Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

Archiv für die 'Leben in der Stadt' Kategorie

Sonntagsmatinée

Erstellt von duftbaeumchen am 30. Januar 2012

neue Erkenntnisse aus der Muckibude:

  1. Es gibt Brustmuskeln, die sind direkt mit dem Gesicht verbunden – bei starker Anspannung der Musculi pectularis verzerrt sich die Mimik zur grässlichen Grimasse.
  2. Die sich jeden Sonntagvormittag zusammenfindende vierköpfige Seniorengruppe (die Herren sind im besten Alter, also mutmaßlich ungefähr so alt wie ich) trifft sich eigentlich nur zum verbalen Austausch der Wochenereignisse. Geräteübungen sind nur schmückenden Beiwerk und eher lästiges Alibi, um der heimischen Idylle für zwei Stunden zu entfliehen, ohne sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, man säße jedes Wochenende in der Kneipe.
  3. Manch einem genügt es für die Körperertüchtigung, im Fitnessstudio zu lesen, entspannt Musik zu hören oder zu twittern. Die hauptsächlich beanspruchten Muskelgruppen befinden sich zwischen Handwurzel und Fingerspitzen und werden vorwiegend für die Bedienung des multifunktionalen Ultrakurzwellenfunkfernsprechgerätes eingesetzt.
    So weit möchte ich es auch mal bringen.

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Krümelkacke

Erstellt von duftbaeumchen am 28. Januar 2012

Seitdem unsere Mülltonnen nicht mehr in der Tiefgarage stehen, sondern in einer “Einhausung” im Freien, gestaltet sich die Abfallentsorgung umständlicher. Wo wir früher im Vorbeifahren die Haushaltsreste abwarfen, ist nun nichts mehr als kahle Wand. Deshalb verschiebt “Man(n)” den Gang zur Tonne solange, bis es sich wegen des süßlich-beißenden Gestanks in der Wohnung nicht mehr aushalten lässt.

Es ist wieder soweit.

Doof nur, dass es vergangene Nacht schnitt: nun brauch’ ich wohl auch noch einen Schneeschieber.

Oder ich schmeiß’ das Zeug heute Nacht heimlich vom Balkon hinunter.

Ach nee, da liecht ja ooch Schnee.

PS: Laut frühmorgendlichem Radio-Wetterbericht (9.02 Uhr) wohne ich zwischen Vogtland und Erzgebirge – im wahren Leben ganz woanders.

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Fehlsicht, Rundumsicht, Weitsicht

Erstellt von duftbaeumchen am 22. Januar 2012

aufgeschnappt: “Das ist ja grausam. Und sowas ist Kunst!

World Press Photo 11

Nein, das ist keine Kunst! Das ist das Leben!

Und es ist nicht immer so schön wie in der Werbung.

 

(World Press Photo 11, noch bis zum 29.01.2012 im Leipziger Hauptbahnhof zu betrachten)

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zwei hammer noch …

Erstellt von duftbaeumchen am 17. Januar 2012

… allerdings nicht hier vor Ort, sondern in Nürnberg.

Stöpselgasse
(Bild: J.B., 14.01.2012)

Die “Drei Damen vom Grill” (habsch früher ooch gerne geguggd) bedienten sich bereits, bevor der große Regen niederging und für die beiden übrig gebliebenen Ersatzteile finden sich bestimmt auch noch Abnehmer. Im doppelten Sinn des Wortes.

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unterirdisch

Erstellt von duftbaeumchen am 15. Januar 2012

Du bist ein Arschloch!“, schallte es fremdländisch akzentuiert laut durch den Raum – durch den Gastraum, in dem wir erst wenige Minuten zuvor einen Platz zugewiesen bekamen.

Wilde Worte wechselten weiterhin die Besitzer; eine der zahlreichen “Kundenbetreuerinnen” stritt sich lautstark mit einem der Köche/ Pizzabäcker. Worum es genau ging, war nicht zu ergründen. Die Worte “Pizza” und “alleine fressen” ließen jedoch darauf schließen, dass es sich mutmaßlich um eine der hausgemachten Speisen drehen musste.

Wir wussten es nicht genau, freuten uns aber trotzdem, diesem Schauspiel beiwohnen zu dürfen.

Zumal der Start unserer Soirée schon nicht optimal verlaufen war. Als wir nämlich die Lokalität betraten und uns bis zum Tresen gekämpft hatten, interessierte sich von den dort anwesenden Restaurantfachfrauen (zirka sechs/ sieben ins gruppendynamische Einzelgespräch vertiefte junge Dinger) keine für uns. Wir standen und warteten; man will sich ja auch nicht unnötig aufdrängen.

Als ich schon ansetzen wollte mit der loriotschen Frage (1): “…, dürfen wir IHNEN vielleicht etwas bringen?!”, riss sich dann doch eine Angestellte aus dem wissenschaftlichen Fachdiskurs und nahm sich unser an.

Der Name als Unternehmensleitsatz?

“La Grotta” in der Leipziger Ratsfreischulstraße wurde dem gerecht.

Wir besuchten bereits mehrmals das mit der Pizzeria räumlich und organisatorisch verbundene Restaurant nebenan und die Vergangenheit gab keinen Anlass zur Klage; die Art der Gastbetreuung dürfte demnach nicht großartig anders sein. So hofften wir. Doch gestern sah es der Dienstplan wohl vor, dass sich diejenigen Mitarbeiter versammelten, die ihren sogenannten “schlechten Tag” hatten.

Auch wenn das Essen selbst vorzüglich mundete (davon abgesehen, dass die wagenradgroßen Pizzen nur mit Mühe in den Wanst einer normalgewichtigen Einzelperson passen), der Dienst drumrum (die schauspielerische Einlage zu Beginn außer Acht lassend) entsprach voll dem Namen, der über der Eingangstür prangt: Grottig.
Die Einnahme der Speisen an sich nahm den geringsten Teil der zweieinhalb Stunden dauernden Veranstaltung ein. Es schien so, als ob sich die Bedienung mehr um die tausend kleinen Dinge des Lebens kümmerte als um uns – um die Menschen, die für die Bereitstellung der Arbeitsentgelte am Monatsende erforderlich sind.

Und für die Lohnzusatzleistungen. Aber die Gehälter sind da wahrscheinlich derart hoch, dass für Trinkgelder kein Bedarf besteht.

Naja, muss auch nicht.

Es hätte wahrscheinlich vor Kassenabschluss niemand bemerkt, wenn wir ohne Begleichen der Rechnung von dannen gezogen wären.

 

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1 zu sehen in Loriots Meisterwerk “Pappa ante portas

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gut behütet

Erstellt von duftbaeumchen am 14. Januar 2012

Mehr muss eine Frau doch nun wirklich nicht tragen, wenn sie zur Faschingsparty gehen will.

Faschingskostüm Faschingskostüm

 

Um Halsschmerzen vorzubeugen, empfiehlt es sich bei Temperaturen unter minus zehn Grad Celsius, eine Federboa locker ums Dekolleté zu drapieren.

 

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PS Haben Sie es bemerkt? Das “alte” iPhone 3, welches ich temporär benutze, fokussiert vortrefflich auf das Regal hinter der Protagonistin. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Optik bei soviel nackten Tatsachen schamhaft versucht, blind zu werden.

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feuchte Züge von oben

Erstellt von duftbaeumchen am 13. Januar 2012

Nahe Angehörige können nach persönlicher Inaugenscheinnahme bestätigen, was unabhängige Sachverständige bereits über die Tagespresse verlautbaren ließen:

Das Bahnhofsdach ist löchrig.

Nicht nur der Wind faucht über die Bahnsteige, nu drebbelts ooch noch von obn offn Kopp.

Nun muss man daraus nicht gleich ein Drama machen.

Der ebenfalls anwesende Neffe stellte sachlich distanziert und treffend fest:

“Der Bahnhof ist ja auch kein Wohnzimmer.”

Recht hat er. In der guten Stube ist es wesentlich weniger – Achtung Wortspiel – zugig.

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kritische Masse

Erstellt von duftbaeumchen am 11. Januar 2012

Und ich sach noch zur Frau Frülln: In der Schauburg sind immer wenig Zuschauer, die knistern nicht während der Vorstellung, kostenlose Parkplätze gibt’s in unmittelbarer Nähe und die Preise sind nicht so exorbitant hoch wie in den Multiplexkinos …

Die Filmvorschau weckte Neugier, also packte ich die Herzdame beim virtuellen Schopfe und wir zogen hinaus in die dunkle Nacht.

Eine derart große Menschenansammlung vor diesem Lichtspieltheater und in dessen Eingangsinnenbereich sah ich das letzte Mal vor “der Wende”. Die “Schauburg” ist mittlerweile eher ein Nischenkino.

Was iss’n hier los?

Ein Kontrollblick auf das papierne Kinoprogramm verriet den Grund: Premiere.

Na, ob wir da überhaupt reinkommen?

Wir kamen.

Rings um uns betrieben mehr oder weniger intellektuell aussehende Menschen Konversation. Wer gerade nichts zu sagen hatte, nippte an einem Sektglas.

So unvorbereitet kommt man sich ja etwas deplatziert vor. Ergo: Ein Kinovorschauprogramm geschnappt und zielgerichtet die Sitzgelegenheiten okkupiert.

Du liest doch bestimmt jetzt noch, da hole ich mir auch ein Kinoprogramm“, sprach die Herzdame.

Naja, ich guck mir eigentlich nur die Bilder an; ich hab’ ja keine Brille dabei.” (1) Infolge der Altersweitsicht benötige ich im Kino normalerweise keine Sehhilfe, da wir ganz selten bis nie in der ersten Reihe direkt vor der Leinwand sitzen. Ich lasse sie also zu Hause. Andererseits sollte mich die Lebenserfahrung – auch eine Art Altersweitsicht – mittlerweile gelehrt haben, ein Binokel für den “Notfall” vorrätig zu halten.

Mach’sch aber nich. Der Lernprozess dauert noch an.

Wie dem auch sei – die Herzdame kehrt zurück. Mit Heft und zwei Gläsern Sekt.

Den gibt es nämlich (wie wir nun wissen) kostenlos.

Dann sind wir ja sozusagen sehr wichtige Personen (VIP).” Oder wollen die uns bereits vor Filmbeginn betrunken machen und einlullen?

Woll’n se nich. Fangen aber dafür später an und ersetzen die Werbung durch eine persönliche Einführung durch den Mann vom Filmverleih. Inklusive Hinweis, dass auch Filmschaffende (Produzenten, Regisseur, Schauspieler) anwesend sind und sich am Ende sogar zu erkennen geben wollen.

Dann geht’s endlich los.

Das System – Alles verstehen heißt alles verzeihen

Und wir sind bei der Weltpremiere live (also u.a. lebendig, direkt, ungebraucht, glühend) dabei.

Auch wenn mir bei einigen Szenen die Bildgestaltung (2) nicht zusagte, so darf ich insgesamt konstatieren: Ja. Doch. Nicht schlecht gemacht. Gefällt.

Nach der sich anschließenden obligatorischen “Befragung” und Vorstellung einiger Mitwirkender sowie der Nichtbeantwortung nichtgestellter Zuschauerfragen, gab’s dann noch mal Sekt. Wer wollte.

Doch auch ohne diese Zugabe (die wir aus Zeitgründen nicht annahmen) können wir uns nicht beklagen. Schon rein aus finanzieller Sicht war dieser Kinobesuch ein voller Erfolg: 4 (in Worten VIER) Euri für zwei Kinokarten (3), unendlich (theoretisch) viel Prickelwasser und anspruchsvollen Kulturgenuss.

Und nicht zu vergessen: Das Gefühl, ein privilegierter Kunstkonsument zu sein.

 

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1 Also prinzipiell kann ich auch ohne Brille lesen, wenn ich das Schriftstück nur weit genug vom Gesicht weghalte. Beim Schummerlicht des Kinosaals ist allerdings der Zeichen-Hintergrund-Kontrast so gering, dass jeglicher Versuch der Informationsaufnahme kläglich scheitert. Es bleibt bei der Bilder- und Überschriftenbeschau.

2 Warum müssen die Kameraleute heutzutage ständig rumzappeln und den Protagonisten fast in die Körperöffnungen kriechen. Lasst doch die Schauspieler mal in Ruhe agieren, gebt ihnen Raum. Stellt die Kamera auf ein Stativ und rennt nicht ständig mit ihr herum. Nehmt euch ein Beispiel an “Die Reifeprüfung” mit Anne Bancroft und Dustin Hoffmann!

3 Die Premium-Variante der happy dinner card macht’s möglich – zwei Karten für eine.

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Penner-Scanner

Erstellt von duftbaeumchen am 8. Januar 2012

… oder: Die elektrische Kollekte.

Wie ihr alle bereits wisst, beabsichtigen die Sparkassen, ein neues Verfahren zum bargeldlosen Bezahlen der “kleinen Dinge des täglichen Bedarfs” einzuführen. Nennt sich NFC-Payment.

Dafür wird auf die bekannten EC-/ Giro-Karten mit einem Nahfeldkommuniktionsschaltkreis (NFC-Chip) ein winziges Bauteil aufgelötet, welches einen berührungslosen Datenaustausch mit der Kassierfachkraft ermöglicht.

Und nicht nur mit der, auch im Gedränge eines überfüllten öffentlichen Nahverkehrsmittels lassen sich so erkleckliche Kleinbeträge aus den in den Arsch- und Handtaschen der unbeabsichtigt miteinander Kuschelnden ins eigene elektrische Sparschwein umbuchen.

Ohne PIN, ohne Unterschrift. Belegloser Bargeldtransfer.

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Zeitzeugnis

Erstellt von duftbaeumchen am 2. Januar 2012

Feuerwerk, Leipzig, Silvester 2011

Feuerwerk, Leipzig, Silvester 2011

Guckt euch das Bild genau an. Es wird eines der letzten Zeugnisse eines Silvesterfeuerwerks sein, welches ihr zu Gesicht bekommt. Denn es war ja auch das letzte Silvester, das ihr erleben durftet/ musstet.

Am 21. Dezember ist Schluss mit lustig.

Die Welt wird untergehen.

Nun muss nur noch geklärt werden, wo genau im weiten Weltenraum unten ist. Aber dafür ist ja noch ein paar Monate Zeit.

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