Würstchen aus Frankfurt, Gurken aus dem Spreewald, Marzipan aus Lübeck.
Nichts Neues.
Aber wer kennt den Ort, aus dem Milch und Honig fließen?
Den Ort, der so versteckt und abgeschirmt von der Außenwelt liegt, dass nicht mal Frau Gugel darüber etwas auszuspucken in der Lage ist?
Nur der alte Doktor war schon mal da.
Damals. Kurz vor der vorletzten Jahrhundertwende.
Und er hatte sogar ein kleines “Andenken” vor dort mitgebracht.
Ein kleines Töpfchen mit ungeheurer Kraft.
Kennt ihr das Märchen “Der süße Brei”? So märchig war das damals gar nicht, vielmehr waren diese kleinen, in Handarbeit gefertigten Tonbecher mit Henkel alltägliche Gebrauchsgegenstände. Es gab mehrere derer an diesem Ort, doch nur ein Töpfchen seiner Art überlebte die Wehen der Menschheitsgeschichte.
Ebendieses Töpfchen ist das einzige verbliebene Zeugnis der Existenz dieses geheimnisvollen Ortes, dessen Name in keinem Atlas zu finden ist.
Der alte Doktor hatte das Gefäß damals heimlich mitgehen lassen und schließlich ein heute weitbekanntes Imperium damit aufgebaut.
Ha, von wegen Backpulver! Das wahre Triebmittel der Karriere des alten Augusts war nicht das Backpulver!
Das Töpfchen war’s! Also vielmehr der Inhalt.
PUDDING!
Das Töpfchen produzierte tagaus, tagein Puddingpulver.
Abwechselnd braunen und gelben.
Alle Welt dachte: Oh, der Doktor hat Pudding erfunden, oh, der Doktor ist ein Filou.
Schmarrn.
Die Grundlagen seines Erfolgs blieben lange in den Geheimlaboratorien verborgen. Warum die Fakten jahrzehntelang verschwiegen wurden, kann ich nicht erklären; meine nicht genannt werden wollenden Informanten ließen sich zu keinen weiterführenden Verlautbarungen überreden.
Doch nun endlich erfährt die Öffentlichkeit die wahre Herkunft Doktor Oetkers Puddingkreationen. Durch eine alkoholbedingte Indiskretion eines Mitarbeiters der hiesigen Forschungsabteilung gelangten nämlich brisante Informationen in die Außenwelt.
Ha, nichts mit wissenschaftlicher Sisyphusarbeit! Alles nur geklaut!
Hinter dickverbleiten Betonwänden steht das letzte kleine Töpfchen und sprudelt lustig vor sich hin. Wie der süße Brei im Märchen.
Kein Ergebnis unermüdlichen Forscherdrangs, sondern einfach nur ein Wunder der Natur.
Zu spät, die Heimlichtuerei hat ein Ende. Um dem Ansehen des hochgelobten Wissenschaftlerkollektivs nicht all zu sehr zu schaden, wählten die Verantwortlichen die Flucht nach vorn.
Offensives Marketing.
Andere verstecken wichtige technische Daten im Kleingedruckten, der Doktor pappt sie direkt aufs Titelbild. Um der aufgebrachten Öffentlichkeit den Wind aus den Segeln zu nehmen, werden die Tüten fortan mit einem kleinen Zusatz versehen.
In Handarbeit. Mit ‘ner Kartoffel.
Nun wissen wir: Der Pudding kommt gar nicht aus eigener Herstellung, sondern der Pudding kommt…
(tatatataaaa) …aus Raspeln!
Wo auch immer sich dieser Ort befinden mag, so er überhaupt noch existiert.
Nu isses raus.
…
Es könnte allerdings auch gaaaanz anders sein…
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