschoben. Nun aber sind sie Anlass, meinen Körper von den besten und teuersten Koniferen der Heilkunde begutachten zu lassen.
Dass ebendiese Spezialisten zwar so begehrt sind, dass die nächsten freien Termine erst im Sommer zu erhalten sind, ist schade, aber vorerst nicht zu ändern. Dass die leider nur bis zum Quartalsende gültigen Überweisungsscheine damit erst mal Makulatur sind, ebenfalls. Doch die Papier- und Druckindustrie freut sich.
Wenn sie nicht sogar einen besonders guten Lobbyisten im Gesundheitsministerium sitzen haben.
Doch ich schweife ab.
In diesem Eintrag geht mir nämlich um etwas ganz anderes.
Zu einer technischen Durchsicht gehört auch, mal richtig in der eigenen Sch***e zu rühren.
Also nicht so ganz richtig, aber zumindest ein wenig.
Dafür dreimal hintereinander.
Früher war das ja noch gaaanz anders.
Da hab’ ich auf’m Klo gesessen, meine Wurst gemacht, welche auf dem Porzellanplateau erst mal liegen blieb und vor sich hinstinkerte. Daraufhin nahm die Erziehungsberechtigte einen Holzspatel, knapste damit ein Quantum Darminhalt ab und verbrachte es in ein durch das Gesundheitsgewerbe im Vorfeld zur Verfügung gestelltes und beschriftetes Reagenzglas. Korken drauf - fertig.
Mittlerweile gibt es Porzellanplateaus im Nassklosett nur noch selten, mittlerweile plumpst die Wurst häufig ungebremst ins Wasser, dass es nur so spritzt. Dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt sei Dank.
Daher stellt sich nun die Frage: Wie gelangt man an den begehrten Wurschtzippel?
Mit ‘nem Kescher? Im Flug auffangen?
Ich könnte auch gleich ins Reagenzglas kackern. Doch einerseits fehlen mir dazu die feinmotorischen Fähigkeiten, andererseits ist das heutzutage gar nicht mehr erwünscht.
Meine Leibärztin übergab mir dafür nämlich eine kleine Papiertüte, die drei ebenfalls kleine Pappklappkärtchen beherbergte. Auf denen wiederum befanden zwei zirka zwei mal zwei Zenimeter große, in den Karton eingearbeitete und damit vom Umfeld separierte Streichflächen.
Sechs schräg “angespitzte” (spitz im Sinne von “wirklich spitz”), scharfkantige Pappspatel gab’s gratis dazu.
Und dann beginnen die Bastelarbeiten.
Als Erstes muss man mal müssen.
Für mich kein Problem und normalerweise eine mehr oder weniger entspannte und entspannende Angelegenheit - hier auf dem Thron habe ich Zeit und Muße, Rätsel zu lösen, die Fachpresse zu studieren oder einfach mal den Blick durch die kachelverkleidete Weltgeschichte des zwei-mal-zwei-Meter-Bades schweifen zu lassen.
Nun gilt es allerdings, sich zu konzentrieren und die Darmentleerung genau zu beobachten. Also mehr mental-virtuell als optisch, schließlich besitze ich als einer der wenigen Bundesbürger noch keine innenverspiegelte Toiletteschüssel und muss mich auf meine Vorstellungskraft verlassen.
Zwei Proben sind aus unterschiedlichen Bereichen des Stuhls zu entnehmen. Das heißt also in diesem Fall, dass ich während des Abseilvorgangs kurz innehalten muss, mir mit dem spitzen und scharfkantigen! Pappstreifen blind am Popser rumfummle und versuche, ein medizinisch halbwegs verwertbares “Stück” des vom Körper unverwertbaren Restmülls zu “erhaschen” und auf dem Zelluloseträger zu konservieren.
Zweimal während einer Sitzung, drei Tage nacheinander.
Leute, ich schreibe Euch: Man(n) - und frau sicherlich auch - macht sich viel zu wenig Gedanken über technische, seit frühester Kindheit unbewusst durchgeführte Vorgänge. Hier laufen Prozesse ab, deren technologischer Ablauf in seiner Gesamtheit sehr simpel zu sein scheint, in den einzelnen Phasen jedoch an Komplexität kaum zu überbieten ist. Eine ausgeklügelte Atemtechnik spielt eine ebensowichtige Rolle wie wohldosierter Druck, Feinmotorik und gutes Zeitgefühl.
Frauen könnten nebenbei sicherlich auch noch mit der Freundin telefonieren, ich musste mich voll auf diesen einen Vorgang konzentrieren.
Und drei Tage sind viel zu wenig, um die Handgriffe derart zu perfektionieren, dass man sich nebenbei auch den eigentlich wirklich wichtigen Dingen wie Fachlektürieren, Rätselraten und Schweifblicken widmen kann.