Ja, mir ist klar, dass man von Einzelfällen nicht auf das große Ganze schließen soll. Mir ist auch klar, dass die Unannehmlichkeiten bei der Mitnahme meines Fernsehanschlusses nur Zufall und nicht Ausdruck eines allgemeinen Leidens des Kabelnetzbetreibers - in meinem Fall Kabel Deutschland - war. Bei der Größe dieses Unternehmens können schon mal kleine und an der Gesamtzahl aller Umzüge, Neuan- und Abschaltungen gemessen vernachlässigbare Fehler passieren.
Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, ist das Benehmen eines im Auftrag ebendieses Kabelnetzbetreibers agierenden Herrn.
Leider betrifft es mich nicht persönlich und ich kann nur wiedergeben, was meine Mutter vorgestern erlebte.
Da hängt also bereits seit geraumer Zeit ein großer Zettel im Hauseingang. Ich darf zitieren:
“Mieterinformation zur Fernseh- und Hörfunkprogrammversorgung
Die bevorstehende Digitalisierung des Fernsehnetzes und Ihr
Kabelanschluss für günstige Telefonie und/oder Internet!
Sehr geehrte Mieterinnen und Mieter,
Mit Kabel Deutschland steht Ihnen ein kompetenter Partner zur Verfügung, der Ihnen neben einem qualitativ hochwertigen Fernsehempfang auch ein neues digitales Programmangebot zur Verfügung stellt.
Um das digitale Programmangebot im vollen Umfang nutzen zu können, benötigen Sie einen Digitalreceiver/recorders und eine Smartcard. Beides erhalten Sie bei Ihrem Medienberater. Damit stehen Ihnen sofort über 100 digitale Programme in bester digitaler Bild- und Tonqualität zur Verfügung, sowie zahlreiche Radioprogramme und optional über 30 Pay-TV-Sender.
Ihr Kabelanschluss kann aber noch mehr!
Dieser bietet Ihnen auch einen superschnellen Internetanschluß und das Telefonieren über den Kabelanschluß( nur 9,90 Euro) und das zu sehr attraktiven Preisen.
Im Tarifpaket “Comfort” zum Beispiel kostet ein schneller Internetzugang mit 32 Mbit/s und einer Flatrate für unbegrenztes Surfen in Kombination mit einem Telefonanschluss ebenfalls inklusive Flatrate und zwei parallelen Leitungen zur Zeit nur 22,90 Euro pro Monat.
Eine Beratung zu allen Nutzungsmöglichkeiten erhalten Sie bei Ihrem Medienberater,
Tobias Rxxx
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der sich durch einen Kabel Deutschland-Ausweis legitimieren wird.
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Am 21.1.2010 in der Zeit von 13 bis 15 Uhr (17 bis 19 Uhr) [Datum und Uhrzeiten handschriftlich eingetragen, d.A.]
wird Sie Herr Rxxx. persönlich kontaktieren und erledigt für Sie alle Anmeldeformalitäten. Natürlich können Sie auch unter der Telefonnummer 01XX/XXXXXXX einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren.” (1)
Soweit, so gut.
Zu viele Informationen, um als normalsterblicher, im regulären Ruhestand befindlicher Fernsehzuschauer die Tragweite des “Angebotes” zu erfassen. Für mich “klingt” der Aushang sogar so, als ob die “bevorstehende Digitalisierung des Fernsehnetzes” obligatorisch - also nicht wahlfrei - mit einer Digitalisierung der Empfangsgeräte verbunden wäre. Den Hinweis, dass ebendiese Umstellung mit höheren Monatskosten einhergeht, kann ich auch bei mehrmaligem Lesen nicht erkennen.
Muss ja auch nicht, Herr Rxxx nimmt uns doch Arbeit und Lauferei ab. Er macht das schon richtig.
Er ist einer der Guten; geprägt von Nächstenliebe und Uneigennutz.
Auf Nachfrage bestätigte mir meine Haupterzieherin im Vorfeld des Termins, dass sie zufrieden mit dem bisherigen, analogen Fernsehangebot ist und auch nicht vorhat, ihren Telefon- und Internetanbieter zu wechseln. Ich riet ihr also, die hilfreiche Unterstützung des Medienberaters nicht in Anspruch zu nehmen und die “Überprüfung des Fernsehanschlusses” [Nachtigall ick hör dir trapsen. d.A.], wie es ein zweiter, kleinerer Zettel am Hausinformationsbrett bekanntgab, nicht durchführen zu lassen.
Muttern, im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte, ist da auch nicht zimperlich und wimmelt ab.
Als der Berater vorgestern “von unten” klingelt und um Einlass ins Haus bittet, wehrt sie ab. Selbst auf seinen Einwand hin, dass wäre mit der Hausverwaltung so abgestimmt, lässt sie sich nicht erweichen.
Und dann kommt’s: In die mittlerweile minutenlange und seinerseits aggressiver werdende Wechselsprech-Diskussion streut er erbost den Satz ein:
“Dann gehören Sie wohl auch zu den wenigen Bornierten.“
Genau so wird es sein, Herr Rxxx. Eine(r) muss es ja sein.
Werter Herr Rxxx, vielleicht war es Gram über ein schlechtes Mittagessen, vielleicht hatten Sie Ihr Tagesumsatzsoll noch nicht erreicht, vielleicht war Ihnen auch nur kalt. Mir ist auch nicht bekannt, wie die Laus heißt, die Ihnen da vorgestern durch die Leber gekrochen ist.
Ich gehe jedoch davon aus, dass gerade Sie wissen, was das Wort borniert bedeutet.
Denn unbelehrbar, engstirnig, ignorant und uneinsichtig sind auch die Menschen, die andere Meinungen und Lebensauffassungen nicht akzeptieren.
Schade, dass man bei der Fernsehversorgung manchmal keine praktikablen Alternativen hat und an einen Anbieter gebunden ist.
Kabel Deutschland (deren Repräsentant Sie in diesem Fall sind)?
Nein, Danke.
(1) Hervorhebungen, Rechtschreibfehler und Drucksatz originalgetreu übernommen (schließlich ist es ein Zitat).