Duftbäumchens Logbuch

mit System Anti-Verblassen

rosa Handwerkerkunst

… oder: Ein weiterer Stein in der Mauer der großen Hoffnungen.

46 Jahre vergingen, bis ich eine Combo richtig für mich entdeckte; 46 Jahre, in denen mir die Musik oft über den Weg flog, mich aber nur mal mehr, meist weniger streifte.

Pink Floyd - Wish You Were Here (Amiga, 1983)

Es begab sich zu einer Zeit, in der Westmusik heißbegehrte Rarität auf dem hiesigen Plattenmarkt war. Damals, in den Achtzigern des vergangenen Jahrhunderts, als AMIGA Fleetwood Mac, Michael Jackson, Kate Bush und andere in Lizenz und geringer Auflage für uns DDR-Bürger presste, erhaschte ich auch eine Scheibe von Pink Floyd („Wish You Where Here“; 1983; 16,10 DDR-Mark). Nicht, weil ich wusste, wer das ist, sondern weil es einerseits eine Westplatte mit Tauschpotential war und andererseits, weil die Herrschaften elektronische Musik spielten. Zumindest kam es mir so vor.
Ein Klassenkamerad in der Berufsausbildung hatte einen guten Draht zu einer Musikalienhandlung in Leipzig-Stötteritz und konnte rechtzeitig den Verkaufstag ergründen. Und so reihte auch ich mich ein in die lange Schlange vor dem kleinen Laden direkt an der Straßenbahnhaltestelle in der Papiermühlstraße – erst ma ham und dann ä Stück weg damit. Um den Stereoklang zu genießen, hörte ich die Platte vorwiegend unter Kopfhörern; die Plastikboxen eines Ziphona Combo waren für solche Musik eher ungeeignet.

Pink Floyd - Wish You Were Here (Amiga, 1983)

Dann kam die „Wende“, der erste CD-Spieler und andere musikalische Präferenzen – die Plastikscheiben stauben seitdem vor sich hin. Sie wurden teilweise durch digitale Pendants ersetzt. Neben Tangerine Dream („Tangerine Dream“), Klaus Schulze („Elektronik-Impressionen“), Vangelis („Greatest Hits“), Reinhard Lakomy („Zeiten“), Isao Tomita („Pictures At An Exhibition“) und anderen steht also auch seit langer Zeit mangels eines ordentlichen Wiedergabegerätes unerhört Pink Floyds „Wish You Where Here“ im Plattenschrank.

Anfang der 2000er. Bei Bekannten höre und sehe ich den DVD-Konzertmitschnitt „In the flesh“ von Roger Waters und erfahre nebenbei, das Pink Floyd als Formation schon geraume Zeit gar nicht mehr existiert. Schade und doch auch egal, da ich sowieso nicht viel damit „am Hut“ habe.

Kurze Zeit später stand die Konzert-DVD auch in meiner Musikbox. Ab und zu schaute ich mir das Konzert an, bewunderte die Hand-Werker-Kunst der Spielgesellen, konnte aber zeitliche, musikalische und personelle Zusammenhänge weder einschätzen noch werten.

Wieder vergingen Jahre.
„Wish You Where Here“ als CD bereichert inzwischen meine elektronische Plattensammlung, das Interesse an dieser Combo hielt sich dennoch in sehr engen Grenzen. Außer „Another brick in the wall„, „Money“ oder „Time“ hört man ja auch nicht so viel von denen im Mainstreamradio.

Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2011.

Ich kann nicht mehr beschreiben, wer bzw. was so plötzlich und unerwartet diesen Schalter umlegte und mein Interesse wieder zu dieser Combo lenkte.

Ist bestimmt so ein Alters-Dingens. Mittlerweile bin ich Mitte vierzig. Gereift.

Oder war es die Parallelität der Ereignisse? Schließlich hatten die Mannen um Roger Keith (Syd) Barrett im Herbst 1965, also mehr oder weniger und fast zeitgleich mit meiner Geburt ihren ersten Auftritt als The Pink Floyd Sound.

Ich glaube, es hing irgendwie mit der Wiederauflage aller Pink-Floyd-Alben Ende 2011 zusammen und der Werbung dafür. Dies brachte mich dazu, „Wish You Where Here“ und „In The Flesh“ aus dem Schrank zu kramen und mich in meiner ursprünglichen Ansicht zu bestätigen: „gar nicht mal so schlecht“.

Neee, die sind sogar sehr gut!

Auch wenn Roger Waters die Combo nach seinem Weggang 1985 für aufgelöst erklärte, versiegte der Quell musikalischer Inspiration der beiden Hauptdarsteller Gilmour und Waters nicht – Gilmour als Teil der als Dreiergespann und unter altem Namen fortbestehenden Pink Floyd, Waters als Solist. Der Abstand zwischen Neuerscheinungen wurde größer, Live-Auftritte seltener.

Das zum Jahreswechsel 2011/2012 erhältliche Sonderheft „Pink Floyd“ der Musik-Zeitschrift „eclipsed“ trug dann nicht unwesentlich dazu bei, mich dem Thema Pink Floyd intensiver zu widmen.

Darauf folgten diverse Ton-, Bild- und Schriftträger und nach und nach formte sich ein Bild vom Wirken einer Musikformation, die es nicht zu Unrecht zu Weltruhm brachte.

Die recht umfangreichen Publikationen von Toby Manning „Rough Guide: Pink Floyd“, „Inside Out“ von einem der Gründungsmitglieder Nick Mason, die „eclipsed„-Sonderausgabe „Pink Floyd“ und „pink floyd: Vom Underground zur Rock-Ikone“ von Nicholas Schaffner bieten viel Lesestoff; in „Pink Floyd: Die definitive Biografie“ von Mark Blake bin ich noch am Anfang.

Ein Berg an Informationen, die die historische und musikalische Entwicklung von Pink Floyd zwar umfassend beleuchten, sich jedoch gar nicht beim einmaligen Lesen in ihrer Gänze erfassen lassen.

2017.

Weitere Kompositionen wurden auf Schallplatten gekratzt und vor jeder Veröffentlichung sowohl von David Gilmour als auch von Roger Waters steigt die Vorfreude.

Und wenn dann David Gilmour live auf der Bühne die Därme seiner Lap-Steel-Gitarre zupft und „High Hopes“ zu Ohren schickt , könnte ich Pipi in die Augen bekommen.

Aber ich bin schon groß und verdrück’s mir…

 

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